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Gegen den Vatikan: «Segnungsgottesdienste für Liebende»

Köln/Berlin (dpa)

Im März hat der Vatikan Segnungen homosexueller Paare verboten. Doch viele katholische Gläubige in Deutschland verweigern den Gehorsam: Am Montag werden bundesweit «Segnungsgottesdienste für Liebende» gehalten.

Von dpa

Regenbogenfahnen wehen im Wind. Foto: picture alliance / Gregor Fischer/dpa/Symbolbild

Bundesweit finden am Montag in katholischen Kirchen «Segnungsgottesdienste für Liebende» statt - auch für homosexuelle Paare, obwohl der Vatikan dies kürzlich ausdrücklich verboten hat. Insgesamt geht es um rund 100 Gottesdienste, von denen einige schon am Sonntag abgehalten worden sind. Eine Aktion dieser Art und Größenordnung hat es in der Kirche bisher noch nicht gegeben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, ist zwar nicht grundlegend gegen solche Segnungen, hat die Initiative aber kritisiert: Segnungsgottesdienste seien «nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet».

Einer der Initiatoren, Pfarrer Bernd Mönkebüscher aus Hamm, widersprach dem. Natürlich dürften Gottesdienste nicht instrumentalisiert werden. «Andererseits ist jeder Gottesdienst politisch», sagte Mönkebüscher der Deutschen Presse-Agentur. «Jetzt in diesem Zusammenhang finde ich, dass die Gottesdienste ein Schulterschluss sind mit all denjenigen, die sich von diesem Nein aus Rom verletzt fühlen. Das Wort «Protest» ist von den Initiatoren an keiner Stelle verwendet worden.» Das sei erst in der Erklärung von Bätzing aufgetaucht.

Im März hatte die Glaubenskongregation des Vatikans klargestellt, dass es «nicht erlaubt» sei, homosexuelle Partnerschaften zu segnen, da solche Verbindungen «nicht als objektiv auf die geoffenbarten Pläne Gottes hingeordnet anerkannt werden» könnten. Im deutschsprachigen Raum protestierten zahlreiche katholische Verbände und über 280 Theologieprofessoren dagegen.

Der Bund der Katholischen Jugend (BDKJ) solidarisierte sich am Sonntag ausdrücklich mit Pfarrern, «die aus Gewissensgründen gleichgeschlechtlichen Paaren den Segen nicht verweigern». Darüber hinaus forderte die BDKJ-Hauptversammlung die Bischöfe in Deutschland auf, «einen Segensritus für gleichgeschlechtliche Beziehungen in ihren Diözesen einzuführen».

Mönkebüscher sagte, die Segnungsgottesdienste, aber auch die vielen Regenbogenfahnen an den Kirchen und der Protest mit Unterschriftenlisten seien sichtbare Zeichen eines breiten Widerstands gegen das Verbot des Vatikans. «Das, was Rom jetzt gesagt hat, war nicht neu. Man hatte aber gehofft, dass es nicht mehr gesagt werden würde. Und man hatte gehofft, wenn sich Rom überhaupt noch einmal zu einem solchen Thema äußert, dann moderater und offener.» Darin sei man leider enttäuscht worden.