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Premiere für Technik im städtischen Kanalnetz

Filter fängt feinste Schadstoffe

Warendorf

Beim Bremsen entsteht feinster Staub, Reifenabrieb geht wie er durch die herkömmliche Kanalisation in Bäche und Flüsse. An einer Stelle bald nicht mehr.

Jörg Pastoor

In etwa vier Wochen sollten die Filteranlagen angeschlossen und die Baugruben an der Beckumer Straße verfüllt sein. Für Kanalisation und neue Straßendecke kommen noch einmal fünf Monate Bauzeit hinzu.  Foto: Jörg Pastoor

„Filterkartusche“ klingt für den Nichttechniker erst einmal handlich. Eins zu eins muten sie eher an wie Kleinst-U-Boote, die „Sedi-Substratoren“ auf dem Randstreifen der Beckumer Straße. In gut einem Monat sollen die schwarzen Tanks in Betrieb gehen. Ihr Einsatzzweck: der Ems Mikroschadstoffe aus Straßenabwässern ersparen. Eine Premiere für das Abwasserwerk und seines Wissens sogar kreisweit, sagt dessen künftiger Leiter Thomas Meier im WN-Gespräch.

Zwar fängt die Technik auch das Grobe in Gewerbegebiets-Abwässern wie hier. „Da ist ein Trennblech eingebaut, das Splitt und Sande aufnimmt“, taucht Thomas Meier in die demnächst Meter unter der Straße arbeitende Technik ein. Auch ohne stärkere Regengüsse wirbelt das gesammelte Wasser normalerweise als Gemisch Richtung Holzbach und dann Ems. „Aber das System hat in Fließrichtung ein Gegengefälle. Das verlangsamt alles und die Schwebstoffe können absinken.“

Thomas Meier

Das tun feinste Partikel wie die beim Bremsen an Belägen und Reifen entstehende Teilchen nicht. Sie landen auf der Straße, Regen spült sie ins Kanalnetz. Und statt bisher ungefiltert in Warendorfs Fluss demnächst durch besagte Kartuschen in ein spezielles Substrat. Dort bleiben sie hängen. „Da beginnen dann die Erfahrungen, die wir sammeln“, so Meier, „vielleicht werden wir alle zwei Jahre mal das Substrat auswechseln müssen.“ Das geht über die Schächte von oben.

Die Beckumer Straße ist deshalb Tatort für den Pilotbetrieb, weil es hier durch die vielen Anlieger mit ihren versiegelten Flächen viel Oberflächenwasser im Röhrensystem gibt, sondern auch starken Verkehr. Hier gibt es nach Untersuchungen des Abwasserwerks deutlich höhere Anteile an Mikromüll.

Mehr Mikromüll durch höheren Verkehr

„Wir haben zunächst zwei Röhren. Theoretisch könnte man eine mit Substrat betreiben und eine ohne, um die Reinigungsleistung vergleichen zu können.“ Deshalb gibt es auch Überlegungen im Klärwerk, das rund 200 000 Euro teure Modell möglicherweise im Einsatz durch eine Fachhochschule untersuchen zu lassen.

In etwa vier Wochen sollten die Substratoren dann wohl „verbuddelt“ sein, wie Thomas Meier schätzt. Dann geht es mit neuen Kanaltrassen Richtung Am Salzbach weiter, bevor die Stadt zum Schuss – so in geschätzt fünf Monaten – einen neuen Belag auf die lädierte Beckumer Straße aufbringen lässt.

Die Ruhe danach ist überschaubar: In zwei Jahren gibt es weiter die „Beckumer“ hinauf einen weiteren Filtrationspunkt für das Kanalnetz – mit diesmal acht Einheiten.

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