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Kommunen

Monheim stemmt sich gegen drohenden Greensill-Verlust

In Sachen Finanzen steht die Kleinstadt Monheim solide da, was auch an sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen liegt. Ihr Vermögen hat sie bei diversen Banken angelegt - auch bei der in Schieflage geratenen Greensill-Bank.

dpa

Ein Schild mit dem Firmennamen «Greensill Bank» hängt am Eingang der Privantbank. Foto: Sina Schuldt

Monheim (dpa/lnw) - Nach der Schließung der Greensill-Bank wegen drohender Überschuldung hofft die Stadt Monheim darauf, dass sie zumindest Teile von ihren dort angelegten 38 Millionen Euro zurückbekommt. In einem Insolvenzverfahren wolle man als Verfahrensbeteiligter dafür sorgen, dass auch Kommunen abgefunden werden, sagte Bürgermeister Daniel Zimmermann am Dienstagabend vor dem Rechnungsprüfungsausschuss der 44 000-Einwohner-Stadt, die einen Jahreshaushalt von etwa 360 Millionen Euro hat.

Monheim ist eine von zahlreichen Kommunen in Deutschland, die von der Schließung der Bank durch die Finanzaufsicht Bafin in der vergangenen Woche kalt erwischt wurde. Die Stadt, die eine Art Gewerbesteuer-Oase ist und finanziell solide dasteht, hat mehrere Festgelder mit Laufzeiten zwischen drei Monaten und zwei Jahren bei der Greensill-Bank. Negativzinsen konnten dadurch vermieden werden. Doch die vermeintlich gute Anlage war ein Flop.

Das städtische Rechnungsprüfungsamt und externe Wirtschaftsprüfer sollen die Vorgänge in Monheim nun unter die Lupe nehmen. In ein bis zwei Monaten soll der Sachverhalt aufgearbeitet sein. Kern der Untersuchungen ist die Frage, ob bei der Geldanlage bei Greensill gegen städtische Richtlinien verstoßen wurde oder ob es nur eine unglückliche Verkettung von Umständen war.

Zuständig für die Anlagen waren nach Angaben der Stadt Beschäftigte der Stadtkasse. Bei der Ausschusssitzung am Dienstagabend sprach der Rathauschef diesen Beschäftigten sein Vertrauen aus. «Die Bank [Greensill] besaß bis zuletzt ein gutes Rating», sagte er. «Die Zinssätze waren ordentlich, aber mit zuletzt 0,08 Prozent bis 0,3 Prozent nicht in einem Bereich, der als hochspekulativ zu bezeichnen wäre.» Hätte man ihm die Festgeld-Verträge noch im Dezember oder Januar vorgelegt, «ich hätte sie wahrscheinlich unterzeichnet», so der Politiker der nur lokal tätigen Partei Peto.

Neben dem Geld bei Greensill, dem ein Komplettausfall droht, hat Monheim den Angaben zufolge 172 Millionen Euro bei verschiedenen Banken angelegt. Den Großteil dieses Vermögens bewertet Zimmermann als sicher. 26,5 Millionen Euro hingegen, die bei vier kleinen Banken und als zwei Schuldscheindarlehen angelegt sind, sollen nun umgeschichtet werden - dieses Geld könne man «nicht mehr als so sicher beurteilen, wie wir es uns für die städtischen Anlagen wünschen», so der Kommunalpolitiker.

© dpa-infocom, dpa:210310-99-758323/2

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