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Schlachthof in Selm täuschte Veterinäramt

"Erschreckende Aufnahmen": Verdacht des illegalen Schächtens

Selm

In Westfalen sollen auf einem Schlachthof systematisch Tiere geschächtet worden sein. Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch Videobilder von Tierrechtlern. Das Umweltministerium spricht von «erschreckenden Filmaufnahmen».

Christian Althoff

Videos dokumentieren die Qualen der Tiere. Foto: Foto: SOKO Tierschutz e.V

Nach Hinweisen von Tierschützern hat der Kreis Unna einen Schlachthof in Selm geschlossen. Dort wurden offenbar seit Jahrzehnten Rinder und Schafe in großer Zahl geschächtet. Das bedeutet, dass ihnen ohne Betäubung die Kehle durchgeschnitten wurde, wie es vor allem der Islam und das Judentum verlangen. Mit einem Trick sollen die Täter das Veterinäramt über Jahre getäuscht haben.

Die Videos hatte der Münchener Verein „Soko Tierschutz“ dem Kreis Unna, der Staatsanwaltschaft Dortmund und dem NRW-Umweltministerium übermittelt. Nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Friedrich Mülln waren vier versteckte Kameras im Schlachthof installiert, die seit dem 22. Februar drei Wochen lang rund um die Uhr aufgezeichnet haben. „Dabei wurden 14 Schlachttage dokumentiert“, sagt der Vereinsvorsitzende. Nach Angaben der Tierschützer wurden an den 14 Schlachttagen 189 Tiere geschächtet – etwa 40 Rinder, aber vor allem Schafe.

Volker Meier, der Sprecher des Kreises Unna: „Wir hatten 2002 einen ersten Hinweis auf den Schlachthof bekommen. Unsere Veterinäre haben daraufhin die Schlachtabfälle umgeleitet und die Köpfe der Tiere untersuchen lassen. Dabei kam heraus, dass die Kühe erst nach ihrem Tod den eigentlich zur Betäubung vorgeschriebenen Bolzenschuss bekommen hatten – offenbar, um das Schächten zu verschleiern.“

Der Fall sei vor Gericht gelandet, aber der Schlachthofbetreiber sei damals mit einer Geldstrafe davongekommen. „Unsere Veterinäre haben in der Folgezeit weiterhin Köpfe untersuchen lassen. Das Ergebnis war aber immer, dass die Tiere zum Zeitpunkt des Bolzenschusses noch gelebt hatten, also korrekt geschlachtet worden waren.“ Der Verdacht auf Schächtungen konnte somit nicht erhärtet werden – bis jetzt. Volker Meier: „Die Videos zeigen den Trick, mit dem wir getäuscht wurden: Die Tiere wurden geschächtet, und dann wurde kurz vor dem Todeseintritt das Bolzenschussgerät angesetzt.“

  •   Mitteilung Lanuv und Kreis Unna
  •   Mitteilung Soko Tierschutz
  •   Bericht aus dem Umweltministerium
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