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Zuständige Ministerin Ursula Heinen-Esser besucht Landgestüt

Große Sorgen um den guten Ruf

Warendorf

Ministerin Ursula Heinen-Esser macht bei ihrem Besuch des Landgestüts in Warendorf keinen Hehl aus ihren Sorgen. Die Vorfälle rund um die Videos, die Verstöße gegen den Tierschutz dokumentieren sollen, haben für Unruhe gesorgt. Die Landesregierung will durch die Interimsleitung ein Zeichen setzen, welche Bedeutung das Gestüt für das Land und darüber hinaus hat.

Erhard Kurlemann

Tierpfleger Jens Goldfuss führt Dutch Dynamic durch die imposante Boxengasse in einem der Reitställe Foto: Erhard Kurlemann

„Wir reden hier über schwierige Dinge.“ Diese Randbemerkung von Ursula Heinen-Esser zeigt, wie groß die Sorge der Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz um das Renommee des Landgestüts in Warendorf tatsächlich ist. „Die Landesregierung hat mit der Entscheidung, Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann zum kommissarischen Leiter zu bestellen, ein deutliches Zeichen gesetzt, wie wichtig ihr das Landgestüt ist,“ betont die Ministerin bei ihrem Besuch am Freitag.

Zuvor hatten sie und Bottermann intensive Gespräche mit den Mitarbeitenden des Landgestüts geführt. „Die Landesregierung steht hinter dem Landgestüt“, unterstreicht sie und will so der „Unruhe im Gestüt und darüber hinaus“ begegnen. Noch in diesem Jahr werde das Projekt „Zukunftsperspektive Landgestüt“ starten. An diesem Workshop „beteiligten sich namhafte Vertreter aus verschiedenen Bereichen“, um das Landgestüt und dessen Arbeit zukunftsfest aufzustellen.

Ministerin kündigt umfassende Aufklärung an

Die Ministerin und ihr Staatssekretär waren aufgrund von Vorwürfen gekommen, in mindestens einer Trainingseinheit im April unter der Leitung von Kerstin Ankerhold sei gegen den Tierschutz verstoßen worden (WN berichteten). In der Konsequenz hatte die Gestütsleiterin um ihre Versetzung gebeten.

Ministerin Ursula Heinen-Escher kündigt an, dass die Vorfälle, die durch insgesamt fünf Handyvideos dokumentiert sein sollen, „umfassend aufgeklärt werden müssen.“ Dazu habe das Ministerium eine interne Expertenkommission eingesetzt, die den Sachverhalt aus den Videos unter dem Tierschutzaspekt auswerten solle. Einmal habe sich das Gremium bereits „digital“ getroffen, eine weitere Sitzung sei für die kommende Woche vorgesehen. Die Kommission setzt sich zusammen aus: dem Leiter des für das Landgestüt zuständigen Fachreferates, Martin Hannen, der Leiterin des Tierschutzreferates, Dr. Sylvia Heesen, der Landestierschutzbeauftragten, Dr. Gerlinde von Dehn, dem Leiter des Justiziariats, Dr. Jörg-Michael Günther, sowie zwei externen Sachverständigen, den Tierärzten Dr. Andreas Franzky, Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) und Vorsitz im Arbeitskreis Pferde bei der TVT, und Dr. Ralf Unna, Vizepräsident des Landestierschutzverbandes NRW.

Inzwischen habe der Kreis Warendorf mitgeteilt, dass Anzeige gegen das Landgestüt erstattet worden sei. Das Kreisveterinäramt habe mit den Ermittlungen begonnen und habe letztlich auch die letzte Entscheidung, ob die Videoaufnahmen einen Verstoß gegen den Tierschutz dokumentierten. „Auch das Expertengremium hat lediglich die Aufgabe, diese Trainingssituation zu bewerten.“

Die CDU-Politikerin erinnert daran, dass Kristina Ankerhold die Gestütsleitung in März 2018 in einer „schwierigen Zeit“ übernommen habe. Sie habe sich seither in ihrer Arbeit unter anderem um eine „gesteigerte Qualität der Hengstbestände“ verdient gemacht. Dieses werde auch von vielen Partnergestüten „anerkannt und gewürdigt“, etwa bei einem Zuchtprojekt zu rheinischen Kaltblütern. In soweit sei das Landgestüt gut aufgestellt.

Bedeutung der Pferdekultur für NRW

Sie ergänzt, dass das Ministerium dem Wunsch Ankerholds auf Versetzung nachkommen wolle. Ob es darüber hinaus ein Disziplinarverfahren gebe, hänge möglicherweise von den Ergebnissen der Untersuchungen der Vorwürfe ab. „Letztendlich macht das Beamtenrecht dazu genaue Vorgaben“.

Staatssekretär Bottermann sichert zu, künftig auch in Warendorf präsent zu sein. „Das ist ein wichtiges Thema. Das muss sein.“ Nur so könnten Gespräche mit Mitarbeitern geführt werden. Derzeit arbeite er daran, seine Aufgaben so umzustrukturieren, dass die „wichtige Zeit für Warendorf“ gewonnen werde.

2026 will das Landgestüt den 200. Geburtstag „angemessen“ feiern. „Das bedeutet, das Landgestüt ist auf die Zukunft ausgerichtet“. Dann verweist die Ministerin auf das Landeswappen. Das dort abgebildete Pferd unterstreiche auch die Bedeutung der Pferdekultur für das Land NRW.

Wann das Landgestüt wieder eine neue Leitung bekommt, stehe noch nicht fest. „Aktuell nehmen wir noch keine Bewerbungen entgegen.“

Möglicherweise gibt es bereits im kommenden Sommer Anlass zu feiern. Dann könnte die neue 68 mal 30 Meter große Reithalle fertig gebaut sein.

Derzeit hat das Landgestüt 64 Mitarbeitende. „Die 28 Beamten und 26 Tarifbezahlten“ kümmern sich nach Angaben der Ministerin täglich um die 134 Pferde. „Dazu werden im Gestüt 17 junge Menschen ausgebildet“.

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