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Aus Kabul evakuierter Journalist: Haben total versagt

Dortmund (dpa)

Von dpa

Jan Jessen, Journalist. Foto: Federico Gambarini/dpa

Der aus Kabul evakuierte Journalist Jan Jessen hat über dramatische Zustände in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban berichtet und appelliert, den Menschen aus dem Land herauszuhelfen. Tausende Männer und Frauen seien in Panik, riefen um Hilfe, versuchten verzweifelt am Flughafen, in eine der Maschinen zu gelangen, schilderte Jessen seine Eindrücke am Samstag beim Landesparteitag der NRW-Grünen in Dortmund. Nach Tagen der Ungewissheit dann mit deutschem Pass durch diese Menge privilegiert zum sicheren Gate und in einen Bundeswehr-Flieger zu gelangen, sei - bei aller Erleichterung - «richtig ein Scheißgefühl» gewesen. Im Flugzeug habe kein Jubel, sondern «tiefe Trauer» geherrscht.

Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban seien viele in akuter Gefahr, betonte Jessen. Er war mit einer Hilfsorganisation aus Duisburg nach Afghanistan geflogen, die für schwer verletzte Kinder medizinische Hilfe organisiert. Wenige Tage nach ihrer Ankunft sei klar geworden, dass die Taliban «wahnwitzig schnell» das gesamte Land erobert habe.

Jessen nannte einzelne Schicksale wie von einer jungen Journalistin und Streetworkerin, die im Visier der Taliban stehe. Und er berichtete von einem Familienvater, der für die Bundeswehr als Ortskraft übersetzt hatte und nun befürchte, nicht evakuiert zu werden, weil mit seinem Haus auch alle Dokumente verbrannt seien. Die Politik habe dem Menschen Hoffnung gemacht und gedacht, man könne «Demokratie exportieren», sagte der Journalist. Seine Bilanz: «Wir haben es einfach komplett verkackt.» Das Mindeste sei nun, Verantwortung zu zeigen und den Menschen herrauszuhelfen.

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