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Schulstart

Schule hat begonnen - mit Präsenzunterricht und Skepsis

Düsseldorf/Münster 

Einschulungsfeiern, volle Klassenzimmer, Getöse auf dem Schulhof - in Nordrhein-Westfalen hat die Schule wieder begonnen. Die Pandemie lässt sich nicht ausblenden. Auch Kritik und Sorgen bleiben.

Von dpa

Vier Schulranzen stehen auf einer Bank. Foto: Bernd Thissen/dpa

Mit Mundschutz, Corona-Tests, Freude und Skepsis hat am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen das neue Schuljahr mit Präsenzunterricht begonnen. Pandemiebedingt mussten die rund 2,5 Millionen Schüler altbekannte Schutzmaßnahmen befolgen, sich aber auch auf Änderungen und Neuheiten einstellen. Maskenpflicht galt weiterhin in Klassenraum und Gebäude. Impfungen waren ein großes Thema.

Für ältere Jahrgänge der Sekundarstufe II und das Schulpersonal konnten ab Mittwoch Impfungen an allen weiterführenden Schulen angeboten werden. Da die Ständige Impfkommission (Stiko) seit wenigen Tagen eine Immunisierung auch für die jüngere Gruppe ab zwölf Jahren empfehle, werde man an allen Schulformen ab Sekundarstufe I «niedrigschwellige Impfangebote» für ab Zwölfjährige einrichten, kündigte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) an. An Berufsschulen besteht die Möglichkeit bereits.

Aufholen von Lernrückständen steht im Fokus 

Gebauer betonte, es gehe zunächst darum, dass die Kinder und Jugendlichen sich wieder an den Präsenzunterricht gewöhnen könnten. Danach beginne die gezielte Förderung. Das Aufholen pandemiebedingter Lernrückstände unterstützen Bund und Land mit hohen Millionensummen. Damit würden etwa Bildungsgutscheine für Schüler oder zusätzliches Personal finanziert.

Nach neuestem Stand sind gut 170 Schulen nach der Flutkatastrophe im Juli durch kleinere bis große Schäden betroffen. Davon konnten laut Ministerium 98 Schulen den Betrieb uneingeschränkt aufnehmen. Bei den restlichen 75 Schulen sei der Start mit Einschränkungen verbunden. An einzelnen Standorten seien Container aufgestellt oder Ausweichstandorte gefunden worden.

Masken und Tests - Schülerinnen und Schüler sind routiniert 

Die Leiterin einer Gesamtschule in Münster berichtete, der Unterricht habe «mit viel Routine beim Testen und Tragen der Masken» begonnen. Der sonst übliche Gottesdienst sei wegen der Pandemie ausgefallen. Das Rahmenprogramm zur Begrüßung habe auf dem Schulhof stattgefunden. Auch die neuen Schüler hätten bei den Selbsttests routiniert mitgemacht, schilderte Kathrin Kösters der Deutschen Presse-Agentur.

Video "Los geht's: Das neue Schuljahr" in Kooperation mit dem WDR: 

Auch für die 166 000 Erstklässler, die am Mittwoch eingeschult wurden oder - je nach Schule - sich noch bis Donnerstag gedulden mussten, galten bereits die Schutzregeln. Danach sind in allen Schulen zwei Tests pro Woche vorgeschrieben, außer für nachweislich Geimpfte und Genesene. Beim Positiv-Test eines einzelnen Schülers muss nicht mehr die ganze Klasse in Quarantäne. Mit Blick auf Gefahren im Straßenverkehr rief die Landesverkehrswacht zu besonderer Vorsicht auf und riet Eltern der i-Dötzchen, den neuen Schulweg mehrfach zu üben.

Schülersprecher Schramm: Politik hat verschlafen

Deutschlands oberster Schülersprecher Dario Schramm kritisierte eine unzureichende Vorbereitung der Politik. Es sei erschreckend, dass auf der To-Do-Liste noch nahezu dieselben Punkte stünden wie im vergangenen Schuljahr, sagte der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz dem «Handelsblatt». Er nannte «Digitalisierung an Schulen, vor allem die Ausstattung mit gutem Wlan, Konzepte zur Kontaktreduzierung, wie etwa mehr Busse und Bahnen, und das große Thema Luftfilter.» Erneute Schulschließungen mit Distanzunterricht müssten unbedingt vermieden werden.

Die Landeselternschaft der Gymnasien in NRW forderte mehr Planungssicherheit. Es brauche Kriterien, «ab wann Schutzmaßnahmen für die Schulen wegfallen oder verschärft werden müssen.» SPD-Fraktionsvize Jochen Ott verlangte drei Tests pro Woche. Das könne die Chance auf ein durchgehendes Schuljahr in Präsenz erhöhen, zumal die Impfquote unter den zwölf- bis 17-Jährigen recht gering sei. Die Corona-Neuinfektionen stiegen unterdessen auch zu Beginn des neuen Schuljahrs weiter.

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