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Geständnisse im Prozess um illegales Doping für Bodybuilder

Mönchengladbach (dpa/lnw) - Im Prozess um ein illegales Dopinglabor in Mönchengladbach haben alle sieben Angeklagten Geständnisse abgelegt. In dem Verfahren geht es um Handel mit Dopingmitteln in großem Stil. Die drei angeklagten Frauen und vier Männer im Alter zwischen 31 und 56 Jahren sollen illegal Dopingmittel hergestellt und in der Bodybuilder-Szene vertrieben haben.

dpa

Eine Figur der Justitia steht neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel. Foto: Volker Hartmann

Der 45 Jahre alte Hauptangeklagte gab am Mittwoch zu, sich die Dopingmittel und Grundstoffe in China besorgt zu haben. «Lass dir nur Pakete schicken, die nicht mehr als zwei Kilo wiegen, dann wird der Zoll nicht aufmerksam», habe ihm ein Bekannter geraten. Außerdem sollten die Sendungen nicht an seine Privatadresse zugestellt werden.

Viel verdient habe er mit den Dopingmitteln nicht, sagte der 45-Jährige. «Ich hab gerade mal 5000 bis 6000 Euro erwirtschaftet. Also beileibe nicht so ein luxuriöses Leben wie der Zoll behauptet.» Seine mitangeklagte 31 Jahre alte Lebensgefährtin räumte ein, davon gewusst zu haben.

Das Dopinglabor hatte Andy S. bei einer 43 Jahre alten Mitangeklagten untergebracht. Die 43-Jährige hatte dem langjährigen guten Freund unter dem Dach ihr Bügelzimmer überlassen.

Zwei angeklagte 31- und 36-jährige Eheleute gaben zu, die Pakete aus Gefälligkeit angenommen und weitergegeben zu haben. Auf die Spur des illegalen Handels waren die Ermittler gekommen, nachdem sie an Flughäfen in Paris und Köln Pakete mit Doping-Wirkstoffen aus China abgefangen hatten.

Die männlichen Angeklagten betreiben selbst teilweise seit Jahrzehnten Bodybuilding und sagten zum Prozessauftakt, dass man ohne illegale Substanzen kaum richtige Muskeln aufbauen könne. «Das machen alle», sagte der Hauptangeklagte.

«Wenn man einmal damit angefangen hat, hört man nicht auf», erklärte ein 56 Jahre alter Mitangeklagter. «Man kann das Zeug nicht absetzen - man wird aggressiv und bekommt Depressionen.» Der Prozess wird fortgesetzt. Bis Mitte Mai sind noch neun weitere Verhandlungstage angesetzt.

Die Ermittler stellten kiloweise Dopingmittel sicher. Experten gehen davon aus, dass die mutmaßlichen Täter je nach Portionierung mit den Aufbaupräparaten, Anabolika und Steroiden einen einstelligen Millionenumsatz gemacht haben könnten. Die Verteidiger sprachen dagegen nur von einem fünfstelligen Umsatz.

© dpa-infocom, dpa:210317-99-862962/2

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