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Fußball: Vor 24 Jahren legt die DJK Coesfeld III die perfekte Saison hin

Ballermänner ohne jeden Makel

Coesfeld. Erfahrung hat er reichlich, aber angesichts dieser Bilanz muss selbst er sich wundern. „28 Spiele, 28 Siege“, staunt Karlheinz Büscher. „Das habe ich in meinen 28 Jahren als Staffelleiter noch nicht erlebt.“ Es ist eine außergewöhnliche Marke, die die dritte Mannschaft der DJK Coesfeld zum Ende der Saison 1996/97 setzt. „Irgendwann war das ein Selbstläufer“, blickt Norbert Göckener zurück. Auch er hat in etlichen Jahren als Trainer eine Menge erlebt, aber dieser blitzsaubere Lauf, der das Team zurück in die Kreisliga B bringt, bleibt nachhaltig in Erinnerung.

Frank Wittenberg

Jubel hoch drei ist 1997 bei den Fußballern der DJK Coesfeld angesagt: Die erste Mannschaft schafft den Bezirksliga-Aufstieg, die A-Jugend den Sprung in die Kreisleistungsliga – und die „Dritte“ gewinnt alle 28 Saisonspiele, schießt 152 Tore und erhält den Föller-Pokal. Gefeiert wird gemeinsam. Fotos: Archiv Foto: az

Überhaupt sind es verrückte Fußballwochen in diesem Frühjahr 1997. Der FC Schalke 04 holt sensationell gegen Inter Mailand den UEFA-Pokal, Borussia Dortmund legt eine Woche später den Champions-League-Triumph gegen Juventus Turin nach – und dann lässt es die DJK Coesfeld so richtig krachen: Am vorletzten Spieltag sichert sich die erste Mannschaft mit einem 4:0-Sieg bei Adler Buldern den Meistertitel in der Kreisliga A. Ludger Schwier per Elfmeter nach Foul an Stefan Hollstegge, Celio Neto, dann erneut Schwier per Strafstoß nach Foul an Dieter Averesch und Spielertrainer Uwe Tschiskale sorgen mit ihren Treffern dafür, dass die Eintrachtler von Verfolger Vorwärts Hiddingsel nicht mehr einzuholen sind. Am Ende ist mit acht Punkten Vorsprung die Rückkehr in die Bezirksliga perfekt. Zudem sichern sich die A-Junioren ebenfalls den Titel in der A-Liga und schaffen den Sprung in die Kreisleistungsliga.

Zu diesem Zeitpunkt ist in der Kreisliga C schon längst alles geklärt, denn die zweite Mannschaft, die als DJK Coesfeld III ins Rennen geht, marschiert von Sieg zu Sieg. „Das war auch der Anspruch, denn wir hatten einen sehr guten Kader zusammen“, blickt Norbert Göckener zurück. „In der ersten Mannschaft gab es ein paar auswärtige Spieler, bei uns waren es alles DJK’ler.“

Und die zeigen von Beginn an, dass sie einen bitteren Betriebsunfall reparieren wollen. Im Jahr 1993 steigt das Team von der A- in die B-Liga ab – zwei Jahre später geht es sogar noch eine Klasse tiefer in die Niederungen der Kreisliga C. Jetzt soll die Richtung endlich wieder nach oben zeigen, und das demonstrieren die Kicker von Trainer Norbert Göckener von Beginn an eindeutig. Woche für Woche fahren die Eintrachtler zum Teil klare Siege ein und lassen auch nicht nach, als der Vorsprung auf den Tabellenzweiten VfL Billerbeck III so groß ist, dass der Verfolger den Spitzenreiter nur noch mit dem Fernglas sehen kann. „Dann wollten wir es auch richtig durchziehen“, lächelt Göckener. Schon Mitte April nach dem 6:1-Sieg gegen SW Holtwick IV steht fest, dass ihnen der Meistertitel nicht mehr zu nehmen ist.

Am letzten Spieltag lassen sie es noch einmal richtig krachen: 11:1 lautet der Endstand zum Ausklang bei Turo Darfeld IV – somit darf sogar die perfekte Saison ohne jeglichen Punktverlust bei 152:24 Toren gefeiert werden. „Anschließend sind wir mit einem Bulli des Schützenvereins Gaupel mit abgesägtem Dach zurück nach Coesfeld gebracht worden“, erinnert sich Göckener gerne an die Sause.

Für die außergewöhnliche Saison zollt Staffelleiter Karlheinz Büscher den Himmelsstürmern bei der Meisterehrung seinen Respekt. „17 Punkte Vorsprung, alles gewonnen, das ist schon imponierend“, stellt er fest. „Und für die 152 geschossenen Tore gibt es auch noch den Föller-Pokal.“ Das ist die Wandertrophäe, die damals jeweils für den besten C-Ligisten verliehen wird. Beim Staffeltag im Brauhaus Stephanus darf Richard Schüer den Pott in Empfang nehmen – „Ritchie“ wandelt in der Meistersaison auf den Spuren von Bundesliga-Rekordschütze Gerd Müller und erzielt ebenso wie sein Teamkollege Reinhold Brambrink stolze 40 Treffer. Und noch etwas ist rekordverdächtig: Gleich sieben verschiedene Torhüter setzt der Meister in 28 Spielen ein und bleibt dennoch einfach unbesiegbar.

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