Kirche

Kardinal Woelki: «Wir haben Fehler gemacht»

Nach Wochen des Schweigens nimmt der Kölner Kardinal Woelki zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung. Er räumt Fehler ein, verspricht Aufklärung - und sagt auch etwas dazu, wie er die Kritik persönlich empfindet.

dpa

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, mit Mundschutz. Foto: Oliver Berg

Köln (dpa) - Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat Fehler bei der Aufarbeitung der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen katholische Priester eingeräumt. «Wir haben Fehler gemacht, wir haben Vertrauen verspielt, ich verstehe die Ungeduld», sagte Woelki in einem Interview der «Kölnischen Rundschau» (Donnerstag). «Ein Fehler war, dass wir immer wieder den Zusagen der Münchener Kanzlei vertraut haben, eine rechtssichere Aufarbeitung vorzulegen.»

Woelki hatte die Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl aus München beauftragt zu untersuchen, wie Bistumsverantwortliche in der Vergangenheit mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch katholische Priester umgegangen sind. Nach Fertigstellung des Gutachtens entschloss sich Woelki jedoch, es nicht zu veröffentlichen. In dem Interview sagte er nun, er selbst kenne das Gutachten zwar nach wie vor nicht, Fachleute sähen darin aber «schwere methodische Mängel und Verstöße gegen Persönlichkeits- und Äußerungsrechte». Westpfahl Spilker Wastl bestreitet diese Vorwürfe.

Woelki hat den Kölner Strafrechtler Björn Gercke damit beauftragt, ein neues Gutachten zu erarbeiten. Dieses soll am 18. März vorgestellt werden. Bis dahin müsse man sich noch gedulden, sagte Woelki. «Wir klären auf, ich stehe zu meinem Versprechen», versicherte er. Gercke habe 236 Fälle identifiziert und bearbeitet, wohingegen das Gutachten von Westpfahl Spilker Wastl nur 15 Fälle betrachte.

Westpfahl Spilker Wastl begründet das damit, dass man bewusst nur 15 besonders schwere und exemplarische Fälle habe herausgreifen wollen. «Wir haben aufgepasst, ob wir sie so abstrahieren können, dass keine Betroffenen erkennbar sind», sagte Rechtsanwalt Ulrich Wastl in einem Interview mit der «Zeit»-Beilage «Christ & Welt». Andernfalls könne dies für die Opfer mit einer Retraumatisierung verbunden sein.

Woelki versicherte: «Gerckes Gutachten wird handwerklich sauber sein und es möglich machen, mein Versprechen einzulösen: Wir werden Namen von Verantwortlichen nennen.» Auf die Frage, was die Kritik der vergangenen Wochen für ihn persönliche bedeute, antwortete er: «Das Ganze ist nicht schön für mich, aber es geht ja auch nicht um mich. (...) Ich tue das für die Betroffenen, damit sie ein Stück Gerechtigkeit erfahren. Meine Person interessiert da nicht.»

Zum Fall des Düsseldorfer Pfarrers Johannes O., bei dem das Erzbistum schweren Vorwürfen nicht nachgegangen war, sagte Woelki: «Ich habe mein Gewissen geprüft, und ich bin persönlich der Überzeugung, dass ich mich korrekt verhalten habe. Aber auf meine Einschätzung kommt es nicht an: Professor Gercke untersucht den Fall.»

Dem 2017 gestorbenen Pfarrer O. wird vorgeworfen, Ende der 1970er Jahre einen Jungen im Kindergartenalter missbraucht zu haben. Nachdem Woelki 2014 Erzbischof von Köln geworden war, entschied er sich, weiter nichts zu unternehmen und den Fall auch nicht nach Rom zu melden. Seine Begründung dafür ist, dass O. aufgrund einer fortgeschrittenen Demenz «nicht vernehmungsfähig» gewesen sei. Woelki soll dem Pfarrer seit seiner Studentenzeit eng verbunden gewesen sein und hielt nach einem Bericht des «Kölner Stadt-Anzeiger» bei seiner Beerdigung die Trauerrede.

© dpa-infocom, dpa:210204-99-296024/3

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