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Corona-Pandemie

Was NRW im Juni plant und was der Wegfall der Priorisierung bedeutet

Münster

Am 7. Juni fällt die Impfpriorisierung weg. Doch was heißt das für die Anmeldung in den NRW-Impfzentren und wie viele Impftermine stehen in den ersten Juni-Wochen auf dem Plan? Das NRW-Gesundheitsministerium nimmt Stellung.

Stefan Biestmann

ARCHIV - 01.05.2021, Brandenburg, Schönefeld: Ein Mann bekommt eine Schutzimpfung gegen Covid-19 im Impfzentrum der Bundeswehr und der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. am Flughafen BER. Während viele Menschen in Deutschland noch mit den Warteschleifen auf dem Weg zu einer Corona-Impfung hadern, arbeiten Hersteller schon an der nächsten Impfstoff-Generation. (zu dpa «Unternehmen tüfteln an Corona-Impfstoffen der nächsten Generation») Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Patrick Pleul/dpa

In zehn Tagen fällt die Impfpriorisierung weg. Doch was heißt das für die Anmeldung in den NRW-Impfzentren? Droht ein Chaos wie beim Terminvergabestart für die Priogruppe 1 im Januar? Klar ist bislang, dass in den Impfzentren weiter die Corona-Zweitimpfungen im Mittelpunkt stehen. Derweil hinkt NRW bei den Zweitimpfungen immer noch gewaltig hinterher. Wir geben einen Überblick über die Pläne für den Monat Juni.

Wie läuft die Anmeldung für die Impfzentren nach dem Wegfall der Priorisierung?

„Die Landesregierung prüft, ob parallel zu dem breiten Impfgeschehen in Arztpraxen und Betrieben in den Impfzentren gezielt Akzente gesetzt werden“, teilt das NRW-Gesundheitsministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit. Doch was heißt das? Das Ministerium erklärt, es gehe vor allem darum, „die Impfungen für bestimmte Gruppen zu steuern, bei denen eine prioritäre Impfung angezeigt ist“. Das klingt zumindest so, als wolle das Land nach dem 7. Juni weiter Anmeldefenster für bestimmte Personen- oder Berufsgruppen schaffen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) verweist auf die Ankündigung des Ministeriums, dass aufgrund der weiterhin begrenzten Impfstoffmenge in den ersten drei Juni-Wochen in erster Linie Zweitimpfungen in den Impfzen­tren durchgeführt werden sollen. „Solange keine Impfstoffkontingente für weitere Erstimpfungen in den Impfzentren zur Verfügung stehen, werden auch keine weiteren Impftermine über das KVWL-Buchungsportal freigeschaltet werden können“, sagt KVWL-Sprecherin Vanessa Pudlo. „Der Wegfall der Impfpriorisierung zum 7. Juni wird somit zunächst keinen Einfluss auf die Arbeit der Impfzentren haben.“ Nach einem Anmeldechaos für die Impfzentren sieht es also aktuell nicht aus.

Werden für weitere Personen- und Berufsgruppen aus der Priogruppe 3 noch Termine vor dem 7. Juni freigeschaltet?

Das Ministerium schließt es zumindest nicht aus. „Unser Ziel ist und bleibt es, möglichst schnell möglichst viele weitere Menschen, insbesondere vulnerable Zielgruppen, zu impfen – insbesondere priorisierte Personen der Priogruppen 2 und 3, bevor am 7. Juni die Betriebsärzte in den Impfprozess eingebunden werden“, erklärt Ministeriumssprecher Achim Hermes. Die KVWL schätzt die Lage nüchterner ein und teilt mit: „Abgesehen von eventuell kurzfristig stornierten Terminen gehen wir aktuell nicht davon aus, dass bis zum 7. Juni Terminkontingente für Impfungen in den Impfzentren freigeschaltet werden können. Es sei denn, es steht unerwartet mehr Impfstoff zur Verfügung.“

Wie viele Termine für Erst- und Zweitimpfungen sind im Juni in den NRW-Impfzentren geplant?

Zunächst steht alles im Zeichen der Zweitimpfungen. Nach Angaben des Ministeriums sollen in der Kalenderwoche (KW) 22, die am Montag beginnt, 588.000 Zweitimpfungen über die Bühne gehen, in der KW 23 (ab 7. Juni) sind es 441.000 und in der KW 24 (ab 14. Juni) 473.000. Das Land erhalte vom Bund etwa 530.000 Impfdosen pro Woche. „Das bedeutet, dass die in den ersten drei Juniwochen zur Verfügung stehenden Impfstoffdosen voraussichtlich nahezu vollständig für Zweitimpfungen benötigt werden.“

Allerdings würden längst nicht alle Termine wahrgenommen – zum Beispiel wegen früherer Termine beim Hausarzt. Deswegen gebe es auch Erstimpfungen, aber nur eingeschränkt. Immerhin sollen die Impfzentren in der KW 25 (ab 21. Juni) 140.000 Erstimpfungen durchführen – und in der KW 26 sogar 230.000. Das Ministerium verweist für den Juni vor allem auf die Impfungen bei den Ärzten. Es sei mit einer „deutlichen Steigerung der Terminkapazitäten bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten“ zu rechnen. „Hier und ab Juni in den Betrieben wird bereits in wenigen Wochen das Gros der Impfungen stattfinden.“

Wie schlägt sich NRW im Vergleich?

Bei den Erstimpfungen verteidigt NRW laut RKI mit einer Quote von 44,8 Prozent Platz zwei im Ranking der Bundesländer – hinter dem Saarland. Doch bei den Zweitimpfungen ist NRW mit 15,7 Prozent Drittletzter. Nur Niedersachsen und Hessen schneiden schlechter ab

Kommentar

Geduld zahlt sich aus

Man sollte nicht zu euphorisch auf den 7. Juni blicken, wenn die Impfpriorisierung wegfällt. Es fallen dann leider nicht plötzlich Millionen zusätzliche Termine für Erstimpfungen vom Himmel. Vielmehr wird der Juni vor allem zum Monat der Zweitimpfungen. Es heißt also für sehr viele Menschen, sich weiter in Geduld zu üben. Zumal die Warteschlange noch länger wird, da sich Kinder ab 12 Jahren ab dem 7. Juni auch anstellen dürfen.

NRW ist zwar bei den Erstimpfungen top, hinkt aber bei den Zweitimpfungen mächtig hinterher. Es war also abzusehen, dass das Land jetzt bei den Zweitimpfungen nachlegen muss. Leider wurde es versäumt, dies frühzeitig und noch klarer zu kommunizieren. Stattdessen wurden unnötig falsche Hoffnungen auf zeitnahe Termine geweckt – zum Beispiel bei Mitgliedern der Priogruppe 3.

Trotz aller Kritik an Bund und Ländern stehen die Chancen gut, dass die Bundesregierung ihr Versprechen hält, jedem bis zum Spätsommer ein Impfangebot zu machen. Die Regierung muss alles versuchen, um zusätzliche Impfstofflieferungen zu erreichen. Es bringt aber nichts, wenn Bürger ihren Unmut an Hausärzten auslassen. Am Ende zahlt sich etwas Geduld für alle aus.

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