Erinnerungen

Schneechaos vor 15 Jahren: „Gruselig, dunkel, bitterkalt“

Ochtrup

Vor 15 Jahren versanken Teile des Münsterlands unter einem halben Meter Neuschnee. Die Ereignisse gingen als „Schneechaos“ in die Geschichte ein. Doch längst ist die Erinnerung verklärt und für viele, die betroffen waren, fühlt es sich nachträglich wie ein Abenteuer an. An was erinnern sich Kinder?

Irmgard Tappe

Das Schneechaos, bei dem weite Teile des Münsterlandes tagelang ohne Strom waren, jährt sich zum 15. Mal. Foto: Jürgen Peperhowe

„Es schneit ganz dicke Flocken und der Schnee ist so hoch, dass er mir bis zum Bauch geht.“ So stellt sich der siebenjährige Lars Fehren das Schneechaos vor, von dem seine Oma Hedwig noch manchmal erzählt. Genau 15 Jahre ist es heute her, dass Teile des Münsterlands unter einem halben Meter Neuschnee versanken. Hunderttausenden machte besonders ein tagelanger Stromausfall zu schaffen. Die Ereignisse gingen als „Schneechaos“ in die Geschichte ein. Doch längst ist die Erinnerung verklärt und für viele, die betroffen waren, fühlt es sich nachträglich wie ein Abenteuer an. An was erinnern sich Kinder?

Dass seine Oma mit nassen Haaren und Lockenwicklern zu einer Geburtstagsfeier nach Gronau-Epe gefahren ist, mag der siebenjährige Lars kaum glauben. „Ich hatte doch gerade meine Haare gewaschen, als der Strom wegging“, meint Hedwig Fehren lachend. Da in Epe kein Stromausfall war, hat sie dort ihre Haare getrocknet. „Das war das wohl wie im Mittelalter. Da hatten die Leute ja auch keinen Strom“, stellt Lars fest. Er findet so ein Schneechaos jedenfalls echt spannend.

Warmer Kakao vom Gasherd

„Ja, für uns Kinder war das total interessant“, blickt Maria Möller zurück. Sie war damals sieben Jahre alt und erinnert sich an Gesellschaftsspiele am warmen Kamin, an Schneeballschlachten und an die vielen Nachbarn, die zu ihnen ins Haus kamen. „Unsere Oma hatte nämlich einen Gasherd. Sie hat Kaffee, Kakao und warme Mahlzeiten gekocht und alle Leute versorgt“, erzählt die 22-Jährige.

Kindergeburtstag mit nur einem Gast

Gerrit Ermke wird das Schneechaos für immer mit seinem außergewöhnlichen Kindergeburtstag verbinden. „Ich hatte meine Schulfreunde eingeladen und mich tierisch auf diesen Tag gefreut. Aber wie es aussah, würde wohl niemand durch die Schneemassen kommen. Als dann ein Schulfreund von seinem Vater mit einem Trecker gebracht wurde, war ich natürlich überrascht und habe mich riesig gefreut. Wir haben zu zweit Kindergeburtstag gefeiert“, erinnert sich der heute 23-Jährige.

Julian Zurkuhl (22) indes fand es besonders spannend, als ein Fernseh-Team ihn und seine Familie von der Stadthalle nach Hause begleitete und ihnen Fragen stellte.

Schneeballschlachten

Die 20-jährige Nina Hoffstedde erinnert sich an Schneeballschlachten mit Nachbarkindern und an Nachbarn, bei denen es heißen Kakao vom Gaskocher gab. „Am Tage haben wir uns hauptsächlich im Gartenhaus aufgehalten, weil es da einen Ofen gab. Abends sind wir zurück ins Haus gegangen. Es war gruselig, dunkel und bitterkalt. Mit der Taschenlampe sind wir ins Bett gegangen.“

Die Erinnerungen haben sich bei vielen Menschen tief eingegraben - wie bei Hedwig Fehren, die ihrem siebenjährige Enkel davon erzählt. Foto: Irmgard Tappe

„Bei uns im Hause war es auch am Tage dunkel. Denn unsere elektrischen Rollladen gingen nicht hoch. Also haben wir Kerzen angezündet, am Kamin gesessen und Gesellschaftsspiele gemacht“, weiß der 17-Jährige Veit Flaßkamp, dessen Eltern noch oft über das Schneechaos reden.

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