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Hochwasser

Erdrutsch in Erftstadt: Lage unübersichtlich

Erftstadt

Die Bundeswehr hilft bei der Evakierung des Bergheimer Ortsteils Blessem. In dem Ort an der Erft waren mehrere Häuser abgerutscht und eingestürzt. Nach Angaben der Bezirksregierung Köln hat es in dem Ort auch Tote gegeben.

Von dpa

Ein Foto zeigt Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem. Foto: Rhein-Erft-Kreis/dpa

Die Zahl der Unwettertoten ist in Nordrhein-Westfalen auf mindestens 43 gestiegen. Das hat das NRW-Innenministerium am Freitag auf Anfrage in Düsseldorf mitgeteilt. Bislang war die Zahl mit mindestens 30 beziffert worden. Nach Angaben der Kölner Polizei stieg die Zahl der Toten allein im Kreis Euskirchen auf 24 und im Rhein-Sieg-Kreis auf 6.

Weitere Todesopfer werden in Erftstadt befürchtet. Von dort kamen am Freitag dramatische Bilder. Ein gewaltiger Erdrutsch hatte Häuser zerstört und Autos mitgerissen. Luftbilder zeigen ein enormes Ausmaß der Zerstörung. Immer wieder kamen Notrufe aus dem Ort unweit von Köln. Wie viele Menschen vermisst werden, war zunächst unklar.

Die Situation sei unübersichtlich, sagte Landrat Frank Rock (CDU). „Es ist eine katastrophale Lage, wie wir sie hier noch nie hatten.“ Es seien noch 50 Menschen mit Booten gerettet worden, aber auch wieder Menschen auf eigene Faust in bereits evakuierte Häuser zurückgekehrt.

Landrat Frank Rock

Kaum Zeit zu reagieren

Die Bezirksregierung hatte von Notrufen aus Häusern in Erftstadt berichtet. Die Flut sei sehr schnell gekommen. Senken hätten binnen zehn Minuten unter Wasser gestanden. Es habe kaum Zeit gegeben, die Menschen zu warnen, sagte Rock. Eine Sprecherin des Kreises sagte, es seien auch Menschen in Autos auf überfluteten Straßen eingeschlossen worden.

Von der Bezirksregierung verbreitete Luftbilder und Fotos von dpa-Fotografen zeigen ein gewaltiges Ausmaß. Häuser sind eingestürzt, Autos lagen in neu entstandenen riesigen Erdlöchern neben Betonteilen der ehemaligen Kanalisation.

In der Nähe des Ortes sind am Freitag Teile der gesperrten Autobahn 1 in den Fluss Erft gestürzt. Dies berichtete ein dpa-Reporter als Augenzeuge. Nach seinen Angaben brachen schätzungsweise mehr als 40 Meter des Standstreifens in mehreren Stücken mit einem Knacken ab und fielen in den Fluss. Auf den Abschnitten hätten sich keine Fahrzeuge befunden. Auch ein Stück Lärmschutzwand sei eingestürzt.

In Nordrhein-Westfalen helfen derzeit 555 Soldatinnen und Soldaten den Behörden bei der Bewältigung der Hochwasser-Katastrophe. Bundesweit seien es insgesamt 850, sagte der Sprecher des Landeskommandos NRW, Stefan Heydt, am Freitag. In NRW sind 120 Bundeswehrfahrzeuge im Einsatz, darunter Räumpanzer.

Fahrbahnen der Autobahn 1 bei Erftstadt stehen unter Wasser. Foto: Vincent Kempf/dpa

Trinkwasser soll abgekocht werden

Die Situation an der gefährdeten Steinbachtalsperre im Kreis Euskirchen blieb weiter angespannt. „Die Lage ist stabil, aber nicht unkritisch“, teilte der Kreis am Freitagvormittag mit. Der Pegelstand habe sich über Nacht bis zum Einsetzen des Regens um etwa zwei Zentimeter abgesenkt und danach gehalten werden können. Die Evakuierung der gefährdeten Gebiete unterhalb der Talsperre sei vollständig abgeschlossen, teilte der Kreis weiter mit. „Wie lange die Situation anhält, lässt sich zur Zeit nicht sagen.“

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass durch Rohrbrüche und Starkregen Keime ins Trinkwassernetz gelangt sind. Daher rät der Kreis Euskirchen dazu, das Trinkwasser abzukochen und nicht direkt aus dem Hahn zu trinken.

Festnahmen bei Plünderungen

Bei dem Versuch, Geschäfte in den vom Hochwasser stark betroffenen Städten Eschweiler und Stolberg in Nordrhein-Westfalen zu plündern, sind fünf Menschen vorläufig festgenommen worden, wie ein Polizeisprecher am Freitag berichtete.

In den betroffenen Läden war der Eingangsbereich jeweils durch die Hochwasserlage beschädigt. Eine Hundertschaft der Polizei war bereits am Donnerstag im Einsatz, um die verlassenen Wohnhäuser und Geschäfte vor Plünderungen zu schützen.

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