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NRW lockert ab Freitag die Pandemie-Regeln

Düsseldorf/Münster

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will von Freitag an weitreichende Lockerungen zulassen. „Die dritte Pandemiewelle ist gebrochen“, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch. All das klingt ziemlich gut. Aus dem neuen Öffnungsplan ergeben sich vielfältige Möglichkeiten.

Elmar Ries

Die Landesregierung legt einen Öffnungsplan für NRW vor. Foto: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Vor dem Hintergrund sinkender Corona-Zahlen und einer landes­weiten Inzidenz von rund 51 lockert NRW die Einschränkungen deutlich. Ab Freitag gilt eine neue Corona-Schutzverordnung. Sie sieht in drei Stufen eine „schrittweise Normalisierung“ vor, sagte Landesgesundheits­minister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf. „Wir haben die dritte Welle gebrochen“, erklärte er.

Liegen die Inzidenzwerte in ei­nem Kreis oder einer kreisfreien Stadt stabil ­zwischen 100 und 50, sind ab dann bereits zahlreiche Lockerungen möglich: So fällt etwa im Einzelhandel die Terminbuchung und die Testpflicht weg, im Gast­gewerbe kann die Außengastronomie mit Testpflicht und Platzbuchung stattfinden. Hotels können ohne Kapazitätsbegrenzung für private Übernachtungen mit Frühstück öffnen. Konzerthäuser, Theater und Kinos dürfen für bis zu 250 Besucher öffnen.

Bei stabilen Inzidenzen zwischen 50 und 35 sind weitere Öffnungsschritte möglich, etwa eine Innengastronomie mit Testpflicht sowie mehr Besucher bei Kulturveranstaltungen. In Sporthallen darf dann wieder Kontaktsport mit bis zu zwölf Personen und kontaktfreier Sport ohne Personenbegrenzung stattfinden. In einem dritten Schritt mit Inzidenzen unter 35 sind unter anderem die Freibäder offen und Treffen im öffentlichen Raum ohne Begrenzung für Personen aus fünf Haushalten möglich.

Ab­standsregeln und Maskenpflicht bleiben

Bei allen drei Öffnungsschritten gelten aber weiter Schutzvorkehrungen wie Ab­standsregeln und Maskenpflicht. „Die Pan­demie ist noch nicht vorbei“, betonte Laumann. Bei Inzidenzen von über 100 gelten wie bisher auch die Regelungen der Bundesnotbremse. Das ist derzeit nur noch in Hagen der Fall. Inzwischen wurden, so Laumann, 43 Prozent der Menschen in NRW mindestens einmal geimpft. 14 Prozent hätten einen vollständigen Impfschutz.

Angesichts der positiven Entwicklung kehren die Kindertagesstätten in NRW ab dem 7. Juni wieder in den Regelbetrieb zurück. Das kündigte Familienminister Joachim Stamp (FDP) an. Dann gelte auch die Stundenreduzierung und Gruppentrennung nicht mehr. Begleitet wird die Öffnung in den Kitas „von einem umfangreichen Testangebot“, so Stamp. Dazu werden in dieser Woche kostenlos „Lollitests zur Eigen­anwendung“ an die Einrichtungen verteilt. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen wird NRW den Eltern im ersten Halbjahr 2021 die Hälfte der Beiträge erlassen.

Kommentar: Wir haben uns die Lockerungen verdient

In den vergangenen coronaverseuchten Monaten wurden schon so oft Beschränkungen gelockert und ­Lockerungen wieder beschränkt, dass der gesunde Menschenverstand laut „Vorsicht“ schreit, wenn Politiker neue Regelungen im Kampf gegen das Virus bekanntgeben. Mit Blick auf die Zahlen aber scheint das, was NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann verkündete, mehr zu sein als das oft zitierte Prinzip Hoffnung: „Die dritte Welle ist gebrochen.“

Die Inzidenzen gehen deutlich runter, die Zahl der Geimpften kräftig rauf: Das alles klingt richtig gut. Und vor allem: Es klingt nicht nach nur kurzfristigem Erfolg. Jetzt also: Lockerungen. Der Sommer steht in den Startlöchern. Die Gastronomie öffnet weiter, der Einzelhandel auch, ebenso Schulen, Kitas und Vereine. Das Leben steht kurz davor, wieder Stück für Stück normal zu werden. Wir alle haben uns das verdient.

Doch: Freude darf nie zu Leichtfertigkeit führen. Das hatten wir ja auch schon. Die Lockerungen sind aus ­gutem Grund gekoppelt an Inzidenzwerte. Schlagen die wieder Kapriolen, ist es schnell vorbei mit der neuen Freiheit. In die bei Bedarf auch der Bund grätscht mit ­seiner Notbremse, die als Ultima Ratio nach wie vor gilt. Elmar Ries

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