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Prozesse

Ex-Wirtschaftsmanager verurteilt: Durchsuchung bei Ehefrau

Es sollte wohl die ganz große Nummer werden. Mit Millionenbeträgen wurde jongliert, teure Privatreisen mit dem Geld von Anlegern finanziert. Nun gibt es ein Urteil. Aber ist das der Abschluss?

dpa

Eine Justitia-Figur steht unter freiem Himmel. Foto: Arne Dedert

Berlin (dpa) - Ein Ex-Vorstand einer Aktiengesellschaft (AG) für Medizinprodukte ist wegen Insolvenzverschleppung, Bankrotts, Betruges und Untreue zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Im Urteil des Landgerichts in der Hauptstadt wurde am Donnerstag auch angeordnet, fast zwei Millionen Euro von dem Angeklagten einzuziehen, die er aus den Taten erlangt haben soll, wie das Gericht mitteilte.

Der heute 63-Jährige hat es demnach als Vorstand der AG, die nach früheren Angaben in Berlin, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen ansässig war, ab 2016 trotz Zahlungsunfähigkeit versäumt, ein Insolvenzverfahren zu beantragen. Schon 2013 habe er zudem Jahresabschlüsse gefälscht, um damit den Eindruck zu erwecken, das Unternehmen habe höhere Umsatzerlöse erzielt. Mit den «geschönten Zahlen» habe er in sieben Fällen Anleger betrügerisch zum Kauf von Aktien bewegt.

Der Angeklagte sei mit außerordentlicher Dreistigkeit vorgegangen, so die Vorsitzende Richterin laut Mitteilung. Den Anlegern seien Schäden von jeweils bis zu fast anderthalb Millionen Euro entstanden. Zudem habe der Angeklagte zwischen März 2017 und Januar 2019 veranlasst, dass Geldbeträge für die AG zugunsten eines von ihm geleiteten Interessenverbandes verbucht worden seien. Auf diese Art habe er fast vier Millionen Euro beiseite geschafft. Das auf das Konto des Verbandes umgeleitete Geld habe der Angeklagte dann zum Teil für sich verwendet, um damit seinen hohen Lebensstandard zu finanzieren.

Zudem hat der Mann laut Gericht in 467 Untreuefällen zwischen Januar 2014 und August 2017 seine Kontovollmachten missbraucht und Vermögen der AG direkt etwa für private Reisen und Bälle umgeleitet.

Der Ex-Manager hatte umfassend gestanden. Zuvor hatte das Gericht ein Strafmaß von bis zu fünfeinhalb Jahren in Aussicht gestellt, wenn der Angeklagte ein Geständnis ablegt. Außerdem wurden einige Anklagepunkte aus prozessökonomischen Gründen eingestellt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In ihrer Anklage hatte die Staatsanwaltschaft dem Ex-Wirtschaftsmanager vorgeworfen, die Medizintechnik-Firma ausgehöhlt» und zunächst in wirtschaftliche Schwierigkeiten und später in die Insolvenz getrieben zu haben.

Am Donnerstag teilte die Anklagebehörde Ermittlungen wegen Beihilfe gegen die 49-jährige Ehefrau des Angeklagten mit. Sie soll mit Scheinrechnungen von fast 400 000 Euro das Medizintechnik-Unternehmen geschädigt haben. Der Verdacht gegen die Frau habe sich in dem Strafverfahren gegen ihren Mann ergeben, hieß es. Bei der Verdächtigen seien jetzt in Berlin ein Auto sowie Schmuck im Wert von mehreren Hunderttausend Euro gepfändet worden.

Am 13. Januar seien die Wohnung der Frau in Berlin-Mitte sowie ein Bankschließfach durchsucht worden, so die Staatsanwaltschaft. Es hätten sich Verdachtsmomente für weitere Wirtschaftsstraftaten ergeben, hieß es.

© dpa-infocom, dpa:210128-99-211092/3

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