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Landtag

Corona: Weiterer Kreis kehrt zu Distanzunterricht zurück

Die dritte Corona-Welle läuft. Die Infektionszahlen steigen kräftig. Davon sind gerade auch jüngere Familien mit Kindern betroffen. Deshalb gehen wieder in mehr Klassenzimmern die Lichter aus.

dpa

Stühle stehe in einem leeren Klassenzimmer von einem Gymnasium. Foto: Armin Weigel

Düsseldorf/Gummersbach (dpa/lnw) - Bereits eine Woche nach der Rückkehr vieler Schüler zum Präsenzunterricht in die Schulen ziehen Lokalpolitiker wegen steigender Infektionszahlen die Reißleine. Nach dem Kreis Düren erwirkte am Freitag auch der Oberbergische Kreis im zweiten Anlauf bei der Landesregierung, dass in den weiterführenden Schulen mit Ausnahme der Abschlussklassen ab Montag wieder nur Distanzunterricht mit dem Lernen zuhause gilt. Das betrifft in diesem Fall auch die Grundschulen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) stellte unterdessen in Aussicht, dass weiteren Kommunen - darunter auch Großstädte, mit denen die Landesregierung seit Tagen im Streit liegt - unter bestimmten Voraussetzungen grünes Licht für zeitlich befristete Einschränkungen im Schulbereich bekommen können.

Der Landrat des Oberbergischen Kreises, Jochen Hagt (CDU), berichtete von einem deutlich gestiegenen Infektionsgeschehen in Kitas und Schulen als Hintergrund der Maßnahmen, zu denen ein Notbetrieb in den Kitas ab Montag gehöre. «Wir sehen, dass unser Infektionsgeschehen sich insgesamt sehr stark in den jüngeren Bereich verlagert hat», ergänzte die Leiterin des Gesundheitsamtes, Kaija Elvermann, in einer Online-Pressekonferenz in Gummersbach. Es seien hauptsächlich jüngere Familien von Corona-Infektionen betroffen, die ihre Kinder in Schule und Kita bringen, in denen die Eltern zur Arbeit gehen. «Und dadurch kommt es eben zu Infektionsausbreitungen in die Betriebe, in die Schulen, in die Kitas und überall dort entstehen Infektionscluster.»

Sorge bereitet dem Oberbergischen Kreis insbesondere die zuerst in Großbritannien entdeckte Variante, die die Hälfte der Infektionen ausmache mit steigender Tendenz und bei der sich in der Regel alle Personen im Haushalt ansteckten. Kinder seien nicht die Treiber der Infektion, betonte die Amtsleiterin in Gummersbach. Im Oberbergischen Kreis seien derzeit 23 Schulen betroffen, davon seien gut die Hälfte Grundschulen. Außerdem seien 21 Kitas betroffen - teilweise mit Einzelinfektionen aber auch mit Ausbruchsgeschehen. In 9 der Kitas sei die in Großbritannien entdeckte Variante nachgewiesen worden.

Lokale Einschränkungen im Schulbereich sind nach Angaben von Laschet unter bestimmten Voraussetzungen wie einem Gesamtkonzept gegen steigende Corona-Infektionen möglich. Er bekräftigte am Freitag in einer Sondersitzung des Landtags zur Corona-Krise, Kitas und Schulen dürften nicht die ersten sein, die bei steigenden Wocheninzidenzen pauschal geschlossen würden. Aber natürlich könnten zur Eindämmung von Corona Maßnahmen beschlossen werden, die auch Schulen betreffen. Unerlässlich sei aber, dass die Städte und Kreise Gesamtkonzepte für Einschränkungen mit schlüssigen Zahlen vorlegten und einen geordneten Verwaltungsweg einhielten statt zuerst die Öffentlichkeit zu suchen und Absichten oder gar Ultimaten über soziale Medien zu posten.

Er biete den Großstädten Dortmund und Duisburg an, zu einem solchen Verfahren zurückzukehren, erklärte Laschet. Bei konstruktiven Vorschlägen hielt er noch am Freitag nicht nur mit dem Oberbergischen Kreis, sondern auch mit Wuppertal und - gegebenenfalls bei Korrekturen der Anträge - auch in Dortmund eine Einigung für möglich, die mehr beinhalte als pauschales Schließen von Kitas oder Schulen. Das Gesundheitsministerium bestätigte die Genehmigung im Schulbereich des Oberbergischen Kreises und erklärte zu den Kitas: Es gelte der eingeschränkte Pandemiebetrieb, also der dringende Appell, dass Eltern ihre Kinder, im Sinne der Kontaktvermeidung, wann immer möglich selber betreuen sollen. Die Angebote der Kindertagesbetreuung blieben aber grundsätzlich geöffnet, so das Gesundheitsministerium. Für Dortmund gab es am Nachmittag eine Absage. In der Ruhrgebietsstadt bleiben Schulen und Kita am Montag geöffnet. Das Land lehnte den Antrag auf Schließung ab.

Die Landesregierung hatte am Donnerstag erstmals in der dritten Corona-Welle einem Kreis erlaubt, den Präsenzunterricht in den Schulen wieder einzuschränken. Im Kreis Düren kehren demnach die weiterführenden Schulen mit Ausnahme der Abschlussklassen in der kommenden Woche zum Distanzunterricht zurück. Vorausgegangen waren zunächst vehement von der Landesregierung abgelehnte Forderungen aus mehreren Städten, angesichts steigender Infektionen die Öffnungen der weiterführenden Schulen wieder auszusetzen oder zurückzufahren.

Wie der Oberbergische Kreis hatte der Kreis Düren bereits in der vergangenen Woche noch vor der Rückkehr der Schüler weiterführender Schulen in ein Wechselmodell aus Präsenz- und Distanzunterricht, das seit Montag gilt, eine Verschiebung dieser weiteren Schulöffnung bis nach den Osterferien versucht. Die Landesregierung zeigte sich dazu zunächst ablehnend. Weitere Vorstöße aus Dortmund und Duisburg, Schulen wieder dicht zu machen, schmetterte das Land zunächst ab. In der Zwischenzeit gibt es ein geregeltes Verfahren dafür. Das Land hat für mögliche Einschränkungen eine Inzidenz von über 100 im Fokus.

© dpa-infocom, dpa:210319-99-891410/5

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