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Keine Schuldzuweisung aus Wassenberg in Richtung Niederlande

Wassenberg (dpa/lnw)

Das vom Hochwasser betroffene Wassenberg ist die letzte Kommune vor der niederländischen Grenze. Eine Schleusenschließung sorgt für Irritationen - das Verhältnis zum Nachbarn will man aber nicht belasten.

Von dpa

Sandsäcke sollen eine Straße bei Ophoven, einem Stadtteil von Wassenberg, vor Hochwasser schützen. Foto: Thomas Banneyer/dpa/Archivbild

Keine Vorwürfe an die Nachbarn: Der Bürgermeister des nordrhein-westfälischen Wassenberg hat eine Schuldzuweisung beim Dammbruch in Richtung der niederländischen Behörden zurückgewiesen. «Für mich steht völlig außer Frage, dass die niederländischen Behörden die aus ihrer Sicht gebotenen Schutzmaßnahmen getroffen haben», sagte Bürgermeister Marcel Maurer (CDU) am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Der Deich im Stadtteil Ophoven sei gebrochen, weil er durchfeuchtet gewesen sei, und nicht, weil die Schleuse im Nachbarland geschlossen worden sei. Das habe keine unmittelbare Auswirkung gehabt. Inzwischen seien die Pegelstände gesunken, die Menschen kehrten langsam wieder in ihre Wohnungen zurück.

«Wir haben festgestellt, dass im Anschluss an die Schließung ein langsamerer Abfluss der Rur zu verzeichnen war, aber das ist kein Vorwurf», beteuerte Maurer. «Wir sind sehr gut befreundet mit unseren Nachbarn.» Es stehe ihm nicht an, die Maßnahmen zu kritisieren. Es wäre nach seinen Worten allerdings viel besser gewesen, wenn Wassenberg - die letzte deutsche Kommune vor der Grenze - früh informiert worden wäre.

Zuvor hatten die niederländischen Behörden die Bitte zum Öffnen der Schleusen der Rur in Roermond abgewiesen. Der niederländische Deichverband sehe keinen Zusammenhang zwischen einem Dammbruch an der Rur, wegen dem 700 Menschen in Wassenberg ihre Wohnungen verlassen mussten, und dem Schließen der Schleusen auf niederländischer Seite, berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP.

Nach Berechnungen des niederländischen Deichverbands Limburg hat das Eine mit dem Anderen nichts zu tun. Bei Hochwasser werde die Schleuse der Rur in Roermond immer geschlossen, um ein Überfluten der Stadt durch von der Maas in die Rur drückende Wassermassen zu verhindern. Das Wasser der Rur werde dann immer über einen Seitenarm der Rur, den Hambeek, in die Maas geleitet. Das bedeute, dass es einen normalen Wasserabfluss in der Rur ohne Beeinträchtigungen auf deutscher Seite gebe. Die Rur entspringt in Belgien, durchläuft die Eifel in NRW und mündet in den Niederlanden in die Maas.

Unterdessen gab es Entwarnung - die Wassermassen könnten zunehmend wieder über die Kanalisation von Wassenberg aufgenommen werden. «Wir behaupten schon, dass es sich entspannt», sagte Maurer. Die Pegelstände sänken, das Wasser werde gut abgepumpt. Viele Haushalte in Ophoven räumten auf. Nun müssten die Energieversorgung und besonders die Öltanks in den Kellern überprüft werden.

Auch in der Ortschaft Ohe sei die Stromversorgung überwiegend wiederhergestellt, die Menschen durften teilweise wieder in ihre Wohnungen zurück. Die Vorwarnung für eine Evakuierung in den Ortschaften Effeld und Steinkirchen wurde aufgehoben. Es wurde dringend darum gebeten, von nicht notwendigen Besuchen in den Hochwassergebieten abzusehen. Wie groß der Schaden durch den Dammbruch ist, war zunächst noch nicht bekannt.

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