1. www.azonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Neue Finanzlöcher am Flughafen Münster/Osnabrück

  6. >

Flughafen-Bilanz

Neue Finanzlöcher am Flughafen Münster/Osnabrück

Greven

Mindestens 75 Prozent weniger Reisende als im Vorjahr wird der Flughafen Münster/Osnabrück in diesem Jahr verzeichnen. Die Corona-Pandemie mit Lockdown ist ein Grund dafür. Doch es gibt auch ein wenig Licht bei recht viel Schatten.

Elmar Ries

Der FMO wird in diesem Jahr zwei Drittel seines Umsatzes einbüßen. Foto: Gunnar A. Pier

Als Folge der Corona-Pandemie werden in diesem Jahr deutlich weniger Passagiere den Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) nutzen als im Vorjahr. „In den ersten neun Monaten haben wir 200.000 Fluggäste gezählt“, sagte Geschäftsführer Rainer Schwarz am Mittwoch. Die Zahl könne bis Ende des Jahres auf 220.000 bis maximal 250.000 steigen. Das wäre ein Rückgang um mindestens 75 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. 2018 hatte der Flughafen in Greven bei den Fluggästen die Eine-Million-Grenze geknackt.

Lockdown, massive Flugrückgänge und der Passagiereinbruch haben schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Der FMO wird in diesem Jahr zwei Drittel seines Umsatzes einbüßen. 2019 hatte er rund 30 Millionen Euro betragen. Der erwartete Verlust von rund einer Million Euro erhöht sich voraussichtlich auf acht bis neun Millionen Euro.

Klassisches Tourismusgeschäft liegt weitgehend brach

Den sollen die zumeist kommunalen Gesellschafter ausgleichen: Der Flughafen hat für 2020 und 2021 Zuschüsse von insgesamt zehn Millionen Euro beantragt, „die nicht als Kredit gewährt, sondern dem Eigenkapital zugeschrieben werden sollen“, so Schwarz. Der Aufsichtsrat hat dem Vorschlag bereits zugestimmt, entscheiden werden die Ge­sell­schafter darüber im März. Zwischen 2014 bis 2020 hatten die Eigentümer – die drei großen sind die Städte Münster und Osnabrück sowie der Kreis Steinfurt – dem Flug­hafen bereits mit 100 Millionen Euro unter die Arme gegriffen.

Ein wenig Licht bei recht viel Schatten: Die Lufthansa-Verbindung zum Drehkreuz München läuft inzwischen fast wieder auf dem alten Niveau. Vor Corona flog die Kranich-Airline fünfmal täglich in die bayerische Metropole. Anfang dieser Woche hat sie angekündigt, die Frequenz von bisher drei- auf demnächst viermal erhöhen zu wollen.

Rege genutzt werden derzeit auch Flüge zu weniger von Corona betroffenen Zielen wie Griechenland und die sogenannten ethnischen Verkehre in die Türkei, ergänzt FMO-Sprecher An­drés Heinemann. Das klassische Tourismusgeschäft liegt hingegen weitgehend brach. Die Sorge der Menschen ist so groß wie ihre Verunsicherung“, sagt Schwarz, der auch für 2021 und 2022 als Folge der Corona-Krise am FMO „keine großen Zuwächse“ erwartet.

Kommentar

Licht trotz Schattten

Münsters Grüne wollten im Wahlkampf für den FMO das Totenglöckchen bimmeln hören, ihre Parteifreunde im Kreis Osnabrück fordern dessen Ausstieg aus dem Gesellschafter-Kreis. Corona sorgte auch beim Flughafen in Greven für massive Einbrüche – und dient seinen Kritikern damit als Kronzeuge. So wie der insolvente Nachbar-Airport Paderborn/Lippstadt als mahnendes Beispiel für die Gefahr eines wirtschaftlichen Harakiri herhalten muss. Starke Worte. Nur leider so dogmatisch wie falsch. FMO ist nicht PAD. Im Unterschied zum ostwestfälischen Flughafen hat der Airport in Greven sein Potenzial unter Beweis gestellt. Airlines rekrutiert, neue Ziele gewonnen, das Germania-Aus weggesteckt, attraktiv geworden, Fluggastzahlen gesteigert – und so ganz nebenbei mit einer Million Fluggästen einen alten Rekord quasi neu gebrochen. Die schwarze Null war zum Greifen nah. Da kam Corona. Neue Krise, neuer Rückschlag. Im Gegensatz zu vergangenen Jahren jedoch mit einem Unterschied. Der FMO hat das Vertrauen seiner Kundschaft längst zurückgewonnen. Das trug ihn 2019 elegant durch die Germania-Krise, das kann ihn durch die Corona-Krise tragen, wenngleich die deutlich härter und vor allem langfristiger sein wird. (Elmar Ries)

Startseite