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Fürther vollenden ihr «Fußballmärchen»

Was für ein Krimi. Am letzten Zweitliga-Spieltag sieht es lange nicht nach einem Fürther Happy End aus. Doch in Unterzahl ringt Leitls Team Düsseldorf nieder und feiert den Sprung in die Fußball-Bundesliga.

dpa

Fürths Branimir Hrgota (l) und Düsseldorfs Shinta Appelkamp kämpfen um den Ball. Foto: Daniel Karmann

Fürth (dpa/lby) - Julian Green rannte mit einer Flasche Schampus über den Rasen, die meisten Fürther Aufstiegshelden gönnten sich die eine oder andere Pulle Bier: Im Ronhof und auch außerhalb des Stadions herrschte nach dem Zweitliga-Saisonfinale der Ausnahmezustand.

Nach ihrem Aufstiegs-Wunder feierten die glücklichen Fußball-Profis der SpVgg Greuther Fürth ausgelassen im leeren Stadion und auch davor zusammen mit ihren Fans den zweiten Aufstieg in die Bundesliga. «Nie mehr Zweite Liga», skandierten die Anhänger und auch ihre Lieblinge. Hupkonzerte sorgten rund um den Sportpark für Stimmung.

In einem dramatischen Zweitliga-Saisonfinale erzwang das Team von Trainer Stefan Leitl mit einem grandiosen 3:2 (0:1) gegen Fortuna Düsseldorf den späten Sprung auf Platz zwei - und das in Unterzahl. Mit 64 Punkten landeten die Fürther am Ende noch vor Holstein Kiel (62), das daheim gegen Darmstadt 98 gepatzt hatte.

«Das ist ein Fußballmärchen, das wir geschrieben haben», sagte Leitl. der von seinen Spielern bei der Pressekonferenz eine Bierdusche verabreicht bekam. «Glückwunsch an meine Jungs, Glückwunsch an meinen Staff, Glückwunsch an den Verein und an jeden Fürther», sagte Leitl, der auch 90 Minuten nach dem Abpfiff kaum Worte fand. «Wir haben es absolut verdient. Es ist sensationell», sagte der Vater des Erfolgs.

«Das ist der schönste Tag in meiner Karriere», sagte auch Torwart Sascha Burchert. Dieser sollte beim Feiern noch sehr lang werden. «Der Franken-Meister is dann amohl wech!», stand (als Grußbotschaft an den Erzrivalen und Nachbarn 1. FC Nürnberg) auf den schwarzen Shirts, die sich die Fürther Spieler übergestreift hatten.

Auch nach der Roten Karte von Mittelfeldspieler Anton Stach (45.+3 Minute) hatten die Fürther nicht aufgegeben und kamen in dem Krimi gegen Düsseldorf zweimal nach einem Rückstand zurück. Branimir Hrgota (53./Handelfmeter), Julian Green (69.) und Joker Dickson Abiama (83.) erzielten die Tore. Leitl sprach seiner Mannschaft für den finalen Kraftakt «ein Riesenkompliment» aus. Der Urlaub kann nun beginnen.

Auf dem Rasen lagen sich die Fürther Profis nach dem erlösenden Abpfiff glücklich in den Armen. Und außerhalb des Stadions flippten Hunderte Fans aus, die ihr Team während der 90 Minuten unterstützt hatten. Kristoffer Peterson (26. Minute) und Shinta Appelkamp (56.) hatten die hartnäckigen Düsseldorfer zweimal in Führung gebracht.

Es ist für die Fürther der zweite Bundesliga-Aufstieg nach 2012. Damals ging es nach nur einer Saison wieder runter. Leitl hatte vorher prophezeit, dass ein Heimsieg reichen würde, «um direkt hochzugehen». Es war Kiel, das am Ende einbrach und gegen Darmstadt 2:3 verlor.

Zur Halbzeitpause sah in Fürth freilich nichts nach einem Happy End aus. Es hieß 0:1 - und Stach war nach Videobeweis wegen eines groben Foulspiels gegen Appelkamp in der Nachspielzeit mit Rot vom Platz geflogen. Aber wie Fürth sich in Unterzahl zurückschlug, war toll. Die Mannschaft spielte plötzlich wieder ihren Fußball, überzeugte als Kollektiv. Als Joker Abiama das 3:2 erzielte, stürmten alle zu dem Torschützen, auch die Ersatzspieler und Betreuer. Den knappen Vorsprung verteidigte das Kleeblatt-Team dann auch mit zehn Mann.

© dpa-infocom, dpa:210523-99-714666/4

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