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Orkanartige Böen: Feuerwehr stabilisiert Kirchturm-Kreuz

Ein kräftiger Sturm hat Nordrhein-Westfalen am Donnerstag durchgeschüttelt. Bis zum Nachmittag bleibt es meist bei umgeknickten Bäumen und herabgestürzten Ästen. Größere Schäden werden nicht gemeldet. Höhenretter in Düsseldorf sichern ein Kirchturm-Kreuz.

dpa

Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr. Foto: Daniel Bockwoldt

Essen (dpa/lnw) - Sturmtief «Klaus» ist am Donnerstag über Nordrhein-Westfalen hinweggefegt, hat aber bis zum späten Nachmittag keine größeren Schäden angerichtet. Gleichwohl sind an mehreren Stellen orkanartige Böen gemessen worden. In Nörvenich verzeichnete der Deutsche Wetterdienst eine Windgeschwindigkeit von 104 Kilometern pro Stunde, in Wuppertal von 103 Kilometern pro Stunde. Geschwindigkeiten von 103 bis 117 Kilometern pro Stunde entsprechen Windstärke elf.

Vermutlich infolge des Sturms drohte in der Düsseldorfer Innenstadt ein Kreuz von einem Kirchturm zu stürzen. Höhenretter der Feuerwehr waren rund drei Stunden im Einsatz und konnten das Kreuz von innen teilweise sichern. Dennoch war die Gefahr, dass es herabstürzt, noch nicht ganz gebannt. «Das ist nicht ganz auszuschließen», sagte ein Feuerwehrsprecher. Der Bereich blieb deshalb weiträumig abgesperrt.

Die bis zum Mittag stärkste Böe in Düsseldorf hatte nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes eine Geschwindigkeit von knapp 80 Kilometern pro Stunde, was Windstärke neun entspricht. Über größere Schäden oder Verletzte in NRW wurde zunächst nichts bekannt. In der Essener Innenstadt wurde ein Passant von einer herabstürzenden Dachpfanne am Kopf getroffen. Der Mann kam ins Krankenhaus, sei aber vermutlich nicht schwerer verletzt, berichtete die Polizei.

In Wuppertal zählte die Feuerwehr nach Angaben eines Sprechers bis zum frühen Nachmittag 22 sturmbedingte Einsätze, in Köln rückten die Einsatzkräfte 50 Mal aus. Meist ging es um abgeknickte Äste, in einem Fall um eine abgeknickte Regenrinne. In einem Park stürzte ein Baum auf eine Stromleitung. Es sei «alles noch überschaubar», sagte ein Sprecher. Die Feuerwehr Krefeld räumte einen Baum weg, der in eine Straßenbahnoberleitung gestürzt war. Bäume und Äste mussten auch die Feuerwehren im Kreis Coesfeld wegräumen. In Mülheim stürzte ein zehn Meter hoher Baum auf einen Balkon und drohte auf eine Straße abzurutschen. Die Feuerwehr konnte die Gefahr aber schnell bannen, teilte ein Sprecher mit.

Auf der Bahnstrecke zwischen Gummersbach und Marienheide lag zeitweise ein Baum auf dem Gleis. Am frühen Nachmittag war die Strecke aber bereits wieder frei. Ein Baum fiel auch auf die Strecke der S6 zwischen Langenfeld und Köln-Mülheim. Die Bahnen werden umgeleitet, twitterte die Bahn. Eine Oberleitungsstörung beeinträchtigte den Zugverkehr zwischen Troisdorf und Bonn-Beuel. Die Strecke war vorübergehend gesperrt. Im Autobahnkreuz Marl-Nord musste die Verbindung von der A52 aus Marl kommend auf die A43 Richtung Münster gesperrt werden. Der Grund: Bäume drohten sturmbedingt umzukippen und mussten gefällt werden, wie die Autobahngesellschaft twitterte.

Der Deutsche Wetterdienst hielt orkanartige Böen vor allem im Norden Nordrhein-Westfalens weiterhin für möglich. Die Wetterexperten wollten gegebenenfalls entsprechende Unwetterwarnungen für die betroffenen Landkreise veröffentlichen. In einer Vorabinfo hatte der DWD bereits vor kräftigen Schauern und Gewittern mit örtlich orkanartigen Böen der Windstärke elf gewarnt. Die Böen sollten im Laufe des Abends nachlassen. Die Gewitter könnten aber bis in die Nacht zum Freitag anhalten.

Aus Sicherheitsgründen schloss der Wuppertaler Zoo kurzfristig seine Tore. Es bestehe die Gefahr, dass etwa einzelne Äste herabstürzen, berichtete der Zoo. Die Stadt Viersen schloss die städtischen Friedhöfe. Geplante Bestattungen sollten aber stattfinden. Die Stadt riet von Spaziergängen im Wald und in den Parks ab.

Der Kreis Recklinghausen schloss sein in einer Leichtbauhalle untergebrachtes Impfzentrum in Recklinghausen für vier Stunden bis zum Nachmittag. Das Impfzentrum des Kreises Heinsberg stellte am Mittag den weiteren Betrieb für Donnerstag ein. «Die für die Anmeldung und Nachbetreuung genutzten Zelte bieten bei den aktuellen Windstärken nicht ausreichend Sicherheit», erklärte der Leiter des Impfzentrums, Thomas Kähler, laut einer Mitteilung.

Der Kreis Wesel nahm wegen der Wetterlage nicht an dem landesweiten Probealarm teil. «Damit es durch das Heulen der Sirenen während des Sturms nicht zu Verunsicherung oder Missverständnissen kommt, sagen wir den Probealarm dieses Mal ab», teilte der Kreis mit.

© dpa-infocom, dpa:210311-99-780768/10

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