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Unwetter-Katastrophe geht weiter: Erdrutsch in Erftstadt

Düsseldorf (dpa/lnw)

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Unwetter-Toten von 30 auf 43 gestiegen. Und das Ende ist wohl noch nicht erreicht. Besonders dramatische Berichte und Bilder kommen aus Erftstadt.

Von dpa

Trümmer eingestürzter Häuser liegen im Ortsteil Blessem. Foto: David Young/dpa

Im besonders schwer von der Unwetterkatastrophe betroffenen Erftstadt sind im Stadtteil Blessem mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg eingestürzt. «Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht», sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag in Düsseldorf.

Im bisher durchforsteten östlichen Teil des Ortes gebe es keine Todesopfer, alle dort lebenden Menschen seien in Sicherheit. «Aber das ist noch nicht die ganze Stadt.» Die Lage in Erftstadt bezeichnete Reul «wegen der Dynamik» zurzeit als «ganz besonders kritisch» und noch sehr unübersichtlich.

Der zuständige Landrat zeige sich entsetzt. «Es ist eine katastrophale Lage, wie wir sie hier noch nie hatten», sagte Frank Rock (CDU). Riesige Erdlöcher klaffen in der Stadt, Häuser sind eingestürzt. Es habe Todesopfer gegeben, teilte die Bezirksregierung Köln mit.

In der Ortschaft an der Erft war es zu massiven und schnell fortschreitenden Unterspülungen von Häusern gekommen. Eine Sprecherin des Kreises sagte, Menschen seien in Autos auf überfluteten Straßen eingeschlossen worden.

Von der Autobahn 1, der Verkehrsverbindung von Köln Richtung Eifel, waren auf der Höhe von Erftstadt mehr als 40 Meter des Standstreifens in den Fluss Erft gestürzt. Auch ein Stück der Lärmschutzwand brach weg. Autos waren zu diesem Zeitpunkt nicht auf der gesperrten Strecke.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat die dramatischen Unwetterfolgen als «Flut-Katastrophe von historischem Ausmaß» bezeichnet. Mindesten 43 Menschen hätten in NRW ihr Leben verloren, sagte er nach einer Sondersitzung des Landeskabinetts in Düsseldorf. Es sei zu befürchten, dass die Opferzahlen weiter steigen werden.

Laschet ging auch auf die besonders dramatische Situation in Erftstadt ein. «Die Fluten haben vielen Menschen buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen.» Der Regierungschef dankte allen Rettungskräften für ihren Einsatz.

Die Bezirksregierung hatte von Notrufen aus Häusern in Erftstadt berichtet. Die Flut sei sehr schnell gekommen. Senken hätten binnen zehn Minuten unter Wasser gestanden. Es habe kaum Zeit gegeben, die Menschen zu warnen, sagte Rock.

Von der Bezirksregierung verbreitete Luftbilder und Fotos von dpa-Fotografen zeigen ein gewaltiges Ausmaß: Häuser waren eingestürzt, Autos lagen in neu entstandenen riesigen Erdlöchern neben Betonteilen der ehemaligen Kanalisation.

An der weiter südlich gelegenen Steinbachtalsperre im Kreis Euskirchen gab es am Freitagnachmittag eine erste vorsichtige Entwarnung. Dort drohte wegen des Dauerregens ein Damm zu brechen. Nach Aufnahmen mit einer Drohne aber vermeldete der Kreis: keine kritischen Risse. Die Lage sei stabil, aber noch nicht unkritisch. Um Druck aus der Anlage zu nehmen, werde weiterhin das Wasser mit Hochleistungspumpen aus der Talsperre geholt.

Mehrere Orte unterhalb der Talsperre waren in den vergangenen Tagen wegen der Gefahr eines Durchbrechens der Staumauer evakuiert worden. Der Kreis Euskirchen appelliert an die Bewohner, noch nicht in die Häuser zurückzukehren. Die Gefahr sei noch nicht gebannt.

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