Kirche

Vorsitzender der Bischofskonferenz kritisiert Woelki

Nach Wochen des Schweigens hat der Kölner Kardinal Woelki Fehler eingeräumt. Die Kritik aus der Kirche an ihm hält jedoch an - der Vertrauensverlust sei nur schwer wieder zu beheben, heißt es in einer offiziellen Erklärung.

dpa

Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Foto: Arne Dedert

Köln (dpa) - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kritisiert. «Die (...) Krise, die entstanden ist, weil das Gutachten nicht jetzt öffentlich ist, die ist nach meiner Ansicht nicht gut gemanagt worden», sagte der Limburger Bischof am Donnerstag in einer Online-Pressekonferenz. Woelki hält seit Monaten ein Gutachten unter Verschluss, in dem der Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen katholische Priester untersucht wird. Er führt dafür rechtliche Bedenken an.

Bätzing äußerte sich im Rahmen einer Online-Versammlung der Mitglieder des katholischen Reformprozesses Synodaler Weg. Auch das Präsidium des Synodalen Wegs nahm in einer Erklärung zu der Woelki-Krise Stellung: «Die Vorgänge im Erzbistum Köln um die Bestellung, Nichtveröffentlichung und Neuvergabe von Gutachten haben dazu geführt, dass Viele am Willen kirchlicher Autoritäten zu vorbehaltloser Aufklärung zweifeln», heißt es dort. «Es sind erhebliche Irritationen entstanden und es ist ein Verlust an Vertrauen eingetreten, der nur schwer wieder behoben werden kann.»

Generell gelte: «Strukturen der Vertuschung müssen aufgedeckt und beseitigt, die Namen der Verantwortlichen genannt, die Ergebnisse der Untersuchungen veröffentlicht werden.» Alle, die in der Kirche Leitung ausübten, müssten dazu bereit sein, gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen. «Dabei kann auch ein Rücktritt kein Tabu sein.»

In einer Reaktion auf die Stellungnahme des Präsidiums räumte Woelki ein: «Mir ist schmerzlich bewusst, dass Vertrauen verloren gegangen ist.» Er habe Fehler gemacht. Erneut verwies er auf die Veröffentlichung eines neuen Gutachtens am 18. März. «Danach werden die Betroffenen und anschließend auch jeder Interessierte Einblick in das erste Gutachten erhalten», sagte er zu. «Den Vergleich scheuen wir nicht.»

Zuvor hatte Woelki in einem Interview der «Kölnischen Rundschau» betont, das neue Gutachten werde den Aufklärungsanspruch einlösen. «Ich stehe zu meinem Versprechen», versicherte er. Der von ihm beauftragte Strafrechtler Björn Gercke habe 236 Fälle aus dem Erzbistum Köln untersucht.

Woelki sagte: «Gerckes Gutachten wird handwerklich sauber sein und es möglich machen, mein Versprechen einzulösen: Wir werden Namen von Verantwortlichen nennen.» Auf die Frage, was die Kritik der vergangenen Wochen für ihn persönlich bedeute, antwortete er: «Das Ganze ist nicht schön für mich, aber es geht ja auch nicht um mich. (...) Ich tue das für die Betroffenen, damit sie ein Stück Gerechtigkeit erfahren. Meine Person interessiert da nicht.»

Zum Fall des Düsseldorfer Pfarrers Johannes O., bei dem das Erzbistum schweren Vorwürfen nicht nachgegangen war, sagte Woelki: «Ich habe mein Gewissen geprüft, und ich bin persönlich der Überzeugung, dass ich mich korrekt verhalten habe. Aber auf meine Einschätzung kommt es nicht an: Professor Gercke untersucht den Fall.»

Dem 2017 gestorbenen Pfarrer O. wird vorgeworfen, Ende der 1970er Jahre einen Jungen im Kindergartenalter missbraucht zu haben. Nachdem Woelki 2014 Erzbischof von Köln geworden war, entschied er sich, weiter nichts zu unternehmen und den Fall auch nicht nach Rom zu melden. Seine Begründung dafür ist, dass O. aufgrund einer fortgeschrittenen Demenz «nicht vernehmungsfähig» gewesen sei. Woelki soll dem Pfarrer seit seiner Studentenzeit eng verbunden gewesen sein und hielt nach einem Bericht des «Kölner Stadt-Anzeiger» bei seiner Beerdigung die Trauerrede.

© dpa-infocom, dpa:210204-99-304932/3

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