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Leichter: Neue Schutzwesten für NRW-Bereitschaftspolizei

Düsseldorf (dpa/lnw)

Die mehr als 20 Kilogramm schwere Ausrüstung der NRW- Bereitschaftspolizei hat selbst Leistungssportler nach einigen Stunden an ihre Grenzen gebracht. Nun soll eine neue Schutzweste für Erleichterung sorgen.

Von Frank Christiansen, dpa

Polizisten führen die neue Körperschutzausstattung vor. Foto: Federico Gambarini/dpa

Holzblöcke, Flaschen und Stöcke prasseln am Düsseldorfer Landtag auf die Polizisten nieder. Was aussieht wie ein schwerer Angriff von Vermummten auf die Staatsgewalt, ist lediglich eine Demonstration der neuen «Alleskönnerin» der NRW-Polizei. Nach den Vorgaben der Polizei wurde eine neue Schutzweste entwickelt, die Schläge, Stiche und Schüsse abhält - und dazu auch noch feuerfest ist. Weil «die Neue» eine Kombination aus zwei Schutzwesten ersetzt, erspart sie den Beamten 2,2 Kilogramm Gewicht.

Fast 2000 Euro kostet eine Weste - 7,2 Millionen Euro sollen für 3725 Exemplare ausgegeben werden. Insgesamt wiegt die Ausrüstung eines Bereitschaftspolizisten rund 20 Kilogramm. Mit der alten Ausrüstung stieg die Körperkerntemperatur der Beamten je nach Einsatz bis in den Fieberbereich, kam bei Studien heraus. «Der härteste Einsatz war in der Tagebaugrube beim Hambacher Forst», berichtet ein Beamter. «Bei 36 Grad stundenlang in der Sonne stehen.»

Die neue Schutzweste löst eine Kombination ab, die nach den Morden eines Dortmunder Neonazis an mehreren Polizisten vor gut 20 Jahren eingeführt worden war. Sie sollte den Beamten zusätzlich zu Stich- und Schlagschutz auch einen ballistischen Schutz, also Schusssicherheit, verschaffen.

«Weniger ist in diesem Fall mehr», sagt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag: «Stehen Sie mal zehn, zwölf Stunden in der Sonne. Jedes Gramm weniger ist da Gold wert.» Bei einem 20-tägigen Trageversuch wurden die Verbundmaterialien auf Herz und Nieren geprüft.

Die neue Weste «kann alles und auch alles ab. Sie ist das Beste, was momentan verfügbar ist. Bei über 9000 Angriffen auf Polizisten im Jahr muss der Arbeitgeber für Sicherheit sorgen», sagt Reul. «Ich freue mich, dass wir die Bereitschaftspolizei künftig sicherer und ein bisschen erleichterter in den Einsatz schicken können.»

25 bis 30 Teile umfasst die Ausrüstung eines Bereitschaftspolizisten und es sei praktisch unmöglich, sie in zweieinhalb Minuten anzulegen, berichten die Beamten. Zur Weste kommen Helm, Arm- und Bein-Protektoren, Funkgerät, Dienstwaffe, Einsatzstock, Bodycam.

Die 15 Hundertschaften der Bereitschaftspolizei und die drei Hundertschaften für Beweissicherung und Festnahmen kommen etwa bei Großdemonstrationen und Fußballspielen zum Einsatz. Sie sind auf 14 Polizeipräsidien in Nordrhein-Westfalen verteilt.

Insgesamt sollen von Dienstag an rund 2600 Beamtinnen und Beamten nach und nach mit den neuen Westen eingekleidet werden. Die sind nicht mehr grün, wie Vorgängermodelle, sondern dunkelblau. Atmungsaktiv, verrät ein Polizist, ist die neue Ausrüstung immer noch nicht. Das liegt an den Vorgaben zur Feuerfestigkeit - schwer entflammbare Stoffe gebe es nicht als atmungsaktive Version. Ein wenig Abhilfe schaffen Lüftungsschlitze.

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