1. www.azonline.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Billerbeck
  6. >
  7. Regen, Wind und ein breites Grinsen

  8. >

Fußball:Bezirksligist VfL Billerbeck kehrt in den Trainingsbetrieb zurück

Regen, Wind und ein breites Grinsen

Billerbeck. Es regnet, der Wind fegt stürmisch über das Spielfeld, die Temperaturen sind weit von Ende Mai und Pfingsten entfernt – aber das ist ihnen so etwas von egal. „Wir freuen uns riesig“, fasst Yannick Gieseler seine Gefühlslage und die seiner Kicker zusammen. Sie stehen gemeinsam auf dem Platz, mit „Pöhlern“ statt Laufschuhen, mit Ball statt Gymnastikmatte, mit Zweikämpfen, mit allem – wie Pommes rot-weiß und Bratwurst mit ganz viel Senf. Fußball-Bezirksligist VfL Billerbeck ist zurück auf dem Kunstrasen, zum ersten Mal seit Ende Oktober.

Frank Wittenberg

Endlich wieder auf dem Platz: Pünktlich zu Pfingsten kehrte Bezirksligist ins Training zurück – im Rahmen der Modellregion mit Zweikämpfen und Körperkontakt. Für Max Zumbülte (oben links), Philipp Daldrup (oben rechts) und Co. steht nach sieben Monaten Pause erst einmal die Ballgewöhnung im Mittelpunkt. Fotos: fw Foto: az

Die lange Abstinenz führt durchaus zu seltsamen Eindrücken. „Ich habe erstmal gefragt, wo unsere Derbystar-Bälle sind“, zuckt Andreas Lembeck mit den Schultern. Dass sie im Training schon vor dem Lockdown mit anderen „Pillen“ unterwegs waren, „hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung.“ Und wie es sich überhaupt anfühlt, so einen Ball am Fuß zu haben, empfindet der Abwehrspieler ebenfalls als ungewohnt. „Wir waren ja nur laufen in der ganzen Zeit.“ Mal fünf Kilometer, mal zehn – „einmal habe ich mit unserer Lauf-Koryphäe Pepe Daldrup 20 Kilometer hingelegt“, lächelt er. Die ständigen Jogging-Ausflüge durch die Prärie haben gewiss nicht immer Spaß gemacht, aber sie haben es durchgezogen. Nach jeder Einheit kam der Beweis per Screenshot in die App, erzählt Lembeck: „So haben wir uns gegenseitig gepusht, das macht mehr Spaß.“

Spaß, das soll auch jetzt bei der ersehnten Rückkehr auf den Platz im Mittelpunkt stehen, aber als reine Gute-Laune-Veranstaltung sieht Yannick Gieseler das Training auch nicht an. „Ich bin nicht gewillt, einfach nur den Ball in die Mitte zu werfen“, kündigt er an. Jeden Dienstag und Donnerstag will er ab sofort sein Personal auf den Kunstrasen am Helker Berg bitten. Mit viel Ballgewöhnung und Passübungen, um nach der langen Zwangspause wieder ein Gefühl zu bekommen, aber auch mit der nötigen Ernsthaftigkeit. „Ich sehe das als Vorbereitung auf die Vorbereitung an“, erklärt der Trainer, der seine Mannschaft in einem guten Zustand an seinen Nachfolger Thorsten Heinrich übergeben möchte, ehe er ab Anfang Juli den Westfalenligisten GW Nottuln übernimmt. Das dürfte gelingen, denn der Fitnesslevel ist „erstaunlich gut“, lautet seine Einschätzung. „Das war nach dem ersten Lockdown bei vielen anders.“

So oder so, Yannick Gieseler ist froh, vor seinem Abschied doch noch mit seinem VfL auf dem Platz stehen zu können, dazu noch mit Langzeitverletzten wie Max Zumbülte oder Timo Muddemann. Ein kleines Happy-End im Wechselbad der Gefühle, lächelt der 37-Jährige, der im Laufe der vergangenen Monate immer wieder in beide Richtungen überrascht worden sei. „Ich war lange optimistisch, dass die Saison fortgesetzt wird“, blickt er zurück. Dann waren alle Hoffnungen dahin – „und jetzt geht plötzlich wieder alles.“ Zumindest echtes Training, und das sei auch absolut sinnvoll. „Denn die sechseinhalb Wochen ab Anfang Juli wären nach der langen Pause viel zu kurz.“ Nicht zu vergessen das Gefühl der Zusammengehörigkeit. „Die Jungs sind total froh, ihre Kumpels wiederzusehen“, stellt Co-Trainer Steffen Schudy fest. Und sie haben wieder den Ball am Fuß, auch wenn es noch nicht durchweg geschmeidig aussieht. „90 Minuten spielen wären noch nicht drin“, gibt Andreas Lembeck zu. „Aber es ist super, überhaupt wieder etwas zu machen.“

Startseite