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Impfzentren sollen mit Terminen aushelfen

Fehlende Impfstoffe: Arztpraxen unter Druck

Münster/Düsseldorf

Impfzentren bleiben auf Impfstoffen sitzen, während Hausärzte darüber klagen, dass sie nicht genügend mRNA-Impfstoffe für die Zweitimpfungen der Astrazeneca-Impflinge haben. Das Gesundheitsministerium äußert sich zur Kritik der Kassenärzte.

Von Stefan Biestmann

Vielen Arztpraxen fehlen in dieser Woche mRNA-Impfstoffe für die Zweitimpfungen der Astrazeneca-Impflinge. Foto: Foto: Sven Hoppe/dpa

Aufgrund Tausender ausgefallener Termine haben einige Impfzentren spontan Impfstoffe übrig­. Dagegen klagen Hausarztpraxen darüber, dass sie noch nicht genügend mRNA-Impstoffe für alle in dieser Woche anstehenden Zweitimpfungen der Astrazeneca-Impflinge haben. Die Ärzte und Ärztinnen „müssen ihren Impfstoff bis jeweils Dienstagmittag für die kommende Woche bestellen, so dass die Lieferungen für diese Woche die aktuellen Entwicklungen noch nicht abbilden“, teilt die Kassenärztliche Vereinigung West­falen-Lippe (KVWL) mit. „Nachbestellungen sind auch unter diesen besonderen ­Bedingungen nicht möglich.“

Vanessa Pudlo, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe

Und grundsätzlich sollten Erst- und Zweitimpfungen möglichst am gleichen Ort verabreicht werden, damit „kein Chaos entstehe“, erklärt KVWL-Sprecherin Vanessa Pudlo auf Anfrage unserer Zeitung. „Hintergrund ist, dass die benötigten Impfstoffmengen in den Impfzentren und in den Praxen anhand der durchgeführten Erstimpfungen geplant werden.“ Allerdings seien aufgrund der „aktuell beson­deren Situation“ und wegen der seit Montag möglichen Buchungen von Einzelterminen in Impfzentren jetzt Ausnahmen möglich.

„Man kann sich also für die Zweit­impfung aktuell auch an ein Impfzentrum wenden, wenn zum Beispiel die Verimpfung eines mRNA-Impfstoffs in einer Praxis kurzfristig nicht möglich ist“, berichtet Vanessa Pudlo. Allerdings sei dabei zu beachten, dass noch nicht alle Impfzentren auch Einzeltermine anbieten.

Kassenärzte: „Vor vollendete Tatsachen gestellt“

Die Gesundheitsminister hatten auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) beschlossen, dass Menschen mit erster Dosis von Astrazeneca unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff erhalten sollen. Grund ist die Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante. Die KVWL hält die Entscheidung zwar für „medizinisch sinnvoll“, kritisiert aber, erneut vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. Die Kassenärzte weisen auf den großen organisatorischen Aufwand bei der Verlegung von Zweitterminen und die massenhaften Anrufe verunsicherter Patienten hin. Die Entscheidung der Minister habe so ein „kleines Erdbeben“ bei Ärzten und Patienten ver­ursacht, teilt die KVWL mit.

Das NRW-Gesundheits­ministerium weist auf Anfrage unserer Zeitung die Kritik am Vorgehen zurück. Das ­Ministerium betont, dass der Bund grundsätzlich für die Sicherstellung der Impfstofflieferungen an die Arztpraxen zuständig sei. Die Länder übernehmen die Verantwortung für die Belieferung der Impfzentren. „Und aufgrund der Stiko-Empfehlung mussten die Impfplanungen bezüglich der Impfzentren durch das Land kurzfristig angepasst werden.“

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