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Intensivpatienten sind durch die Bank nicht geimpft

Überlebens-Chance bei 50:50

Münster

Wer einmal auf der Intensivstation landet, für den wird es knapp: Jeder zweite Corona-Patient dort stirbt, betonten am Donnerstag Ärzte-Vertreter. Ein bisschen klingen sie verzweifelt darüber, dass die Quote der Geimpften nicht so schnell steigt, wie es eigentlich nötig wäre.

Von Stefan Werding

Ärzte und Pfleger untersuchen einen Patienten auf der Covid 19 Intensivstation. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bodo Schackow

Die vierte Welle ist da, sagen Hugo Van Aken, Ärztlicher Direktor der Uniklinik Münster (UKM), und Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Immerhin: Für die Krankenhäuser sei die Situation entspannt, sagt Van Aken. Doch für die elf Patienten auf der Intensivstation der Uniklinik nicht.

Ganz im Gegenteil. „Die Patienten sind alle schwer krank“, sagt er. Sie sind jung – zwischen 23 und 50 Jahre alt, und sie sind durch die Bank ungeimpft. Jeder oder jede Zweite von ihnen wird die Infektion nicht überleben: „Menschen sterben an Corona“, wiederholen die beiden am Donnerstag vor Journalisten. Wer erst mal auf der Intensivstation liegt, hat nur eine Fifty-fifty-Chance, zu überleben.

Vorbereitungen auf dritte Impfung des Personals

Gehle warb angesichts der stockenden Impfungen in Deutschland für eine „Riesen-Aufklärungskampagne“. Er erinnerte an Elvis Presley, der vor langer Zeit erfolgreich für die Polio-Impfung geworben hatte, schlägt vor, dass die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ähnliches mit Fernseharzt Eckhardt von Hirschhausen planen könnte.

Unterdessen bereitet sich die Uniklinik Münster auf die dritte Impfung ihres Personals vor. „Wir sind dabei, die Medikamente zu bestellen. Ich gehe davon aus, dass wir in zwei bis drei Wochen mit den Booster-Impfungen anfangen können“, sagte Klinik-Chef Professor Hugo Van Aken am Donnerstag vor Journalisten. Die Klinik werde Termine für die Mitarbeitenden vergeben. „Es wird ein geordnetes Verfahren sein“, kündigte er an.

Van Aken wirbt für 2G im Gesundheitswesen

Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Hans-Albert Gehle, erklärte: „Auch wenn noch kein Impfstoff für eine Booster-Impfung zugelassen ist, können wir nicht länger warten und müssen die Drittimpfungen mit den vorhandenen Impfstoffen beginnen. Ärzte und Pflegende sind sonst potenzielle Überträger und können erkranken, wenn auch mit leichteren Verläufen.“

Van Aken wirbt angesichts der niedrigen Zahl der Geimpften dafür, dass nur noch Geimpfte oder Genesene im Gesundheitswesen arbeiten dürfen. „Es ist in Ordnung, wenn in der Bevölkerung für Veranstaltungen 3G gilt,“ meinte er. „ Aber unsere Angestellten arbeiten in einem besonderen Umfeld mit sehr verletzlichen Patienten. Diese müssen wir schützen.“ Eine tägliche Testung sei nicht sicher genug, deshalb müssten die Freiheitsrechte des Einzelnen zumindest für die Beschäftigten des Gesundheitssektors dahinter zurücktreten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Uniklinik.

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