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Reuls Rückfahrszenario in Sachen Laschet-Nachfolge

Der Puzzlespieler des Übergangs

Rhede/Düsseldorf

Es dürfte eine muntere Runde werden am kommenden Montag. An diesem Tag kommt der Vorstand der NRW-CDU – wahrscheinlich online – zusammen, um über nicht weniger als die beiden derzeit wichtigsten politischen Ämter in Nordrhein-Westfalen zu beraten: das des Ministerpräsidenten und das des Chefs der Landes-CDU, der stärksten Regierungspartei im Landtag.

Frank Polke

Innenminister Herbert Reul gilt als ein möglicher Kandidat für den Parteivorsitz. Foto: imago/Future Image

Entschieden werden dürfte das Rennen um die Nach­folge von Armin Laschet aber an diesem Tag noch nicht. Wenn sich die Parteigranden zusammenfinden, dürfte ihnen eines bewusst sein: Eine öffentliche Personalauseinandersetzung nach dem Vorbild der verpatzten Kanzlerkandidatur kann sich die NRW-CDU, kann sich auch der Kanzlerkandidat Laschet nicht leisten. Oder noch schlimmer: eine Wiederkehr der von Norbert Röttgen vermasselten Kandidatur 2012, als er sich als Spitzenkandidat für Nordrhein-Westfalen eine Rückkehroption in sein Bundesministerium in Berlin offenhielt – und damit grandios scheiterte.

Ein Rückfahrticket auch für Armin Laschet im Fall einer verlorenen gegangenen Bundestagswahl? Eigentlich undenkbar für einen Kanzlerkandidaten mit bundespolitischem Anspruch. Doch ausgerechnet NRW-Innenminister Herbert Reul brachte diese Möglichkeit wieder ins Gespräch. „Je nach Wahlergebnis“ könne Laschet durchaus Ministerpräsident bleiben und 2022 auch wieder kandidieren, sagte der Chef des CDU-Bezirksverbandes Bergisches Land, der durchaus als Vertrauter Laschets gilt. Abgesprochen? Wohl eher nicht, sondern interessengeleitet im Puzzle des Übergangs. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass der 68-Jährige gern Landeschef der NRW-CDU werden würde. Nicht als Dauerlösung, das dürfte auch Reul klar sein, sondern für die Übergangszeit. Für Reul wäre eine Berufung zum Parteivorsitzenden in NRW so etwas wie die Krönung seiner CDU-Karriere.

Doch gegen diese Idee regt sich in der Partei Widerstand – flügel- und generationenübergreifend. „Wir brauchen zeitnah eine klare und zukunftstaugliche Lösung“, meldet sich der NRW-Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse, Dennis Radtke im Mediendienst „The Pioneer“ zu Wort. An wen der junge Europaabgeordnete denken dürfte, ist klar: Hendrik Wüst.

Der NRW-Verkehrsminister ist 45 Jahre alt, verfügt über politische und persönliche Erfahrungen (auch negative), führt sein Ministerium geräuschlos-effektiv. Und er gilt vielen als erste Wahl für die Nachfolge von Laschet in der Staatskanzlei. Denn spätestens nach der Bundestagswahl dürfte Laschet seinen Platz in Berlin finden. Finden müssen. Als Abgeordneter? Als Oppositionsführer? Oder als Bundeskanzler. Spätestens dann muss Laschet seinen Platz in Düsseldorf räumen.

Wüst genießt Vertrauen

Wüst genießt wachsendes Vertrauen in den Bezirksverbänden, ohne die in der Partei nichts entschieden wird. Zum Beispiel bei Thomas Kufen. Essens Oberbürgermeister will ausdrücklich einen Kandidaten mit „Zukunftsperspektive“. Da Kufen bald Chef des mächtigen CDU-Bezirksverbandes Ruhrgebiet werden wird, dürfte diese Wortmeldung Wüst nicht missfallen haben. Auch Josef Hovenjürgen, Generalsekretär der NRW-CDU, und zahlreiche Landtagsabgeordnete haben sich auf den Münsterländer festgelegt – genau wie die einflussreiche Senioren-Union. „Jetzt muss eine Lösung in NRW gefunden werden, die Stabilität und Zukunft garantiert“, sagt Otto Wulff, Chef der Senioren-Union.

Wunsch nach Stabilität

Stabilität? Ein Wunsch, den viele in der Partei nach den Chaos-Tagen von München und Berlin mehr denn je artikulieren. Genau dieser könnte am 10. Mai dazu führen, dass Wüst vielleicht beide Ämter in einer Hand führen soll. Denn – so das Kalkül ­gerade vieler Landtagsabgeordneten, die gern wieder­gewählt werden möchten – ein Ministerpräsident und Parteichef würde die CDU mit mehr Schlagkraft in die anstehende Landtagswahl führen können.

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