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ÖPNV

Fast ein Drittel des Bahnverkehrs läuft nicht reibungslos

Düsseldorf (dpa/lnw)

Dass es im Bahnverkehr in NRW nicht rund läuft, wissen Zigtausende Pendler aus leidvoller Erfahrung. Ein Problem ist der Lokführermangel. Dabei gibt es sehr viele Interessenten. Doch nur die wenigsten genügen den strengen Qualitätsvorgaben.

Von dpa

Eine S-Bahn steht mit geöffneten Türen an einem Bahnsteig. Foto: Jonas Walzberg/dpa/Symbolbild

30 Prozent des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) in Nordrhein-Westfalen sind täglich von Störfällen betroffen. Das geht aus einer Antwort von NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) auf eine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Klaus Esser hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf vorliegt.

Esser sprach am Dienstag von einer «Zumutung», dass ausgerechnet dieses wichtige Verkehrsmittel eine so hohe Beeinträchtigungsquote aufweise. «Durch diese Störungen erscheinen Arbeitnehmer verspätet zur Arbeit, Schüler nicht pünktlich zum Unterrichtsbeginn, infolgedessen entstehen wirtschaftliche Schäden», sagte der verkehrspolitische Sprecher der AfD-Fraktion der dpa.

Die schwarz-grüne Landesregierung müsse umgehend auf diesen «nicht tragbaren Zustand» reagieren, forderte er. «Warum sollten die Bürger unseres Landes auf zuverlässigen und flexiblen Individualverkehr mit dem eigenen Auto - insbesondere in ländlichen Räumen - verzichten und in einen unzuverlässigen öffentlichen Verkehrsträger wechseln?» Die von Schwarz-Grün propagierte Verkehrswende halte der Realität nicht stand.

Krischer erklärte, als bevölkerungsreichstes Bundesland verfüge NRW «nicht nur über eine stark belastete Infrastruktur und die betrieblich anspruchsvollsten SPNV-Verkehre, sondern mit elf Bahnunternehmen, die diese Verkehrsleistungen erbringen, auch über die höchste Dichte an Wettbewerbsunternehmen im Markt». Dies bedeute, dass im Zusammenspiel mehrerer Bahnunternehmen ständig ad hoc Lösungen gefunden werden müssten.

Das Land NRW unterstütze seit 2019 Maßnahmen, um Bewerber für den Lokführerberuf zu gewinnen, antwortete Krischer der AfD. Allein im vergangenen Jahr hätten für das Landesprogramm «Fokus Bahn» 2,7 Millionen Euro zur Verfügung gestanden. Über eine gemeinsame, unternehmensübergreifende Plattform könnten inzwischen monatlich zwischen 300 und 400 Interessenten gewonnen werden, die dann nach strengen gesetzlichen Qualitätsvorgaben auszuwählen seien.

«378 Lokführerinnen und Lokführer haben seit dem Start des Programms ihre Ausbildung über die Maßnahmen von Fokus Bahn NRW erfolgreich abgeschlossen», bilanzierte der Minister. Seit 2020 gab es demnach jährlich einen deutlichen Anstieg.

Kürzlich hatte eine weitere Antwort des Verkehrsministers auf eine Anfrage Essers ergeben, dass etwa jede siebte Regionalbahn in NRW im Jahr 2021 unpünktlich gewesen ist und sich die landesweit ermittelte «Pünktlichkeitsquote» im Vergleich zu 2020 von 86,8 auf 84,2 Prozent verschlechtert hatte.

«Die Verkehrsinfrastruktur in NRW lässt sich momentan folgendermaßen zusammenfassen: Straßen und Brücken sind marode, der SPNV ist unzuverlässig und die ländlichen Räume in NRW sind in Sachen ÖPNV/SPNV massiv unterversorgt», bilanzierte Esser. «NRW braucht eine Verkehrspolitik, die alle Verkehrsteilnehmer inkludiert und nicht nur die grüne Fahrradlobby.»

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