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SPD und Grüne fordern mehr Corona-Hilfen für Kinder

Kinder und Jugendliche sind die Leidtragenden der Corona-Krise. Fast jedes dritte Kind leidet infolge der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten. Die Zahl der Schulabbrecher dürfte steigen.

dpa

Ein Mädchen sitzt in einer Nachhilfeschule während einer Deutschstunde vor einem Übungsblatt. Foto: Uwe Anspach

Düsseldorf (dpa/lnw) - SPD und Grüne im NRW-Landtag haben gezielte Hilfen für Kinder und Jugendliche gefordert, um die seelischen Belastungen und schulischen Defizite infolge der Corona-Pandemie aufzufangen. Das bundesweite Corona-Aufholprogramm müsse dafür durch das Land finanziell aufgestockt werden, sagte SPD-Schulexperte Jochen Ott am Dienstag in Düsseldorf. Von den vom Bundeskabinett beschlossenen zwei Milliarden Euro gingen rund 500 Millionen Euro nach Nordrhein-Westfalen. Das Programm sei aber nur ein erster Schritt. Das Geld müsse auch abgerufen werden und dürfe nicht versickern. Es gehe um ein grundsätzliches Umsteuern in den nächsten Jahren, «um die Kinder dort abzuholen, wo sie nach der Pandemie stehen».

Die zwei Milliarden «reichen natürlich nicht aus, aber sie sind ein guter Anfang», sagte Ott. Eine konkrete Summe, wieviel das Land drauflegen solle, nannte er nicht. Das Geld müsse durch strukturelle Leistungen des Landes ergänzt werden, etwa beim Personal. Es müssten zusätzliche Fachkräfte in Schulen, Kitas und Jugendhilfe-Einrichtungen gebracht werden. Nach Schätzungen hätten infolge der Corona-Krise und des Fernunterrichts mehr als 20 Prozent der Kinder Nachhilfebedarf.

Das Geld aus dem Aufholprogramm soll in diesem und im nächsten Jahr fließen und die Folgen der Corona-Maßnahmen abfedern. Rund eine Milliarde Euro sollen in Nachhilfe- und Förderprogramme gesteckt werden. Eine weitere Milliarde ist für die Aufstockung sozialer Projekte vorgesehen, etwa für Sprachförderung in Kitas, mehr Sozialarbeit an Schulen sowie Freizeitangebote.

Die SPD forderte in einem Antrag für das nächste Plenum unter anderem den Einsatz von kommunalen Bildungslotsen, die etwa dabei helfen, Schulabbrüche zu verhindern. Die Jugendämter in Deutschland warnten bereits vor einer höheren Zahl an Schulabbrechern infolge der Corona-Krise. Normalerweise verließen pro Jahr rund 104 000 junge Menschen ohne Abschluss die Schule, jetzt würden 210 000 Abbrecher prognostiziert. Außerdem müssten Grundschulen zu Familienzentren ausgebaut werden, wo besonders in sozial schwachen Gebieten multiprofessionelle Teams pädagogische und therapeutische Leistungen anbieten sollten.

Auch die Grünen forderten in einem Antrag konkrete Hilfe für Kinder und Jugendliche, etwa pandemiegerechte Sportkurse und Jugendtreffs sowie einen Stufenplan für Präsenzangebote der Jugendhilfe. Die Landesregierung solle zudem eine Befragung von Kindern und Jugendlichen in Auftrag geben, um mehr über ihre aktuelle Situation zu erfahren.

«Kinder und Jugendliche brauchen endlich mehr Unterstützung und Gehör in der Krise», sagte Grünen-Fraktionschefin Josefine Paul. Aktuelle Studien zeigten, dass fast jedes dritte Kind nach mehr als einem Jahr in der Corona-Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten leide. «Geburtstagsfeiern, Handballtraining oder Jugendtreff - ihr Alltag und ihre Entwicklungsmöglichkeiten sind durch Schließungen oder sehr eingeschränkten Betrieb besonders begrenzt.» Derzeit blieben bei den aktuellen Regelungen durch die Bundes-Notbremse Jugendliche ab 14 Jahren vollends unberücksichtigt.

Die Regierungsfraktionen von CDU und FDP forderten eine rasche Freigabe des Biontech-Impfstoffes für Kinder ab zwölf Jahren. Die Landesregierung solle schon organisatorisch vorarbeiten, um unmittelbar nach der Zulassung ein Angebot für Kinder ab diesem Alter sicherzustellen, sofern genügend Impfstoff zur Verfügung stehe.

© dpa-infocom, dpa:210511-99-555873/4

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