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Der digitale Literaturabend

Wie eine Veranstaltung aus Cloppenburg ins Münsterland verlegt wurde

Greven/Cloppenburg

Normalerweise fände in diesen Tagen die Kreative Werkwoche des ND in Cloppenburg statt. Der ND – früher Bund Neudeutschland – ist ein katholischer Akademikerbund, 1918 gegründet. Corona machte ein Treffen unmöglich. Aber so ganz wollte sich das Orga-Team doch nicht geschlagen geben.

Günter Benning

Auf einen Bildschirm passten die Zuhörer beim digitalen Literaturabend des ND nicht drauf. Foto:

Normal ist in diesem Jahr ja nichts. Und als Günter Benning, Redaktionsleiter dieser Zeitung, am Montagabend auf seinem Computer das Zoom-Programm öffnet, kann er nur hoffen, dass er einen ganz normalen Literaturabend erleben wird. So wie seit vielen Jahren in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr in der Akademie Stapelfeld bei Cloppenburg. Dann meldet sich der erste Besucher: „Michi“ aus einer Küche in Köln.

Normalerweise fände in diesen Tagen die Kreative Werkwoche des ND in Cloppenburg statt. Der ND – früher Bund Neudeutschland – ist ein katholischer Akademikerbund, 1918 gegründet. Er hat auch Mitglieder in Greven. Die Werkwochen zum Jahresende gibt es an verschiedenen Orten. Sie haben Suchtcharakter.

Günter Benning kontrolliert die Videos auf seinem Computer. In den letzten Wochen haben ihm Teilnehmer der Werkwoche ihre Beiträge für den Literaturabend zugeschickt. Aus Schweinfurt, Berlin, Marl und Bonn. „Wir sind vor 15 Jahren zum ersten Mal bei einer Werkwoche gewesen“, erinnert sich Gudula Benning. Damals hatte der Mettinger Lehrer und Künstler Thomas M. Hartmann die Familie eingeladen.

Das Faszierende: Obwohl die ND-Mitgliedschaft deutlich überaltert ist, treffen sich bei den Werkwochen viele Familien mit Kindern. Die Jugendlichen führen in der katholischen Akademie ein lustiges Eigenleben. Mit Kreativ-Workshops, Discos, auch mit Vorträgen über ihre Studienthemen.

Der Literaturabend ist einer der Werkwochen-Höhepunkte. Im Forum der Akademie trifft man sich bei Wein und Bier und lauscht der Literatur und Musik. Nur diesmal durfte es nicht sein.

„Unser Vorbereitungsteam hatte sich das Thema ‚Mut tut gut‘ vorgenommen“, sagt Gudula Benning. Das gute Dutzend Organisatoren hatte das Programm schon stehen, als Corona kam. Die Zahl möglicher Besucher, die sich im weitläufigen Akademie-Gebäude aufhalten durfte, schrumpfte. „Eine Veranstaltung, wie gewohnt“, sagte Dominik Blum vom Akademie-Team, „kann man so nicht durchführen.“

Aber so ganz wollte sich das Orga-Team doch nicht geschlagen geben. In seinem Homeoffice organisierte Günter Benning deshalb eine Zoomkonferenz: „In meinem Job bin ich daran mittlerweile gewöhnt“, sagt er.

Rund 100 Teilnehmer fanden sich schließlich im digitalen Konferenzraum. Zuerst bei einer zweistündigen Meet-and-Greet-Phase zum Plaudern. Danach zum Kulturprogramm, das vom selbstverfassten Corona-Song von David Engel aus Marl bis zum Ernst-Jandl-Vortrag von Leif Thomsen aus Osnabrück reichte. Echt zungenbrecherisch.

„Solche Veranstaltungen am Bildschirm können schnell ermüden“, weiß Günter Benning. Der Trick dagegen: Regelmäßige Pausen, in denen die Zuhörer in kommunikative Kleingruppen gewürfelt wurden. So wie im echten Stapelfeld an der Bar, die diesmal „zuMutbar“ geheißen hätte. Viele Zuschauer hielten das tatsächlich fünf Stunden lang aus.

Nur der Organisator war nachher nassgeschwitzt: „Videos abspielen, das Publikum stumm stellen und dann noch den Überblick behalten“, sagt er, „war extrem. Männer können eben schlecht Multitasking.“

Am Mittwoch war die zweite Online-Runde geplant. Der Referent Dominik Blum aus der Akademie Stapelfeld hielt seinen Vortrag über das Thema „Mut tut gut.“

Bei der echten Stapelfeldwoche gehört es zum Ritual, vor der Jahreswende gemeinsam das Dietrich-Bonhoeffer-Lied „Von guten Mädchen“ zu singen. Auch darauf werden die Werkwochenfans nicht verzichten müssen. Der Bass spielende Zahnarzt David Engel aus Marl hat das Liedes eingespielt und verschickt. Über 30 Videobeiträgen mit Gesang kamen zurück. „Die muss ich erstmal zusammenschneiden“, sagt er. Silvester geht der digitale Chorgesang online.

Nun hoffen alle auf die nächste Werkwoche 21/22. Günter Benning: „Unser Vorbereitungsteam bleibt im Amt. Und das Motto haben wir ja. Mut tut gut – geht immer.“ www.nd-netz.de

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