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Weiteres Rekordtief bei Verkehrstoten in NRW

Das geringere Verkehrsaufkommen im Corona-Jahr 2020 hat zu glänzenden Zahlen in der Verkehrsunfall-Statistik geführt. Einige Menschen nutzten die leeren Straßen aber zum Rasen.

dpa

Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen. Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Corona-Pandemie lässt die Unfallstatistik glänzen: Die Zahl der Verkehrstoten ist in Nordrhein-Westfalen auf ein weiteres Rekordtief gesunken. Im vergangenen Jahr starben auf den NRW-Straßen 430 Menschen bei Unfällen - so wenige wie noch nie seit Beginn der Erfassung 1953. Das entspricht einem Rückgang von 5,7 Prozent oder 26 Todesopfern. Damit bestätigten sich die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Auch die Zahl der Schwerverletzten (-10,5 Prozent) und der Unfälle insgesamt (-16,4 Prozent) ging zurück. «Ohne Corona wäre der Rückgang nicht so stark gewesen», sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf.

Allerdings nutzten einige Menschen die leeren Straßen zum Rasen: Illegale Rennen registrierte die Polizei 1515 und damit mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr (+116 Prozent). Seit Jahren steige die Zahl der von der Polizei registrierten illegalen Rennen, sagte Reul. Dies liege auch am erhöhten Kontrolldruck.

Die Zahl der Verkehrstoten auf den Autobahnen stieg gegen den Trend von 50 auf 63. Dabei verschoben sich die Ursachen: Zu geringer Abstand war rückläufig, zu hohes Tempo nahm zu. Erstmals seit Jahren starb 2020 kein Kind auf dem Schulweg. Insgesamt starben allerdings zehn Kinder in NRW bei Verkehrsunfällen - eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.

Auch die Pedelec-Unfälle (E-Bikes) stiegen entgegen dem Trend deutlich an. 3900 verunglückte Pedelec-Fahrer sind ein Plus von 44 Prozent und die Zahl der Toten bei Pedelec-Unfällen stieg um 7 (30 Prozent) auf 30. Die Mehrheit von ihnen war 65 Jahre alt oder älter. «Wir haben ein Pedelec-Problem», sagte Reul.

Die Zahl der verunglückten Pedelec-Fahrer habe sich in NRW binnen vier Jahren verdoppelt, warnte die Gewerkschaft der Polizei. Politik und Polizei müssten auf diese Entwicklung reagieren. «Der sprunghafte Anstieg der Unfallzahlen ist die Schattenseite des Pedelec-Booms», sagte der GdP-Landesvize-Chef Heiko Müller. Die GdP forderte verstärkte Investitionen in sichere Radwege.

Trotz gestiegener Nutzung ging die Zahl der Fahrradunfälle um vier Prozent zurück. Die Zahl der getöteten Radfahrer sank um 2 auf 46. Motorradfahrer kamen ebenfalls weniger ums leben: 65 Tote im Vergleich zu 72 im Vorjahr.

Im Corona-Jahr sei aber wegen geschlossener Bars und Clubs noch ein Phänomen hinzugekommen: die Straße als Kontaktbörse, als Ort zum Flirten, das sogenannte «Blech-Tindern». «Auf die Romanze kann in der nächsten Kurve der Tod warten», warnte Reul.

Der Raser-Szene sei man 2020 mit 164 Sondereinsätzen begegnet. «Wenn die Aufdrehen tun wir das auch», sagte Reul. Dass der Anteil der Unfälle junger Fahrer dennoch rückläufig sei, liege bestimmt auch an dem Programm «Crash-Kurs NRW», das bereits fast einer Million junger Menschen die Gefahren zu schnellen oder betrunkenen Fahrens sehr eindrücklich vor Augen geführt habe.

© dpa-infocom, dpa:210309-99-753964/4

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