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Design-Studenten präsentieren Erfindung

Mit der Matte aus Münster zur Mailänder Designwoche 

Münster

Von Haus aus sind Jonas Finkeldei und Nick Potter Tischler. Doch jetzt haben die angehenden „Designer im Handwerk“ ein praktisches Ding entwickelt, das sie auf Einladung bei der Mailänder Designwoche vorführen durften.

Von Gunnar A. Pier

Nick Potter (links) und Jonas Finkeldei haben an der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster eine Pop-up-Picknickmatte entwickelt, die sie im Juni erstmals in Münster zeigten. Nun waren sie nach Mailand eingeladen. Foto: Gunnar A. Pier

„Wir bleiben auf dem Boden“, sagt Jonas Finkeldei und ist sich der Doppeldeutigkeit seiner Worte bewusst. Auf dem Boden bleiben er und sein Mitstreiter Nick Potter mit ihrer Erfindung, einer Picknickmatte, die sich im Gras zu verschiedenen Möbeln falten lässt. Und auf dem Boden bleiben auch die beiden findigen Entwickler – trotz ihres Erfolgs. Gerade haben sie ihr Produkt auf der Mailänder Designmesse „ID x Combo“ präsentiert.

Von Hause aus sind Jonas Finkeldei (23) und Nick Potter (27) Tischler. Das haben sie gelernt. Doch sie wollten mehr, deshalb lassen sich der Lippstädter und sein Kumpel aus Bremervörde an der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster zum „Designer im Handwerk“ ausbilden. Ihre handwerklichen Fähigkeiten werden hier um die Komponente Kreativität erweitert. „Ich bin hier, weil ich nicht mehr als normaler Tischler arbeiten wollte, der Kundenwünsche erfüllt, sondern will eigene Idee umsetzen“, verdeutlicht Finkeldei den Ansatz.

Also pauken die beiden im fünften Semester Design-Grundlagen, Werkstoffkunde, Grafikdesign, Fotografie und die computergestützte Visualisierung – Abschluss im Sommer 2022.

Picknick-Innovationen als Aufgabe

Das Thema der jüngsten Semesterarbeit hat den Designschülern der Münsterland e.V. eingebrockt: Der Regionalverband hatte die Akademie gebeten, Picknick-Innovationen zu entwickeln und die Arbeit daran finanziell unterstützt. Im Juni stellten die Teilnehmer neun Erfindungen vor, darunter einen gekühlten Picknickanhänger, eine Stehpicknick-Konstruktion, ei­nen Tisch für Kanus – und die Pop-up-Picknickmatte.

„Wir haben uns die klassische Picknickdecke angeguckt und gefragt: Was fehlt?“, erklärt Jonas Finkeldei den ersten Schritt der Decken-Genese. Also, was fehlt? Klar: Rückenlehne und ein Tisch. Dann gab ein Wort das andere, eine Idee jagte die nächste – und herausgekommen ist eine Matte, die aus fünf etwa 50 mal 50 Zentimeter großen Quadraten besteht. Zwei davon sind noch einmal unterteilt, und so lässt sich das handliche Ding im Handumdrehen in eine Liege, einen Tisch oder einen Hocker verwandeln. Im Hinterkopf hatten die Entwickler kommerzielle Nutzer, die ihre Erfindung als Event-Möbel nutzen. „Ich brauche nur Lagerplatz für ein Möbel, kann es aber auf drei verschiedene Arten nutzen.“

Die Idee klingt plausibel – die Tücke steckte dann im Detail, etwa in der Wahl der Materialien. Herausgekommen ist eine Wabenplatte aus Kunststoff, sehr leicht, bespannt mit Neopren, das unempfindlich ist und strapazierfähig genug, um als Scharnier die fünf Elemente zusammenzuhalten. „Die Resonanz war gut“, erinnert sich Finkeldei an die Präsentation im Juni in Münster. „Die meisten wollten gleich eine Matte mitnehmen.“

Begegnungen mit anderen Tüftlern

Doch dann kam eine andere Überraschung dazu: Eine Kuratorin der Mailänder Designwoche wurde auf die Ins­tagram-Präsentation der Pop-up-Matte aufmerksam und lud das Duo ein, sie in Italien zu vorzuführen. Also ackerte das Duo die Sommerferien durch und baute Prototypen, die es in der vergangenen Woche Interessierten in Mailand zeigte und demnächst noch einmal in Venedig. Halbe Tage verbrachten Finkeldei und Potter in der Ausstellung – danach blieb viel Zeit für Begegnungen mit anderen Tüftlern und die Besuche von Podiumsveranstaltungen.

„Es ist unglaublich inspirierend zu sehen, wie andere arbeiten – und dass sie vor den selben Fragen stehen“, erklärt Potter. „Und uns war wichtig, zu sehen, wie das da läuft“, ergänzt Finkeldei. Das Inter­esse war groß, Konkretes aber gibt es noch nicht. Egal: Der Münsterland e.V. plant, Matten produzieren zu lassen.

Jonas Finkeldei (23) und Nick Potter (27) haben an der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster eine Pop-up-Picknickmatte entwickelt, die sich m Handumdrehen in eine Liege, einen Tisch oder einen Hocker verwandeln lässt. Anfang September 2021 zeigten sie ihre Entwicklung auf der Mailänder Designmesse "ID x Combo". Foto: Privat

Die Erfinder pauken derweil für die nächste Prüfung und hecken Neues für die nächste Semesterarbeit aus. „Um die Matte kümmern wir uns wahrscheinlich erst nach dem Studium weiter“, sind sie sich einig. Der Erfolg ihrer Idee lässt sie gelassen bleiben. Auf dem Boden eben.

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