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Zwischen Gebet und Protest

Segnungsfeiern für Homosexuelle auch im Bistum Münster

Münster/Coesfeld

Die bundesweit durchgeführten Segnungsfeiern auch für homosexuelle Paare sind am Montag auf Zustimmung und Kritik gestoßen. Während die verantwortlichen Pfarrer ihr Vorgehen verteidigten, formulierte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg aus Münster, eine eher skeptische Haltung: „Ich kann das verstehen, weiß nur nicht, ob sich die Intimität der Segenszusage Gottes für eine Liebesbeziehung für einen politisch demonstrativen Akt eignet“, sagte Sternberg.

Johannes Loy

In vielen Gemeinden in Deutschland Foto: dpa

Bundesweit haben katholische Pfarrgemeinden am Montag „Segnungsgottesdienste für Liebende“ angeboten. Dabei sollten auch homosexuelle Paare gesegnet werden. Insgesamt ging es dabei um etwa 100 Feiern, einige fanden bereits am Sonntag statt. Allein in Münster wurden mindestens sechs Segnungsgottesdienste angeboten, weitere in Ahaus, Beckum und Coesfeld.

Der Vatikan hatte kürzlich in einem Schreiben solche Segnungsfeiern für Homosexuelle verboten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sieht die Segensfeiern kritisch: Sie seien „nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet“. Einer der Initiatoren, Pfarrer Bernd Mönkebüscher aus Hamm, widersprach. Natürlich dürften Gottesdienste nicht instrumentalisiert werden. Das Wort „Protest“ sei aber von den Initiatoren an keiner Stelle verwendet worden.

Vertrauen in Seelsorgerinnen und Seelsorger

Der Ahauser Pfarrer Stephan Jürgens sagte, die Ablehnung der Homosexualität entspreche einem Menschenbild aus grauer Vorzeit, das unter heutigen humanwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht gehalten werden könne. „Wo Liebe und Treue sind, kann sich die Kirche nicht sperren.“ Bischöfliche Sanktionen aus Münster befürchtet er nicht.

Bischof Felix Genn stellte zuletzt vor Mitgliedern des Diözesanrates als Herausforderung für Christen dar, „klar zu sein in den Prinzipien und zugleich Brücken zu schlagen zu den Menschen“. In diesem Sinne dürfe man Menschen nicht ablehnen oder ihnen seelsorgliche Begleitung verweigern, weil sie in homosexuellen Partnerschaften leben. Der Einsatz für die christliche Ehe und Familie sei damit vereinbar.

Genn betonte sein Vertrauen in die Seelsorgerinnen und Seelsorger seines Bistums, „dass sie jederzeit gut mit den Menschen umgehen“. Den Umgang mit homosexuellen Paaren will er im Vatikan ebenso thematisieren wie beim Synodalen Weg.

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