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Kinderschutzbund: Eingesperrtes Mädchen behutsam begleiten

Attendorn (dpa)

Für das mutmaßlich fast sein gesamtes Leben lang eingesperrte achtjährige Mädchen aus dem Sauerland ist nun nach Einschätzung des Kinderschutzbundes eine behutsame Begleitung ganz zentral. «Für das Kind steht jetzt die Welt Kopf. Es wird sich fühlen wie auf einem anderen Planeten», sagte Nicole Vergin vom Kinderschutzbund NRW am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Das Mädchen soll in einem Haus der Großeltern in Attendorn fast sieben Jahre lang festgehalten worden sein und nur Kontakt zu seiner Mutter und den Großeltern gehabt haben. Gegen die drei ermittelt die Staatsanwaltschaft in Siegen wegen Freiheitsberaubung und Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Von dpa

Die Kirchturm des «Sauerländer Doms» in Attendorn. Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa/Archivbild

Essenzielle Grundbedürfnisse des Mädchens seien offenbar ebenso missachtet worden wie grundlegende Kinderrechte auf Bildung, Spielen oder soziale Kontakte, schilderte Vergin. Das alles werde Auswirkungen auf die mentale, psychische oder auch motorische Entwicklung des Kindes haben - auch wenn eine genaue Diagnose aus der Ferne nicht möglich sei. Es gehe nicht darum, dass das Kind nun rasch Defizite aufhole, sondern es müsse zuallererst seelisch stabilisiert werden, betonte Sozialpädagogin Sabine Müller-Kolodziej vom Kinderschutzbund. Auch wenn die drei Erwachsenen rechtlich zur Verantwortung gezogen werden müssten, solle dem Kind ein begleiteter Umgang mit ihnen ermöglicht werden, um es nicht zu entwurzeln.

Dem Mädchen war laut Staatsanwaltschaft nicht ermöglicht worden, «am Leben teilzunehmen» - nicht an Kita, Schule oder am Spiel mit anderen Kindern. Hinweise auf eine körperliche Misshandlung oder Unterernährung gab es nicht. Das Kind ist laut Jugendamt seit dem 23. September bei einer Pflegefamilie untergebracht.

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