Hausbrand nach Explosion

Wie gefährlich sind E-Bike-Akkus?

Lengerich

Sind Akkus von E-Bikes gefährlich? Diese Frage wird sich wohl der ein oder andere Besitzer eines solchen Fahrrades nach dem Brand am Freitagabend in Lengerich gestellt haben. Auslöser, so die Polizei, war ein Akku, der explodiert war. Ähnliche Fälle gab es in Deutschland bereits einige. ADFC und ein namhafter Hersteller verweisen darauf, dass die richtige Handhabung wichtig ist, um Unglücken vorzubeugen.

Paul Meyer zu Brickwedde

E-Bikes Foto: Roland Weihrauch/dpa

Der Akku eines E-Bikes löst ein Feuer in einem Mehrfamilienhaus aus, bei dem ein Sachschaden von rund 200.000 Euro entsteht und zwei Personen leicht verletzt werden. So geschehen am Freitagabend in Lengerich. Berichtet wurde darüber bundesweit, beispielsweise online bei Spiegel und Bild. Geht von den Batterien möglicherweise eine erhöhte Gefahr aus? Und was können E-Bike-Besitzer tun, damit so etwas nicht auch ihnen passiert?

Fakt ist, dass es in Deutschland bereits wiederholt durch Akkus ausgelöste Brände gegeben hat. In Hannover beispielsweise entstand im Februar 2017 in einem Parkhaus ein Schaden in Höhe einer halben Million Euro. Der Betreiber eines Fahrradgeschäfts, das sich im Erdgeschoss des Gebäudes befand, sagte, es habe einen lauten Knall gegeben, dann habe sich das Feuer rasend schnell ausgebreitet. Wie sich herausstellte, war der Auslöser die Batterie eines E-Bikes. Im September 2019 setzte ein Akku ein Haus in Mainz in Brand. In Erlangen passierte es im vergangenen April beim Ladevorgang im Wohnzimmer eines Reihenhauses. Der Hausbesitzer sprach laut Nachrichtenportal nordbayern.de davon, dass der Akku plötzlich explodiert sei.

Falsches oder defektes Ladegerät

Wie oft derlei vorkommt, kann Silvia Oestreicher nicht sagen. Die Pressesprecherin des Deutschen Feuerwehrverbandes verweist darauf, dass die Ermittlung der Brandursache in fast allen Bundesländern Aufgabe der Polizei sei, eine bundesweite Statistik deshalb fehle. Und auch Rebecka Koch vom Allgemeinen Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) teilt auf Anfrage der WN mit, dass dem Verband keine entsprechenden Zahlen bekannt seien. Sie stellt allerdings fest, dass „obwohl jedes Jahr über eine Million E-Bikes zusätzlich auf die Straße kommen, die Nachrichten über Schadenfeuer eher geringer werden“. Passiere es dennoch, sei eine falsche Handhabung der Akkus häufig der Grund dafür. Ähnlich äußert sich Tamara Winograd von Bosch E-Bike Systems, einem der führenden Hersteller von E-Bike-Antriebssystemen.

Die Pressesprecherin sagt über Akku-Brände: „Das kann verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise ein falscher Umgang mit dem Akku oder auch Manipulation durch vom Hersteller nicht vorgesehene und autorisierte Eingriffe können zu einer solchen Reaktion führen.“ Ein Batterie-externer Kurzschluss könne unter anderem entstehen, wenn der Akku mit einem falschen oder defekten Ladegerät geladen wird, ein Batterie-interner Kurzschluss durch eine äußere Einwirkung, zum Beispiel wenn ein Akku herunterfällt oder gequetscht wird.

Löschen eines Akkus ist schwierig

Grundsätzlich, erklärt Winograd, seien Lithium-Ionen-Akkus „komplexe Systeme mit einem hohen Energiegehalt“ und fügt hinzu: „Die Inhaltsstoffe von Lithium-Ionen-Akkus sind grundsätzlich im Einzelfall unter ungünstigen Bedingungen entflammbar“.

Nach dem Feuer in Mainz stellten Sachverständige fest, dass möglicherweise ein Schaden am Akku, der unter anderem durch einen Sturz entstanden sein könnte, zu der Entzündung geführt hatte.

Und was ist im Fall der Fälle zu tun? „Wenn der Akku auffällig heiß wird oder sich Rauchentwicklung zeigt, ins Freie bringen und möglichst weit entfernt von brennbaren Gegenständen ablegen“, rät Rebecka Koch vom ADFC. Das Löschen sei allerdings schwierig, weil im Akku alles enthalten sei, was das Feuer zum Weiterbrennen brauche. Es genüge daher nicht, dem Feuer den Sauerstoff zu entziehen. „Kühlen mit viel Wasser oder Bedecken mit Sand kann helfen. Auf jeden Fall die Feuerwehr rufen.“

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