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Anja Karliczek wünscht sich mehr Freiheiten für Forstbesitzer

Ministerin auf Problemtour durch den lichten Wald

Lienen

Trockenheit, Borkenkäfer, Rüsselkäfer und ungewollte Überdüngung: Der deutsche Wald ist in Gefahr. Das hört man überall – hier man es auch sehen. Deshalb hatten die Forstbetriebsgemeinschaft Lengerich und Dr. Philipp Freiherr Heereman, Vorsitzender des Waldbauernverbands NRW, Bundesministerin Anja Karliczek zum Ausflug in den Teutoburger Wald eingeladen.

Von Gunnar A. Pier

Planwagenfahrt zum Dienstbeginn: Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, ließ sich am Donnerstagmorgen unter anderem von Philipp Freiherr Heereman die Probleme des deutschen Waldes erklären. Foto: Gunnar A. Pier

Martin Hörsken hat extra ein Foto mitgebracht, und als der Planwagen am Donnerstagmorgen an ei­nem zugewucherten Feld stoppt, zeigt er es Anja Karliczek. „Das sah hier mal so aus“, sagt er resigniert. „Das war ein Wirtschaftswald. Jetzt ist es keiner mehr.“

Trockenheit, Borkenkäfer, Rüsselkäfer und ungewollte Überdüngung: Der deutsche Wald ist in Gefahr. Das hört man überall – hier kann man es auch sehen. Deshalb hatten die Forstbetriebsgemeinschaft Lengerich und Dr. Philipp Freiherr Heereman, Vorsitzender des Waldbauernverbands NRW, die Bundesministerin für Bildung und Forschung zum Ausflug in den Teutoburger Wald eingeladen. Karliczek kam zwar überpünktlich, berichtete aber zunächst von einem ganz anderen Alltagsproblem: „Wir mussten ein paar mal anhalten.“ Denn um die Morgenlage mit ihrem Ministerium zu besprechen, ist sie auf ein stabiles Handynetz angewiesen, und da kann es zwischen Tecklenburg und Holperdorp schon mal eng werden.

Bald wird es keine Fichten mehr geben

Aufgesessen, abgefahren: Im Planwagen kutschierten Waldbauern und Bundesministerin dann anderthalb Stunden über den einst bewaldeten Bergrücken. Jetzt ist über weite Teile der Blick übers Münsterland frei. „Vor dem Borkenkäfer hatten wir 20 Prozent Fichten, jetzt sind es drei Prozent – und täglich werden es weniger“, verdeutliche der Forstbetriebsgemeinschaftsvorsitzende Gottfried Steinigeweg. Auch wenn es in diesem Jahr wieder etwas mehr geregnet habe: Die Fichten litten unter der Trockenheit und könnten so dem gefräßigen Käfer nichts mehr entgegensetzen. Bald wird es keine Fichten mehr geben.

Einfach was anderes anbauen? „Auf die Fichte zu verzichten, wäre, wie in der Landwirtschaft auf Mais zu verzichten“, so Heereman. Zudem sieht er auf mittlere Sicht auch für die Buche schwarz, die hier 40 Prozent des Waldes ausmacht. „Die kann die Sonne nicht ab.“

Karliczek optimistisch, dass der Wald überlebt

Also sind alle auf der Suche nach Lösungen. Da ist offenbar Vielschichtigkeit gefragt, weshalb die Waldbauern der Ministerin unter anderem den Wunsch nach flexiblen Regelungen bei Fördergeldern mit auf den Weg gaben.

Anja Karliczek betonte ihr Vertrauen in die Arbeit der Menschen vor Ort. „Wir müssen ihnen die Freiheit geben, nach eigenen Lösungen zu suchen.“ Politik und Behörden sollten weniger Vorgaben machen, aber jederzeit „solide wissenschaftliche Begleitung“ anbieten. Dann sei sie optimistisch, dass der Wald überlebt.

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