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Weniger Firmenpleiten: Aber mehr unbezahlte Rechnungen

Düsseldorf (dpa/lnw)

Von dpa

Insgesamt 1065 Unternehmen haben in Nordrhein-Westfalen im ersten Quartal 2021 Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das waren 18,8 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dennoch habe sich die voraussichtliche Höhe der unbezahlten Rechnungen der Pleitefirmen mit 3,5 Milliarden Euro fast verdreifacht, teilte das Statistische Landesamt am Dienstag in Düsseldorf mit.

«Ursächlich für den Anstieg bei den Forderungen bei gleichzeitig sinkender Zahl der Insolvenzen war, dass eine höhere Anzahl wirtschaftlich bedeutender Unternehmen Insolvenz beantragt hat als vor einem Jahr», erklärten die Statistiker. Dass die Zahl der Firmenpleiten trotz der Corona-Pandemie deutlich sank, führen die Experten nicht zuletzt darauf zurück, dass die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrages für Unternehmen auch im ersten Quartal 2021 teilweise ausgesetzt war.

Allerdings profitierten davon nicht alle Branchen in gleichem Maße. So lagen die Insolvenzzahlen bei Beherbergungsbetrieben wie Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätzen zwischen Januar und März über den durchschnittlichen Quartalswerten der Jahre 2019 und 2020. Bei Reisebüros und Reiseveranstaltern lagen sie auf dem Vorkrisenniveau von 2019. Dagegen war die Zahl der Pleiten im Einzelhandel, in der Gastronomie, aber auch bei Künstlern und Kreativen unter dem Niveau von 2019.

Deutlich zugenommen hat im ersten Quartal die Zahl der Verbraucherinsolvenzen im bevölkerungsreichsten Bundesland. Mit insgesamt 5551 Verfahren lag sie um 43,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Eine mögliche Ursache dafür sei, dass viele Schuldner 2020 ihre Insolvenzanträge zurückgestellt hätten, um von dem inzwischen in Kraft getretenen Gesetz zur Verkürzung der Frist bis zur Restschuldbefreiung von sechs auf drei Jahre zu profitieren.

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