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Solarstrom 

Lohnt sich eine eigene Solaranlage jetzt noch?

Münster

Weil die Strompreise weiter steigen und ­steigen, denken viele Hausbesitzer wieder über eine Solaranlage auf dem Dach nach. Aus gutem Grund: Die Solarmodule sind inzwischen nicht nur günstiger sondern mitunter auch deutlich ­effizienter als noch vor 20 Jahren. Allerdings haben sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen ver­ändert. Lohnt sich die eigene Photovoltaikanlage dennoch? Ein Überblick.

Von Andreas Fier

Auf das Dach kommt es an: Optimal ist eine Neigung von etwa 30 Grad. Foto: imago/Frank Hoermann

20 Jahre sind mitunter schnell vergangen. Hausbesitzer, die im Jahr 2000 eine Solaranlage auf ihrem Dach installiert haben, können davon ein Lied singen. Sie mussten lange zittern, weil ihre EEG-Förderung Ende des Jahres 2020 auslief. Erst in letzter Minute verabschiedete die schwarz-rote Bundesregierung das EEG 2021 – und damit die Möglichkeit, die Anlagen weiterzubetreiben. Die Hausbesitzer dürfen ihren Strom weiterhin ins Netz einspeisen.

Der Wermutstropfen: Verglichen mit den ursprünglichen Tarifen von rund 50 Cent je Kilowattstunde ist die Vergütung mit rechnerisch zwischen zwei und vier Cent verschwindend gering. Hintergrund: Durch die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes müssen die Netzbetreiber nur noch den Marktwert vergüten, wenn die Anlagen nach 20 Jahren aus der Förderung herausfallen.

Rentabilität hängt von zwei Faktoren ab

Von Einspeisevergütungen zwischen 40 und 50 Cent je Kilowattstunde, die Betreiber von Photovoltaikanlagen bis 2009 einheimsten, können Hausbesitzer heute nur träumen. Wer sich im Jahr 2021 für die eigene Solaranlage auf dem Dach entscheidet, erhält vom Netzbetreiber die gesetzliche Einspeisevergütung von acht Cent – das allerdings 20 Jahre lang. Die Anschaffung einer eigenen Anlage kann sich – ein geeignetes Dach mit entsprechender Ausrichtung vorausgesetzt – damit durchaus lohnen, auch wenn die Vergütungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zusammengestrichen worden sind.

Die Frage, ob sich eine Solaranlage tatsächlich rentiert, hängt grundsätzlich von zwei Faktoren ab: der Einspeisung in das Netz und dem Eigenverbrauch. Wer den selbst produzierten Solarstrom gleich wieder verbraucht, spart Stromkosten, die derzeit bei etwa 28 Cent aufwärts pro Kilowattstunde liegen. Strom, der nicht selbst genutzt wird, kann zum Preis von acht Cent in das Netz eingespeist werden. Für die Anschaffung selber kalkulieren Fachleute zwischen 1200 und 1600 Euro je Kilowatt Leistung ein.

Ob die Solaranlage mit diesen Rahmenbedingungen rentabel ist, hängt letztlich von der Höhe des eigenen Verbrauchs ab. Hausbesitzer, die eine Photovoltaikanlage anschaffen, wenden im Schnitt zehn bis elf Cent je Kilowattstunde auf, um eigenen Strom zu erzeugen. Wer also nur Strom in das Netz einspeist, zahlt drauf.

Wie hoch der Eigenverbrauch ist, hängt davon ab, zu welchen Tageszeiten Strom benötigt wird – und ob etwa ein E-Auto tagsüber geladen wird, solange die Sonne scheint. Weil viele Eigenheimbesitzer tagsüber nicht zu Hause sind und die Anlagen nachts und an trüben Tagen keinen Strom produzieren, liegt der Eigenverbrauch meist zwischen 15 und 30 Prozent. Entscheidend ist dabei die Größe. Anlagen, die 10 Kilowattstunden und mehr erzeugen, kommen in der Regel nur auf einen geringen Eigenanteil von etwa 15 Prozent. Kleinere Anlage mit vier oder fünf Kilowattstunden schaffen oft 30 Prozent – für den Hausbesitzer wird die Anschaffung damit zum Rechenexempel: Kleinere Anlagen sind in der Anschaffung pro Kilowattstunde in der Regel etwa 200 Euro teurer als große Anlagen. Auch wenn der Eigenverbrauch geringer ist, kann die größere Anlage damit eine vergleichbar hohe Rendite bringen – und natürlich einen größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Dachneigung und Ausrichtung wichtig

