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Fußball/Reiten: Julius und Laurenz Terbrack sind in unterschiedlichen Sportarten erfolgreich

Über und zwischen die Stangen

Darup. Beide brennen sie für ihren Sport, wenn auch mit völlig verschiedenen Voraussetzungen. Der Eine zurrt den Sattel fest, der Andere schnürt die Stollenschuhe. Der Jüngere streichelt die Mähne seines Pferdes, der Ältere die Kunststoff-Pille. Und während es für den Einen darauf ankommt, über die Stangen zu fliegen, muss der Andere im Optimalfall genau zwischen sie treffen. Erfolgreich sind beide Terbrack-Brüder, die sich allerdings auf unterschiedlichem Terrain bewegen: Laurenz (16) im Reitsport, Julius (19) im Fußball.

Frank Wittenberg

Zwei Brüder, zwei Sportarten: Während Julius Terbrack (links) für die Fußballer von Borussia Darup aufläuft, geht Laurenz unter anderem mit Umaroona in den Springparcours. Foto: Frank Wittenberg

Und das ist zumindest bei dem Mann im Trikot von Borussia Darup gar nicht so selbstverständlich. Denn Julius Terbrack stammt aus einer Reiterfamilie durch und durch: Mutter Maria und Vater Markus betreiben die Reitschule Altrogge-Terbrack und sind sehr eng mit dem Reitsport verbandelt. Was bitteschön ist da bei Julius schief gelaufen? „Gar nichts“, lächelt Markus Terbrack, der auch als Vorsitzender des Kreisreiterverbandes Coesfeld fungiert. „Er hat sich für einen anderen Sport entschieden, und das ist völlig in Ordnung.“ Zumal auch der älteste Sohn Linus nicht mehr im Reitsport aktiv ist. „Das war irgendwann mit Ausbildung und Beruf nicht mehr zu vereinbaren“, sagt der 21-Jährige, der unter anderem für ein Jahr an der Ostküste in den USA gelebt hat.

Selbstverständlich hat Julius im Kindesalter auch hin und wieder im Sattel gesessen. „Nicht regelmäßig und auch nicht auf Turnieren“, erzählt der Auszubildende zum Industriekaufmann, der mit sechs Jahren zum Fußball kam und da seine Berufung gefunden hat. Alle Jugendmannschaften hat er bei Borussia Darup durchlaufen und ist mittlerweile in der ersten Mannschaft des A-Ligisten angekommen: in der vergangenen Saison noch als Frühsenior, jetzt in seinem ersten offiziellen Jahr. Und es läuft gut für den Mittelfeldmann, der sich am liebsten auf der Sechser- oder Achter-Position tummelt und dazu über einen ausgeprägten Torinstinkt verfügt. Sechs Tore hat er in der abgebrochenen Spielzeit 2019/20 erzielt, aktuell liegt er nach acht Partien bei vier Treffern und führt damit die interne Liste an.

Fußball gespielt hat Laurenz lange Zeit auch. „Mit zehn Jahren bin ich dann regelmäßig auch geritten“, berichtet er. Lange Zeit liefen beide Sportarten parallel, bis hinein in die A-Jugend, in die der 16-Jährige bei den Borussen vorzeitig aufrücken musste. „Da habe ich mich auch total wohlgefühlt“, versichert er. „Aber auf Dauer war beides zeitlich nicht mehr zu schaffen.“

Zumal der Aufwand im Reitsport deutlich größer ist. Für Laurenz Terbrack bleibt es längst nicht bei drei Einheiten in der Woche. Jeden Tag sitzt er im Sattel, bewegt seine drei Pferde Umarooma, Cayman und Collie und arbeitet an der Feinabstimmung. „In den Ferien habe ich dafür natürlich mehr Zeit“, sagt der Zehntklässler am Gymnasium Nottuln. Ansonsten erhält er Unterstützung von Mutter Maria und Vater Markus.

Hinzu kommen an den Wochenenden die Turniere, auf denen der 16-Jährige für den RV Nottuln teilweise mit mehreren Pferden und in verschiedenen Prüfungen unterwegs ist. Wo und mit wem, das hänge vom Turnierplan ab: „Das entscheide ich dann gemeinsam mit meinen Eltern.“ So ein Turniertag kann schon ganz schön lang werden.

Aber Laurenz Terbrack nimmt es gerne auf sich. Der Erfolg gibt ihm recht: Platz eins beim Bundesvierkampf 2019 in Berlin mit der Mannschaft und im Einzel, das war für den jungen Daruper ein ganz besonderes Ereignis. Platz eins mit dem Team Westfalen und Rang sieben im Einzel beim Nachwuchschampionat in Warendorf, auch das fällt ihm spontan ein – „und die Prüfungen in der Westfalenhalle in Dortmund.“ Wobei die reine Jagd nach Schleifen für ihn gar nicht im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr die Entwicklung, seine eigene und die der Pferde. Mittlerweile geht Laurenz in M**-Springen in den Parcours mit 1,35 Meter hohen Hindernissen. „Der nächste Schritt wäre die S-Klasse“, blickt er voraus. „Dafür muss ich aber noch viel trainieren.“

Vom Aufstieg träumt Julius Terbrack aktuell nicht, aber das ist auch nicht der Anspruch bei den Borussia-Kickern. Nachdem die Daruper in der vergangenen Saison tief im Tabellenkeller steckten, sind sie nun nach den ersten sieben Saisonspielen im gesicherten Mittelfeld unterwegs – wozu der 19-Jährige nicht nur mit seinen vier Toren beigetragen hat, sondern auch mit seinem verlässlichen Einsatz, denn bisher hat er noch keine Minute verpasst. „Wenn wir den Platz bestätigen könnten, wäre das eine gute Sache“, sagt Julius, der als Schalke-Fan ansonsten eher wenig Spaß am Jahr 2020 hatte.

Spaß, die Freude am Sport, die wollen sie sich selbst auch 2021 erhalten. Jeder auf seine Art, auf dem Fußballfeld und im Reitparcours, alles mit der vollen Unterstützung von Maria und Markus Terbrack. Denn die sind natürlich mit Laurenz auf den Turnieren unterwegs, aber eben nicht nur, erklärt Julius: „Wenn es die Zeit zulässt, sehen sie mir sonntags auch beim Fußball zu.“

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