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Parasport: Mathias Mester veranstaltet die Parantänischen Winterspiele mit Spendenaktion

Die erste Schanze ist bezwungen

Coesfeld. Ebenso mutig wie unnachahmlich stürzt sich Mathias Mester die steile Rampe hinunter, nimmt Fahrt auf, hebt ab – und landet eher unsanft. „Wo ist der Telemark?“, fragt der Kommentator. Klare Sache, da ist noch Luft nach oben nach dem ersten Tag der Dreischanzentournee. Dennoch steht gestern Abend fest: Mit 0,2 Metern übernimmt der Coesfelder die Führung in der Gesamtwertung – Mester legt einen hervorragenden Start in die Parantänischen Winterspiele hin und darf von jeder Menge Medaillen träumen.

Frank Wittenberg

Die erste Herausforderung im Rahmen der Dreischanzentournee läuft für Mathias Mester noch etwas holprig – gestern Abend ging der erste Wettkampf im Rahmen der Parantänischen Winterspiele über die Bühne. Foto: az

Nein, mit Wintersport hat der 34-Jährige eigentlich nicht so viel am Hut. Wobei: Über die Olympischen Winterspiele und die Paralympics 2018 in Pyeongchang hat der Coesfelder vor Ort live und in Farbe für die ARD berichtet. Aber selbst als Aktiver? „Ich habe mal für ein Format mit den Kölner Haien Eishockey gespielt“, lacht er. Und gemeinsam mit seinem Parasport-Kumpel Niko Kappel Biathlon ausprobiert. „Allerdings musste ich feststellen, dass ich absolut nicht Skifahren kann“, zuckt Mester mit den Schultern. Auf Inlinern, das funktioniert ganz gut – „aber mit diesen Brettern komme ich nicht klar.“

Was ihn allerdings nicht davon abgehalten hat, die Parantänischen Winterspiele auszurufen und natürlich selbst alle Sportarten auf seine eigene Art und Weise auszuprobieren. Eine Idee, die eher spontan gekommen sei, als er mit dem Sonderpreis „Besondere Leistung 2020“ des Deutschen Behindertensportverbandes ausgezeichnet wurde. Den hat der Speerwerfer erhalten, weil er im ersten Lockdown im Frühjahr kurzerhand die Parantänischen Spiele ins Leben gerufen hatte in Form von ebenso verrückten wie lustigen Videoclips, in denen er olympische Sportarten vom Schwimmen über Reiten bis hin zur Rhythmischen Sportgymnastik ausprobierte. „Ich habe sehr viele Reaktionen von Menschen bekommen, die sich für 14 Tage gute Stimmung bedankt und gleichzeitig bedauert haben, dass es das nicht mehr gibt“, erzählt er. Also entschied er sich für eine Neuauflage im Winter – die nun zufällig wieder in einen Lockdown fällt.

Zwei Wochen lang gibt es nun jeden Abend ab 18 Uhr auf seinen Social Media-Kanälen neue Clips zu sehen. Gestern Abend lief als erster Wettbewerb die Dreischanzentournee, in den nächsten Tagen geht es unter anderem weiter mit Ski alpin, Biathlon, Bob oder Eishockey, wobei auch Eiskunstlauf nicht fehlen darf. Dabei erhält Mester bisweilen prominente Unterstützung: Moritz Müller aus dem deutschen Eishockey-Nationalteam ist zum Beispiel dabei, ebenso Stabhochspringerin Katha Bauer. Noch ist nicht alles fertig, aber auch das passt zu Kreativkopf Mathias Mester. „Es entwickelt sich immer weiter“, lächelt er. „Und die Sache lebt auch davon, dass Dinge passieren, die vorher nicht geplant waren.“

Den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern, das ist erneut das Ziel. Aber wie schon im Frühjahr verbindet der 34-Jährige seine Parantänischen Spiele mit einer Spendenaktion. Einen symbolischen Ticketverkauf bietet er wieder an, dazu haben seine Sponsoren etliche attraktive Artikel zur Verfügung gestellt, deren Verkaufserlös zu 100 Prozent in den Topf fließt. Zudem steuert Toyota zu jeder Spende über zehn Euro einen weiteren Zehner bei. Mit den Spendengeldern sollen der „Verein zur Förderung der deutschen Para Leichtathletik e.V.“ und der „Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e. V. (BKMF)“ unterstützt werden. 6400 Euro hat „Matze“ Mester im Frühjahr eingesammelt – diesmal sind 10 000 Euro das Ziel. „Dafür sieht es super aus“, freut er sich. Denn schon gestern Abend, am zweiten Tag der Parantänischen Winterspiele, lag die Summe bei rund 5200 Euro.

Bei allem Spaß: Ein großes Ziel will der 34-Jährige nicht aus den Augen verlieren, und das sind die Paralympics 2021 in Tokio. Dafür ist er nach einer kurzen Weihnachtspause am Sonntag wieder ins Training eingestiegen – „nicht einfach nach drei Tagen nur essen.“ Aber Mester ist nicht nur positiv verrückt, sondern auch ehrgeizig. Bei den Parantänischen Winterspielen will er noch bis zum 10. Januar möglichst viele Medaillen in den verschiedensten Sportarten einsammeln – in Tokio würde ihm dieses eine Gold im Speerwerfen voll und ganz reichen. | Alle Infos zur Spendenaktion unter: www.toyota-crowd.de/parantaenischespiele

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