Anna Aehling spielt seit vier Monaten für die Indiana Hoosiers in den USA

Fußball, Uni und Hängematte

Coesfeld. Hatte sich ihr „amerikanischer Traum“ coronabedingt zunächst noch verzögert, kickt und studiert die U 20-Nationalspielerin Anna Aehling nun seit knapp vier Monaten in den USA. Ausgestattet mit einem Fußball-Stipendium, absolviert die Coesfelderin, die zuvor im FLVW-Mädchenfußball-Internat lebte und zuletzt beim Zweitligisten FSV Gütersloh 2009 spielte, ein Studium an der Indiana University, wo sie auch für das dortige Women’s Soccer Team am Ball ist.

Rüdiger Zinsel

Die Nummer vier hat sich Anna Aehling für ihr Trikot bei den Indiana Hoosiers ausgesucht – die Entscheidung fiel ihr leicht, denn dabei handelt es sich um die Glückszahl ihrer Mutter. Foto: privat

Im Februar debütierte Anna Aehling im Team der Indiana Hoosiers. Zwar gab’s bei den Northwestern University Athletics in Illinois eine 0:1-Niederlage. Doch danach lief es nicht nur sportlich immer besser: Die ehrgeizige Coesfelderin blickt auf eine sehr erfreuliche Eingewöhnungszeit in der Universitätsstadt Bloomington, 70 Kilometer südlich der Hauptstadt Indianapolis, zurück. „Die Mannschaft ist super nett, und die Gegebenheiten hier sind der Wahnsinn“, schwärmt die 20-Jährige, verrät aber auch: „In den ersten Wochen war es schon eine Umstellung, weil das Training ein bisschen anders ist und auch der Spielrhythmus. Wir hatten kurz vor Ostern zum Beispiel vier Spiele in neun Tagen.“

Natürlich versucht sie bei allem Stress, mit ihrer Familie und den besten Freunden in Kontakt zu bleiben: „Manchmal ist es schon schwierig mit der Zeitverschiebung“, sagt sie und verspricht sogleich: „Aber ich versuche, immer die Tageszeiten zu finden, an denen ich sie anrufen kann.“

In ihrem neuen Team wird Anna Aehling, die einst als Fünfjährige bei der DJK Coesfeld mit dem Kicken im Verein begann und später bis zu den B I-Junioren gemeinsam mit den Jungs bei der SG 06 spielte, von Trainer Erwin van Bennekom in der Innenverteidigung eingesetzt. Für die Indiana Hoosiers scheint sich die Verstärkung aus Coesfeld als Glücksfall zu entpuppen: „Wir haben uns in der nun abgelaufenen Saison sehr gut geschlagen. Wir haben die meisten Punkte für Indiana seit 1998 geholt und die Saison auf dem fünften Platz abgeschlossen. Ich glaube, in den nächsten Jahren ist da noch mehr drin“, spekuliert sie.

Aber auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gilt: Ohne Fleiß kein Preis! „Regelmäßig haben wir donnerstags und sonntags ein Spiel und an allen anderen Tagen Training. Nur montags ist meistens frei. Dazu kommt, dass wir viel reisen müssen“, gibt sie einen Einblick in ihr Pensum und findet: „Insgesamt haben wir einen ordentlich straffen Zeitplan mit Fußball und Uni. Aber alles ist machbar, und Zeit für Team-Abende gibt’s auch.“

Apropos Zeit: Viel davon verbringt die Studentin, die sich für den Studiengang „Outdoor Recreation, Parks & Human Ecology“ entschieden hat, am Schreibtisch und in der Uni. Und auch da folgt sie einer gewieften Taktik: „Ich brauche immer etwas mehr Zeit, um meine Aufgaben zu erledigen, und sitze unter der Woche oft bis abends an meinen Hausaufgaben. Dafür schaffe ich es meistens, dass ich am Wochenende viel unternehmen kann.“

Womit wir bei der Freizeitgestaltung im „Hoosier State“ wären: Da verbringt sie viel Zeit mit ihrem Team. „Wir machen häufig Spiele-abende oder fahren zum See und packen dort unsere Hängematten aus. Außerdem gehen wir gerne über unseren sehr schönen Campus spazieren oder machen kleine Fahrradtouren“, klingt die 20-Jährige ziemlich zufrieden.

Gibt es auch etwas, das sie – neben Familie und Freunden – in den USA vermisst? - „Das deutsche Essen“, antwortet Anna, lacht dabei und erklärt: „Das Essen hier ist wirklich ein kleiner Unterschied zu unserem.“ Im Wohnheim, wo sie momentan lebe, habe sie keine Küche. Folglich freue sie sich sehr, wenn sie bald nach Hause nach Coesfeld komme und mal wieder ihr eigenes Essen kochen könne. „Aber wenn ich dann nach den Semesterferien Ende Juli wieder nach Amerika fliege, werde ich auch mein eigenes Apartment bekommen und selber kochen . . .“

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