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Justizoberwachtmeister

Sandro Pira sorgt für Sicherheit im Landgericht Münster

Münster

Sie sind immer da, ohne sie passiert im Landgericht nichts: die Justizwachtmeister. Sie sorgen für Sicherheit im Gebäude und bewachen die Angeklagten. Nicht immer ganz ungefährlich, berichtet Sandro Pira.

Gunnar A. Pier

Sitzplatz in der hinteren Reihe im Landgericht, vor sich ein Funkgerät: So sehen viele Besucher Justizoberwachtmeister wie Sandro Pira. Der 32-Jährige ist seit sechs Jahren im Justizdienst. Foto: Gunnar A. Pier

Der öffentliche Auftritt ist nur kurz. Wenn sich im münsterischen Landgericht die Tür in der hölzernen Wand öffnet und ein Angeklagter den Saal betritt, ist stets ein Uniformierter an seiner Seite, der ihn zu seinem Platz bringt und wieder im Hintergrund verschwindet. Aber sie sind immer da, ohne sie passiert hier nichts: Die Justizwachtmeister. „Ich finde den Job sehr spannend“, sagt Sandro Pira. Und erzählt.

Prozesse vor dem Landgericht sind eine Nummer größer. Nicht selten geht es um Mord, schweren Raub, Kindesmissbrauch. Entsprechend angepasst sind die Sicherheitsvorkehrungen im Gebäude neben dem Schloss. Wer rein will, wird kontrolliert wie im Flughafen, Post wird geröntgt.

Aus der Untersuchungshaft auf die Anklagebank

Viele Angeklagte kommen nicht selbst mit ihren Anwälten angefahren, sondern sitzen in Untersuchungshaft. Sie „vorzuführen“, wie es heißt, gehört zu den Aufgaben der Justizwachleute. Sandro Pira ist seit knapp fünf Jahren einer von ihnen und erklärt, wie es läuft: Die Angeklagten werden von Justizvollzugsbeamten aus ihrem Gefängnis zum Landgericht gefahren. In der Tiefgarage gibt es eine Schleuse: Gefangenentransporter rein, hinteres Tor zu, vorderes Tor auf. Erst dann übernehmen die Wachleute des Gerichts. Der Angeklagte wird noch einmal auf gefährliche Gegenstände durchsucht und wartet in einer Zelle im Untergeschoss auf den Beginn der Verhandlung.

Im Landgericht ist alles eine Nummer größer. Zu spektakulären Prozessen kommen mitunter auch viele Zuschauer. Foto: Gunnar A. Pier

Es gibt direkte Wege hinter den Kulissen

Wenn es losgehen soll, bringen zwei Wachleute den Angeklagten in den Gerichtssaal. Das geht über direkte Zugänge hinter den Kulissen. Das dient auch der Sicherheit: Selbst wem es hier gelingt, trotz Handschellen die Wachleute auszuschalten, kommt nicht weit.

Im Saal begleiten die Uniformierten die Beklagten zum Platz, nehmen in der Regel Hand- und Fußfesseln ab und setzen sich hinter die Angeklagten, um bei Zwischenfällen eingreifen zu können.

Eine typische Laufbahn

Sandro Pira war nicht immer Justizoberwachtmeister, sondern machte zunächst eine Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker. Warum er nicht gleich in den Justizdienst ging, weiß er heute auch nicht mehr so genau. „Die Idee war immer da.“ Deshalb klingelten seine Ohren, als er das Stellenangebot des Landgerichts sah. Pira, inzwischen festangestellter Mechatroniker beim Landmaschinenhersteller Claas, wagte den Wechsel. Eine typische Karriere übrigens: „Die Justizwachtmeister haben fast alle eine handwerkliche Ausbildung“, erklärt Gerichtssprecher Steffen Vahlhaus. Quereinsteiger willkommen – wegen gewisser Lebenserfahrung und eines sicheren Auftretens.

Wer ins Landgericht-Gebäude möchte, wird durchsucht wie im Flughafen. Zu Stoßzeiten führt das mitunter zu längeren Warteschlangen. Foto: Gunnar A. Pier

Tests

Pira bestand die Tests, bewies Allgemeinwissen, Konfliktlösungspotenzial und sportliche Fitness und begann als Justizhelfer. Nach anderthalb Jahren im Dienst und achtwöchigem Lehrgang im Justizausbildungszentrum Monschau wurde er verbeamtet. Seither ist er Justizoberwachtmeister.

"Grundsätzlich auf der Hut“

Jetzt begleitet er mitunter sprichwörtlich „schwere Jungs“ zur Anklagebank. „Natürlich bin ich grundsätzlich auf der Hut“, sagt der 32-Jährige. „Aber die meisten Gefangenen haben zu uns ein ganz gutes Verhältnis. Die wissen, dass wir nichts dafür können, dass sie einsitzen.“ Zudem haben sie in oft monatelanger Untersuchungshaft gelernt, dass nichts bringt, sich mit den Wachleuten anzulegen – außer noch mehr Ärger.

Gute Vorbereitung

Sandro Pira beschäftigt sich mit den Gefangenen, bevor er sie an die Hand nehmen muss. Er schaut sich die Akte an, ein Foto, die Geschichte, um die es geht. Und natürlich die Infos darüber, ob die Menschen gewaltbereit oder aggressiv sind. Was geschehen ist, bekommt er mit, wenn er im Prozess die Wachmannbank drückt.

Wenn es Streit gibt

In Handgreiflichkeiten war er bisher nicht verwickelt. Aber wenn der Streit im Gerichtssaal zu eskalieren droht, wenn der Angeklagte mit Zeugen oder Opferangehörigen aneinander gerät und ein Machtwort vom Richtertisch nicht mehr hilft, hat er schon so manchen aus dem Saal geführt. „Meistens beruhigt sich dann alles ganz schnell“, ist seine Erfahrung.

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