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Parasportler Mathias Mester präsentiert sein Buch „Klein anfangen, groß rauskommen“

Ein Riese mit 142,5 cm

Coesfeld

Mit Trophäen kennt er sich aus. Diese aber, die er vorsichtig in den Händen hält, glänzt weder in Gold noch in Silber oder Bronze, sondern in Blau. „Wenn du eine Medaille gewinnst und auf dem Treppchen stehst, weißt du, dass das Ziel erreicht ist“, sagt Mathias Mester. In diesem Buch mit dem Titel „Klein anfangen, groß rauskommen“ steckt nicht weniger Arbeit – aber der Lohn ist nicht in einem Moment zu ernten. „Jetzt müssen die Leute es erst lesen“, lächelt der „Weltmester“ mit Blick auf sein „Baby“, wie er es nennt. „Ich bin total gespannt auf die Reaktionen.“

Von Frank Wittenberg

Vor dem Beststeller-Regal macht er eine gute Figur: Mathias Mester beschreibt in seinem Buch „Klein anfangen, groß rauskommen“ sein „verrücktes Leben auf 142,5 cm“. Foto: Foto: fw

Ein Baby, mit dem er ziemlich genau fünf Jahre „schwanger“ war. Denn die Idee kam schon bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro auf. „Holger Schmidt hat mich gefragt, ob es nicht spannend wäre, alles das, was ich erlebt habe, in einem Buch festzuhalten“, erinnert sich der 34-Jährige an die Gespräche mit dem Sportjournalisten, den er schon bei seinen ersten Spielen 2008 in Peking kennengelernt hatte. Bis zur Umsetzung ist einige Zeit ins Land gegangen. „Wir haben lange daran gebastelt und auch einige Zeit gebraucht, bis wir einen Verlag gefunden haben“, erzählt Mester. Das ist jetzt gelungen – passend zum Ende seiner sportlichen Karriere, das er im Juni nach dem Gewinn des EM-Titels im Speerwerfen verkündet hat.

Wie so ein Buch entsteht? In etlichen Treffen mit Holger Schmidt, in denen Mathias Mester erzählt hat – aus seiner Kindheit, aus seinem sportlichen Weg, aber auch aus dem ganz normalen Alltag mit allen kleinen und großen Hürden, die er als Kleinwüchsiger bewältigen muss. Exakt 142,5 Zentimeter misst er, aber für viele, die ihn kennen, ist er sportlich und menschlich ein Riese.

Dabei geht es nicht immer lustig zu. „Die meisten Menschen kennen mich als Spaßvogel, und so bin ich auch“, betont der Coesfelder. Dass es aber nicht nur den fröhlichen Matze gibt, sondern auch den, der Tiefpunkte bewältigen muss, der schlechte Phasen zu durchleben hat, daraus macht er kein Geheimnis – und so steigt er auch in sein Buch ein. Denn die schwerste Zeit, die er 2019 erlebt hat, stellt er gleich an den Anfang. „Ich möchte zeigen, dass man auch mit solchen Situationen umgehen muss“, liegen ihm auch die ernsteren Kapitel sehr am Herzen. „Es läuft nicht immer alles glatt, aber es gibt auch Wege heraus.“

Vor allem aber soll „Klein anfangen, groß rauskommen“ ein Spiegelbild seines Lebens und des „Typen“ Matze Mester sein. Deshalb hat er sich zum Beispiel sehr über das Urteil seiner Physiotherapeutin gefreut, mit der er schon seit 2009 zusammenarbeitet. „Sie hat gesagt, dass sie mich voll und ganz darin wiederfindet“, lächelt er. Genau das ist ihm wichtig, das stand in der gesamten Entwicklungszeit im Vordergrund: „Dieses Buch sollte nicht verändert werden, nur um es eventuell besser verkaufen zu können“, sagt er im Brustton der Überzeugung. „So oder gar nicht!“ Diesem Ziel ist er mit Holger Schmidt treu geblieben.

Eine besondere Freude sind dem 34-Jährigen die Gastbeiträge. Von Detlef Steves etwa, der sich über mehrere TV-Dokus einen Namen gemacht hat und den Mester als eine Art Mentor bezeichnet, Para-Sportler Niko Kappel als enger Wegbegleiter, Nationalspieler Mats Hummels, Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius als langjährige Trainerin, ebenso Fabian Thier als alter Kumpel, sie alle haben ihre Sicht der Dinge auf den „Weltmester“ abgegeben. Außerordentlich bewegt hat ihn dabei der Gastbeitrag seiner Mutter Gabi. „Ich habe meine Eltern nie gefragt, warum ich kleinwüchsig bin und wie es ihnen damit geht“, sagt er. Die Art und Weise, wie sehr sie ihm Normalität vorgelebt haben und wie seine Mutter das im Buch beschreibt, findet er beeindruckend: „Das ist sehr stark – und ich finde, dass es vielen Menschen Mut gibt.“

Mut machen, das trifft es. Denn egal, welche Einschränkungen oder Hindernisse es gibt: Klein anfangen und groß rauskommen, das steckt in nahezu jedem Menschen, davon ist Mathias Mester überzeugt. Auf diese Reise will er die Leser mitnehmen, egal wie groß oder klein, wie jung oder alt. „Meine Oma Marianne hat schon gefragt, ob ich nicht noch ein Buch schreiben kann“, lacht er mit Blick auf die fast 90-Jährige. „Sie sagt, wenn sie über mich liest, geht die Zeit so schnell um.“ 7 „Klein anfangen, groß rauskommen“ von Mathias Mester und Holger Schmidt ist im Verlag Die Werkstatt erschienen, ISBN 978-3-7307-0565-0. Das Buch ist in Coesfeld beim Thalia und in der Buchhandlung Heuermann erhältlich.

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