Kriminalität

Prozess: Mann soll Schwägerin erschossen haben

Immer wieder soll er Familienmitgliedern mit dem Tod gedroht haben, jetzt steht er wegen Mordes seiner Schwägerin vor Gericht. Der Angeklagte soll die 33-Jährige vor den Augen ihrer drei Kinder erschossen haben.

dpa

Ein Justizbeamter steht in einem Saal vom Landgericht. Foto: Friso Gentsch

Bielefeld (dpa/lnw) - Weil er vor den Augen seiner Familie seine Schwägerin erschossen haben soll, steht seit diesem Dienstag ein 48-Jähriger vor dem Landgericht Bielefeld. Auch die drei Kinder der Frau im Teenager-Alter sollen gesehen haben, wie ihre Mutter in der Wohnung im ostwestfälischen Löhne starb, wie der Bruder (38) des Angeklagten zum Prozessauftakt am Dienstag angab. Der Witwer ist Nebenkläger in dem Prozess und wurde als erster Zeuge befragt. Der Angeklagte will erst an einem der folgenden Verhandlungstage aussagen.

Laut Staatsanwaltschaft soll der 48-Jährige aus dem Kosovo eigentlich vorgehabt haben, seine unverletzt gebliebene Ehefrau zu töten. Seinem traditionellen Rollenverständnis soll es widersprochen haben, dass sie sich von ihm getrennt hatte. Er habe seinen vermeintlichen Herrschaftsanspruch über die Familie wiederherstellen wollen.

Am ersten Verhandlungstag beschrieben sowohl sein Bruder als auch seine Ehefrau den Angeklagten als einen hoch aggressiven Mann, der bereits seine Mutter geschlagen haben und mit dem Hammer auf seinen Vater losgegangen sein soll. «Er hat seine Familie immer schlecht behandelt», sagte der Bruder den Richtern.

Der 38-Jährige war am Tattag im Dezember 2020 mit seiner 33 Jahre alten Frau, dem späteren Opfer, und den drei Kindern aus Bayern nach Ostwestfalen zur Frau seines Bruder gefahren. Sie müssen geahnt haben, das der Angeklagte Anstoß an diesem Besuch nehmen könnte: Die Frau aus Löhne bat den 38-Jährigen, sein Auto in einer Tiefgarage zu verstecken statt vor dem Haus zu parken.

Am Abend sei der 48-Jährige dann mit einem Nachschlüssel in der Wohnung erschienen. Alle Versuche, ihn rauszudrängen, misslangen. Der Angeklagte soll dann seine Pistole aus dem Hosenbund gezogen und geschossen haben. Die Schüsse trafen den Bruder und die Schwägerin. Ein Schuss in die Brust der Frau sei tödlich gewesen. Der verletzte Bruder und ein Sohn des Angeklagten rangen den Bewaffneten demnach nieder und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest.

Im Zeugenstand berichtete der Witwer, wie es sich unauslöschlich in sein Gedächtnis eingebrannt habe, dass seine Kinder ihre Mutter sterben sahen.

Seine Ehefrau erzählte im Zeugenstand von einer langen Vorgeschichte der Drohungen und der Angst vor ihrem Mann. 2006 war sie bereits einmal in ein Frauenhaus geflüchtet. Erst im August 2020 trennte sie sich dann endgültig. Seitdem stellte ihr Mann ihr nach. Er habe «immer Leute unter seinen Füßen» haben wollen. Doch dass er seine Drohungen, die Familie eines Tages umzubringen, in die Tat umsetzen würde, habe bis zur Tat niemand geglaubt. Es sind zunächst vier weitere Prozesstage bis Anfang Juli angesetzt.

© dpa-infocom, dpa:210511-99-553337/3

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