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Schavan: Katholische Kirche verschleppt Aufarbeitung

Berlin (dpa) - Die CDU-Politikerin Annette Schavan wirft der katholischen Kirche in Deutschland vor, die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals verschleppt zu haben. Am «Runden Tisch» der Bundesregierung sei schon 2010 über die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gesprochen worden, sagte die frühere Bundesbildungsministerin dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Freitag). «Jetzt hat man zehn lange Jahre, eine ganze Dekade, verstreichen lassen. Die Kirche könnte viel weiter mit Aufklärung und Veränderung sein, als sie es ist.»

dpa

Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Foto: Martin Schutt

Die aus dem Missbrauchsskandal erwachsene Krise sieht Schavan nicht auf ihr Heimatbistum Köln beschränkt. «Die Logik «Institutionenschutz vor Opferschutz» war überall die gleiche», sagte die 65-Jährige. Der Kölner Bistumsleitung unter Kardinal Rainer Maria Woelki, der unter anderem wegen eines unter Verschluss genommenen Missbrauchsgutachtens in der Kritik steht, empfahl sie, sich genau zu prüfen, ob sie das «Leben draußen» noch ausreichend im Blick habe oder nicht doch einer versteckten Agenda folge, der die vielen Austritte letztlich egal seien und die sich lieber auf einen «kleinen heiligen Rest» konzentriere.

Die derzeitige Welle von Kirchenaustritten führte sie auf eine veränderte Kirchenbindung zurück, die sich durch die aktuellen Vorgänge im Erzbistum Köln weiter lockere. «Katholisch sein ist heute eine Option, mehr nicht.» Als rheinische Katholikin aus einem klassisch katholischen Milieu der 60er Jahre schmerze sie das ungemein, sagte Schavan. Über die katholische Reform-Initiative Maria 2.0 sagte die CDU-Politikerin: «Da sind Frauen unterwegs, die jahrzehntelang in dieser Kirche aktiv waren und denen jetzt der Geduldsfaden reißt.»

Schavan - einst Kultusministerin in Baden-Württemberg, später Bundesbildungsministerin - war auch über zehn Jahre im Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken aktiv. Von 2014 bis 2018 war sie deutsche Botschafterin im Vatikan.

© dpa-infocom, dpa:210305-99-696491/2

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