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Gewerkschaft startet Warnstreiks bei Metall- und Elektro

Versammlungen vor den Werkstoren mit vielen Hundert Teilnehmern - das ist derzeit nicht möglich. Die IG Metall lässt aber auch unter Corona-Bedingungen die Muskeln spielen und greift zu alternativen Protestformen.

dpa

Eine Fahne der IG Metall hängt an einem Auto. Foto: Thomas Frey

Düsseldorf (dpa/lnw) - Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall unmittelbar nach dem Ende der Friedenspflicht mit Warnstreiks unter Corona-Bedingungen begonnen. In Nordrhein-Westfalen legten nach Gewerkschaftsangaben am Dienstag gut 3800 Beschäftigte zeitweise die Arbeit nieder. Sie machten entweder früher Feierabend oder kamen später zur Schicht.

Die Gewerkschaft fordert für die rund 3,8 Millionen Beschäftigten der Branche, von denen etwa 700 000 in NRW arbeiten, vier Prozent mehr Lohn. Wo es in einem Betrieb schlecht läuft, soll das Geld für einen teilweisen Lohnausgleich bei einer auf vier Tage abgesenkten Arbeitszeit genutzt werden. Die Arbeitgeber haben bislang Lohnerhöhungen frühestens für das Jahr 2022 in Aussicht gestellt und wollen automatische Abweichungen vom Tarifniveau für schwächere Betriebe.

«Die Beschäftigten haben ihre letzte tabellenwirksame Entgelterhöhung im Jahr 2018 erhalten. Viele haben durch Kurzarbeit finanzielle Einbußen hinnehmen müssen», sagte der NRW-Bezirksleiter der Gewerkschaft, Knut Giesler bei einer Kundgebung in Dortmund. Außerdem sei die Binnennachfrage zurzeit ein Klotz am Bein der Konjunktur. Der Konsum müsse angekurbelt werden, damit die Krise schnell überwunden werde. «All das spricht für eine maßvolle Entgelterhöhung.»

Giesler sprach bei einer Streikaktion im Autokinoformat auf einem Parkplatz an den Dortmunder Westfalenhallen. Dort hatte die Gewerkschaft eine LED-Wand aufgestellt. Die Teilnehmer konnten seine Rede über das Autoradio hören. Die anderen Streikenden konnten über das Internet dabei sein. Auch für den Mittwoch hat die IG Metall weiter Streikaktionen angekündigt.

Der NRW-Bezirksleiter warf den Arbeitgebern zudem vor, sie hätten die Zahl der Ausbildungsplätze verringert. «In diesem Jahr wollen erneut 11,3 Prozent der Betriebe Ausbildungsplätze reduzieren.» Auch die Übernahme Ausgebildeter sei 2020 deutlich zurückgegangen. Im Juni 2020 wollten über 15 Prozent der Metall- und Elektro-Betriebe Ausgebildete weniger oder gar nicht übernehmen. «Diese Zahlen sind skandalös. Damit wird jungen Menschen in ohnehin extrem schwierigen Zeiten die Zukunft verbaut», sagte Giesler.

© dpa-infocom, dpa:210301-99-644585/6

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