Grundsätzlich ist jede Privatperson berechtigt, sich eine Solarstromanlage anzuschaffen. Bewohner von Ein- oder Zweifamilienhäusern können die Entscheidung meist selbst treffen. Bei Eigentumswohnungen müssen die übrigen Eigentümer mit der Anschaffung einverstanden sein. Optimal ist eine Ausrichtung der Anlage nach Süden sowie eine Dachneigung von etwa 30 Grad. Weist das Dach eine Neigung von weniger als 25 oder mehr als 60 Grad auf, kann die Stromgewinnung geringer ausfallen. Durch die Rahmenbedingungen, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz vorgibt, ist inzwischen auch die Installation auf West- oder Ostdächern attraktiv. Laut Gesetz sollen die Photovoltaikanlagen maximal 70 Prozent ihrer Nennleistung ins Netz einspeisen. Anlagen, die nach Osten oder Westen ausgerichtet sind, bleiben meist unter dieser 70-Prozent-Grenze.

Wer über eine eigene Solaranlage nachdenkt, sollte zunächst Dachneigung und Ausrichtung prüfen. Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Leistung in  kWp und kWh

Bei Photovoltaikanlagen wird die elektrische Leistung üblicherweise in der Einheit Kilowattpeak (kWp) gemessen. Dabei wird die Spitzenleistung unter genormten Testbedingungen gemessen, um einen Vergleichbarkeit zu garantieren. Die Nennleistung ist dabei ein theoretischer Wert. Für die Labormessung wird das Solarmodul bei 25 Grad Betriebstemperatur mit einer Leistung von 1 Kilowatt (1000 Watt) bestrahlt. Mit 1 kWp lassen sich theoretisch 1000 Kilowattstunden (kWh) Solarstrom im Jahr erzeugen. Pro kWp sind sechs bis acht Quadratmeter Dachfläche erforderlich. Da ein Vier-Personen-Haushalt eine Solaranlage mit einer Leistung von vier bis sechs kWp benötigt, ist entsprechend eine Dachfläche von etwa 40 bis 50 Quadratmetern erforderlich. Der tatsächliche Ertrag einer Photovoltaikanlage hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem vom Standort, der Ausrichtung, der Dachneigung und der Qualität der Solarmodule.

Speichern lohnt nicht für alle

Um mehr Solarstrom selbst zu verbrauchen, lassen sich immer mehr Hausbesitzer zusätzlich zur Solaranlage auf dem Dach auch einen Solarspeicher einbauen. Inzwischen wird jede zweite Anlage, die in der Bundesrepublik neu angeschafft wird, mit einem solchen Akku ausgestattet. Wenn keine Sonne scheint, kann der Strom aus der Batterie verwendet werden, anstatt ihn vom Versorger zukaufen zu müssen. Die Preise für Solarspeicher sind in den vergangenen Jahren zwar deutlich gesunken – allerdings sind die Akkus noch immer zu teuer, um wirtschaftlich zu sein. Hausbesitzer, die vom Stromanbieter unabhängig sein möchten, bezahlen das also mit einer geringeren Rendite ihrer Solaranlage. Renditeorientierte Betreiber werden deshalb in der Regel zu einer Anlage ohne Speicher greifen – zumal die Leistung der Akkus im Laufe der Jahre nachlässt.

Leistungsmessung bei einer Solaranlage. Foto: imago/Christian Vorhofer 

Verbraucher kennen dieses Phänomen vom Handy-Akku. Fachleute gehen davon aus, dass Solarspeicher nach etwa 15 Jahren ausgetauscht werden müssen. Auch der Traum, das eigene E-Auto nach Feierabend mit eigenem Solarstrom aus dem eigenen Speicher zu betanken, kann schnell platzen. In Einfamilienhäusern werden in der Regel Speicher mit einer Kapazität zwischen 5 und 15 Kilowattstunden verbaut. Zur Orientierung: Die Batterie im aktuellen E-Smart lädt 17,6 kWh und kommt damit auf rund 110 Kilometer Reichweite. Der neue Audi e-tron S braucht für eine komplette Ladung 95 kWh und muss spätestens nach 350 Kilometern wieder an die Steckdose.

Förderung in NRW

Öffentliche Gelder können die Entscheidung für Photovoltaik erleichtern. NRW fördert aktuell die Anschaffung von Stromspeichern, die gemeinsam mit einer Solaranlage installiert werden. Pro Kilowattstunde installierter Kapazität schießt das Land 150 Euro zu. Die Kapazität des Speichers darf maximal drei Mal so groß sein wie die Leistung der neu errichteten Photovoltaikanlage. Die Kosten für einen Batteriespeicher liegen allerdings in der Anschaffung zwischen 800 und 1400 Euro pro Kilowattstunde Kapazität – abhängig von der Gesamtgröße.

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