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Reiten: Judith Peter holt den Deutschen Meistertitel nach Lette

Die beste Vierkämpferin des Landes

Lette

Der Jubel, die Siegerehrung, der ganze Trubel, alles fühlte sich noch so unwirklich an. Deutsche Meisterin! „Das hat echt eine Nacht gedauert, bis ich das wirklich realisiert habe“, gibt Judith Peter ehrlich zu. Zumal es eine verrückte Reise war beim Bundesvierkampf der Reiter in Langenfeld im Rheinland: Von Platz 19 auf vier, dann auf drei und schließlich auf das oberste Siegertreppchen – mit jeder Disziplin hat sich die 16-Jährige Letteranerin dichter an den Titel „gearbeitet“, von dem sie im Vorfeld bestenfalls träumen durfte. Aber manchmal werden Träume eben wahr.

Von Frank Wittenberg

Ein paar Streicheleinheiten gibt es extra: Judith Peter mit ihrem Pferd „Fashion Dancer“, das sie mit einer tollen Leistung in der Dressurprüfung maßgeblich zum Titel Deutsche Meisterin 2022 im Bundesvierkampf getragen hat. Foto: Foto: fw

Stolz tätschelt die Gymnasiastin den Kopf ihres Pferdes „Fashion Dancer“, das sich einige zusätzliche Streicheleinheiten verdient hat. Denn als Duo haben sie in der Dressurprüfung geglänzt – so sehr, dass der Sieg in dieser Teilprüfung mit der Höchstnote 8,6 an Judith Peter ging. „Das hat super funktioniert“, lächelt sie im Bewusstsein, dass auch die Tagesform stimmen muss.

Wobei die Dressur freilich nur eine der Aufgaben ist, die im Vierkampf bewältigt werden müssen. Das Springen kommt dazu, ebenso wie Schwimmen und Laufen. Vielseitigkeit ist gefragt, aber die Pius-Schülerin bringt trotz ihres jungen Alters schon reichlich Erfahrung mit. „Mit acht Jahren habe ich mit dem Training begonnen, mit neun habe ich zum ersten Mal an einem Wettbewerb teilgenommen“, erzählt sie. Die Liebe zum Pferd hat sie von ihrer Mutter Anja in die Wiege gelegt bekommen, das Interesse am Vierkampf hat Jürgen Winkelmann geweckt, der viele Jahre als Trainer im Kreisverband maßgeblich an den zahlreichen Erfolgen beteiligt war.

Vier Disziplinen, da muss es doch eine Zitterpartie geben. „Das Schwimmen ist nicht meine große Stärke“, gibt Judith Peter ehrlich zu. Gleich zum Auftakt musste sie ins Wasser, schlug nach 50 Metern und 37,7 Sekunden an – neue persönliche Bestzeit, die Platz 19 unter 44 Startern bescherte.

Kein Rang in unmittelbarer Sichtweite des Podiums, aber das änderte sie mit besagter Topleistung in der Dressur, nach der die Reiterin des ZRFV Coesfeld/Lette schon auf Platz vier vorgerückt war. Und das, obwohl sie das Springreiten eigentlich ein bisschen mehr mag. „Alles macht Spaß“, versichert die 16-Jährige. „Aber im Springen ist mehr Action.“ Vor dieser letzten Disziplin stand der 3000-Meter-Lauf, der den Teilnehmern angesichts eines teils sehr sandigen Bodens im Gelände eine Menge abverlangte. Aber die Form stimmte, denn als Vorbereitung auf den Westfälischen Vierkampf vor einigen Wochen hatte sie seit Dezember mit dem Team des Kreisreiterverbandes Coesfeld einmal in der Woche ein Schwimm- und Lauftraining in Lüdinghausen absolviert, hinzu kam ein dreitägiger Vorbereitungslehrgang in Rhede.

Auf Platz drei ging es für Judith Peter in das große Finale, den Springparcours. „Nervös war ich nicht“, versichert sie. Den Gedanken an die große Chance hatte sie zunächst beiseite geschoben, zumal sie für diese letzte Disziplin im Rahmen des üblichen Tausches auf einem ihr fremden Pferd aus dem Landesverband Sachsen-Anhalt antreten musste. Nicht einmal zehn Minuten blieben Reiterin und „Charles“, um sich aneinander zu gewöhnen – „aber ich hatte schon nach dem ersten Probesprung ein gutes Gefühl.“ Das sollte sie nicht täuschen: Die Wertnote 8,1 holte das Duo, Platz fünf in dieser Teilprüfung. „Mit der Note war mir bewusst, dass es für einen vorderen Platz reichen könnte“, lächelt die 16-Jährige, die prompt die ersten Glückwünsche ihrer mitrechnenden Teamkolleginnen anehmen durfte.

Ein paar Minuten später war klar: Die Deutsche Meisterin 2022 im Deutschlandpreis der Vierkämpfer heißt Judith Peter, die als einzige Starterin um acht Punkte die 6000er-Marke geknackt hat. Und damit nicht genug, denn nachdem sie schon 2020 mit dem Nachwuchsteam Bronze geholt hatte, schaffte es das Team Westfalen mit der Letteranerin sowie Anne Benthaus, Karlotta Eilers und Antonia Vogt hinter Sieger Bayern und dem Rheinland auf Rang drei in der Mannschaftswertung. Reichlich Dekoration für sie und ihren „Fashion Dancer“ – verbunden mit der Gewissheit, einen außergewöhnlichen Erfolg gefeiert zu haben, der einmalig bleiben soll. „Das war für mich der letzte Vierkampf“, sagt Judith Peter voller Überzeugung. „Denn schöner kann es nicht werden.“

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