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Glamour-Ikone der 90er: Schiffer zeigt Schiffers Jahrzehnt

Düsseldorf (dpa)

Scheinbar grenzenlose Werbeetats machten sie in kurzer Zeit vermögend: Mit einer Schau über die Modefotografie der 1990er-Jahre hat Claudia Schiffer nicht nur der Supermodel-Ära und sich selbst ein Denkmal gesetzt.

Von Frank Christiansen, dpa

Ein Besucher schaut sich Bilder in der Ausstellung an. Foto: Federico Gambarini/dpa

Ein Jahrzehnt als rauschendes Fest: In den 1990er Jahren war der Kalte Krieg gerade beendet, in der Luxusindustrie floss der Champagner und die Werbeetats wuchsen ins Unermessliche. Es war die Endphase der analogen Epoche, als aus namenlosen Fotomodellen hochbezahlte Supermodels wurden, die sich ihre Star-Fotografen aussuchten. Die berühmtesten Bilder blieben als visuelle Ikonen im kollektiven Gedächtnis.

Die Supermodels gaben Autogrammstunden und traten in Talkshows vor Millionen Menschen auf. Keine Zweite war in dieser Ära so präsent wie Claudia Schiffer. Die Schau «Captivate!» (Faszinieren/Bezaubern) huldigt nun in Düsseldorf «ihrem» Jahrzehnt, der Modefotografie der 1990er Jahre.

Zusammengestellt ist die Ausstellung von Claudia Schiffer selbst, inzwischen 51 Jahre alt und Mutter dreier Kinder. Es ist ihre erste Arbeit als Kuratorin. Die Schau wird von diesem Mittwoch an im Museum Kunstpalast gezeigt und ist dort noch bis 9. Januar 2022 zu sehen.

Die schüchterne Schöne aus Rheinberg am Niederrhein avancierte Ende der 1980er Jahre zum bestbezahlten und meistfotografierten Supermodel der Welt. Hunderte Male erschien sie als Motiv auf den Hochglanz-Covern der Illustrierten.

Ein Bild der Schau fasst den Spuk der 90er, der so jäh endete wie er gekommen war, perfekt zusammen: Es zeigt Schiffer und Model-Kolleginnen wie Naomi Campbell, Linda Evangelista und Kate Moss, die gemeinsam ganz goldfarben gekleidet als «Goldmädchen» posieren.

In Düsseldorf war Schiffer in der Kö-Disco «Checkers» 1987 entdeckt worden, nun hat sie sich in der Stadt mit der Schau ein temporäres Denkmal gesetzt. «Wir wollten sie als Zeitzeugin mit ihrem subjektiven Blick auf die 90er», sagt Museums-Generaldirektor Felix Krämer. Die Entscheidung habe sich aus seiner Sicht «als Glücksfall» erwiesen.

Nicht nur habe die Wahl-Londonerin ihre Privatsammlung in die Schau eingebracht, sondern als Türöffnerin Zitate von Prominenten und Fotos von Institutionen eingesammelt, die auf eine Anfrage des Museums selbst wohl kaum geantwortet hätten.

Aus der Schiffer-Perspektive auf das Schiffer-Jahrzehnt macht die Schau keinen Hehl, im Gegenteil: Schiffer hat die Texte in der Ich-Form verfasst, den Audio-Guide selbst eingesprochen und auf den 150 großformatigen Fotos ist sie auch reichlich vertreten.

«Als Supermodels wurden wir zu Symbolen eines selbst gemachten Erfolgs, in einer Ära, die sich für weiblichen Ehrgeiz einsetzte und die befeuert wurde von Sex, Macht und Glamour», schreibt Schiffer über ihr Jahrzehnt.

Aus den Lautsprechern tönt George Michaels «Freedom». Selbstbewusst posierten die Models in den 90ern fast oder ganz nackt - noch ohne Sexismus-Verdacht zu erregen. Das Jahrzehnt präsentiert sich mit auffällig weniger Tabus und weniger Political Correctness als heute.

Claudia Schiffer war und ist die perfekte Oberfläche für die Luxusindustrie. Das Versace-Kleid, in dem sie als Barbiepuppe auf den Markt kam, hat sie in Originalgröße in die Ausstellung geholt.

«Supermodels waren eine kreative und kommerzielle Kraft. In der Rezession der frühen 90er haben wir meiner Meinung nach dazu beigetragen, den Glamour und den Optimismus der Mode am Leben zu erhalten, als der Designermarkt stark rückläufig war», analysiert die 51-Jährige. «Als die Wirtschaft anzog, bestand die Rolle des Supermodels darin, das Image einer Marke in einer Zeit, in der die Mode weltweit expandierte, auf der ganzen Welt zu projizieren.»

Im Gegensatz zum perfektionistisch inszenierten Luxus-Glamour der 1980er wollten die 1990er die Spontaneität feiern. Mit umso größerem Aufwand wird der Schein des Schnappschusses inszeniert, meisterhaft von Mario Testino: das Leben als Party.

Schattenseiten findet man in Schiffers Schau nicht. Sexuelle Übergriffe, das Leiden untergewichtiger, minderjähriger Models oder die Arbeitsbedingungen derer, die die sündhaft teuer beworbenen Produkte herstellen? Fehlanzeige.

Einzig Fotograf Juergen Teller setzt einen anti-kommerziellen Kontrapunkt, wenn er Models wie Heroin-Junkies aussehen lässt und die Marke «Versace» mit Lippenstift auf nackte Haut geschmiert ablichtet. Der «Heroin-Chic» hatte damals eine Debatte ausgelöst, inwieweit die Modefotografie eine Mitschuld am Phänomen der Magersucht junger Frauen hat. Es ist der kleine Teil der Schau, in dem Schiffer nicht zu sehen ist.

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