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Fußball: Reiner Thentie freut sich über den DFB-Ehrenamtspreis 2021

50 Jahre im Dienst der Jugend

Billerbeck

Komplizierte Sachverhalte verständlich darstellen, auch darauf kommt es an. Deshalb hatte Reiner Thentie auf dem Weg zum Training nicht nur Bälle und Leibchen im Gepäck, sondern bisweilen auch ein „Mensch ärgere dich nicht“-Spiel. „Mit den Figuren habe ich den E-Jugendlichen die Abseitsregel erklärt“, lächelt er. Kreativität ist im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen gefragt, davon bringt der Billerbecker reichlich mit – und das schon seit stolzen 50 Jahren. Für seinen Einsatz ist Thentie mit dem DFB-Ehrenamtspreis 2021 des Fußballkreises Ahaus/Coesfeld ausgezeichnet worden und gehört zudem für ein Jahr dem „Club 100“ des Deutschen Fußballbundes an.

Von Frank Wittenberg

Reiner Thentie (Mitte) erhält für sein Engagement den DFB-Ehrenamtspreis 2021 und wird zudem in den „Club 100“ des DFB aufgenommen. Mit ihrem freuen sich Christian Westerhoff (rechts), Jugendleiter beim VfL Billerbeck, und sein Stellvertreter Jannik Weise. Foto: Foto: fw

Gerade einmal 15 Jahre jung war Reiner Thentie, als er sich entschied, in seinem Verein nicht nur Sport zu treiben, sondern auch ehrenamtlich anzupacken. „Der damalige C I-Trainer Johannes Heising hat mich angesprochen“, erinnert er sich. Thentie kickte damals selbst in der B-Jugend und spielte zudem noch Volleyball – und von nun an war er auch Trainer der C II-Junioren. Eine Berufung, von der er nie wieder abgekommen ist. „Weil es mir immer viel Spaß gemacht hat“, versichert er. „Und das unabhängig vom sportlichen Erfolg.“

Wobei es genau daran in den vergangenen 50 Jahren gewiss nicht mangelte. „Genau gezählt habe ich die Titel nicht“, muss Reiner Thentie passen. Zweistellig dürfte die Zahl auf jeden Fall sein – „allein mit der E-Jugend, die ich ab 1976 trainiert habe, sind wir vier Mal in fünf Jahren Meister geworden.“ Wobei das am Ende gar nicht der entscheidende Faktor sei. Wichtig sei, immer Spaß an der Sache zu haben. „Der Respekt untereinander ist das A und O“, sieht der 65-Jährige den Mannschaftssport auch als Schule für das Leben. Natürlich könne es auch mal zu Streitigkeiten kommen: „Aber am Ende finden wir immer auf eine gemeinsame Linie zurück.“

Reiner Thentie, der ewige Trainer – aber damit allein ist die Geschichte nicht erzählt. Denn auch als Mann hinter den Kulissen ist er für den VfL in den vergangenen Jahrzehnten unverzichtbar geworden. Schon seit Mitte der 80er Jahre wirkt er im Jugendvorstand mit, zwischenzeitlich auch vier Jahre als Abteilungsleiter. „Er hat viele Turniere organisiert und zum Beispiel auch die Fußballschule in Billerbeck mit aufgebaut“, weiß Christian Westerhoff. Im Jahr 1976 hat Thentie zudem die Aufgabe des Pressewartes der Jugendabteilung übernommen – und kümmert sich mit einer kurzen Unterbrechung bis heute darum. Und auf dem Platz will er sich weiter tummeln, auch wenn er aktuell aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer tritt. Seinen Trainerschein, 1978 in Münster abgelegt, hat er gerade erst verlängert.

Bei so viel Einsatz lag auf der Hand, wen der VfL für den Ehrenamtspreis des Fußballkreises nominieren würde. „Und Reiner ist verdientermaßen ausgewählt worden“, freut sich Jugendleiter Christian Westerhoff, der den Vorschlag mit seinen Vorstandskollegen Christian Ebbert und Jannik Weise beim Kreis eingereicht hat. Einen Präsentkorb hat Thentie bereits erhalten, eine weitere Ehrung beim Westdeutschen Fußballverband mit allen Kreissiegern steht noch aus. Gleiches gilt für die Berufung in den „Club 100“ des DFB – inklusive des Besuches eines Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft.

Spaß macht es auch nach 50 Jahren noch. „Weil die Arbeit hier im Verein wertgeschätzt wird, auch von den Eltern“, weiß Jannik Weise aus eigener Erfahrung. Kein Geheimnis macht Reiner Thentie jedoch daraus, dass sich im Laufe der Zeit einiges verändert hat. „Früher war der Fußball für die Kinder alles, heute gibt es viel mehr Angebote“, sagt er. Das mache es für die Trainer gerade in den unteren Mannschaften nicht einfacher. Andererseits: Das Niveau sei besser geworden. „Das hat sicherlich damit zu tun, dass die Trainer immer besser geschult werden“, erklärt Christian Westerhoff. Mit seinen Figuren aus „Mensch ärgere dich nicht“ muss Reiner Thentie heutzutage jedenfalls nicht mehr anrücken: „Die Kinder bringen ganz andere Voraussetzungen mit.“

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