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Leichtathletik: Mirja Lukas und Johanna Rier starten bei der Jugend-DM

Gerne mit Deko für den Hals

Coesfeld

Die 1000 Kilometer hin und zurück abzureißen, um nur als Touristinnen dabei zu sein, nein, das ist nicht das Ziel. Wirklich planen lassen sich Zeiten und Weiten nur schwierig, aber die Hoffnung auf eine schicke Dekoration für den Hals lebt. „Wenn es gut läuft, könnte für beide eine Medaille möglich sein“, drückt Trainerin Sandra Bertels fest die Daumen. Mirja Lukas und Johanna Rier wollen es anpacken: Die beiden Leichtathletinnen der LG Coesfeld sind am Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft der Jugend U 20/U 18 in Rostock am Start.

Von Frank Wittenberg

Freuen sich auf die Jugend-DM in Rostock: Mirja Lukas (links) geht im Speerwurf an den Start, Johanna Rier im Weitsprung und über 100 Meter – und beide hoffen auf einen Platz auf dem Podium. Foto: Foto: fw

Ihre Erfahrungen mit nationalen Titelkämpfen haben sie bereits gesammelt. Mirja Lukas war vor einem Jahr bei der Mehrkampf-DM dabei, Johanna Rier bei der U 18-Meisterschaft im Weitsprung in Heilbronn. „Da war ich aber nicht zufrieden“, kommentiert die 17-Jährige ihr Aus im Vorkampf und Platz 15 in der Endabrechnung. Nach einem Meniskusriss im Knie und einer längeren Pause fehlten die Sicherheit und die Präzision im Absprung. Das Ziel war aber sofort neu gesteckt: „Ich wollte 2021 wieder zur DM.“

Gesagt, getan. Schon im ersten Wettkampf der Saison knackte sie die Norm von 5,75 Metern – „da hat sich ausgezahlt, dass ich während der Corona-Zeit mit dem Bundeskader trainieren konnte.“ Vier Einheiten in der Woche absolvierte Johanna Rier in Wattenscheid, dank der Unterstützung ihrer Eltern und auch ihres Trainers Matze Bertels, die regelmäßig den Fahrdienst übernahmen. Und es kam noch besser: Vor eineinhalb Wochen knackte die Nepo-Schülerin (Q2) beim Meeting in Wattenscheid erstmals die magische Sechs-Meter-Marke und landete bei 6,04 Metern.

Damit soll nicht Schluss sein. „In Richtung 6,20 könnte es gehen“, lächelt sie angesichts der Trainingseindrücke – wenn es denn mit dem Absprung klappt, bei dem sie bisweilen einen Tick zu viel Risiko nimmt und den Versuch ungültig macht. Johanna Rier reizt es aus, um auf das Siegertreppchen zu springen. An Position vier ist die Coesfelderin gemeldet, wobei Laura Müller (Unterländer LG) und Ruth Hildebrand (MTG Mannheim) mit ihren Marken von 6,47 beziehungsweise 6,35 Meter als klare Favoritinnen gelten. Die Dritte Samira Attermeyer (LG Olympia Dortmund) liegt in der Vorleistung aber nur einen Zentimeter weiter als die Coesfelderin. „Nach ganz vorne wird es schwierig“, weiß Johanna Rier, die über die 100 Meter mit 12,24 Sekunden ebenfalls die Norm (12,50) geknackt hat und auch über diese Distanz an den Start gehen wird. „Aber im Bereich von Bronze ist im Weitsprung alles möglich.“

Von einer DM-Medaille darf auch ihre Teamkollegin Mirja Lukas träumen, die ihre Bestleistung im Speerwurf mittlerweile auf 47,95 Meter gesteigert hat und ebenfalls in der Meldeliste an Position vier geführt wird. „Die 48 Meter sollten drin sein, dann nehme ich die 50 ins Visier“, träumt die 16-Jährige davon, die Schallmauer vielleicht schon in Rostock zu knacken.

Dass es in dieser Saison so weit gehen würde, nein, damit hätte sich nicht gerechnet. Denn Mirja Lukas, die nach den Ferien in die Q1 des Gymnasiums Nepomucenum gehen wird, ist gar nicht auf diese Disziplin spezialisiert – Vielseitigkeit ist bei der Coesfelderin Trumpf, die auch das Ticket für die Mehrkampf-DM vom 20. bis 22. August in Wesel in der Tasche hat. Und von der besonderen Herausforderung, sieben Disziplinen in einem Wettkampf zu absolvieren, will sie nicht abrücken: „Das macht zu viel Spaß. Da will ich mich noch nicht einschränken.“

Wobei der Speerwurf neben dem Hochsprung ihre Paradedisziplin ist. Hart gearbeitet hat sie in den vergangenen Monaten, zumal sie als Mitglied im goldgas-Talent-Team auch während der Corona-Zwangspause trainieren durfte. „Sechsmal in der Woche“, lächelt sie. Das war eine willkommene Abwechslung, weil sie ja nicht zum Handball greifen durfte, den sie in der weiblichen A-Jugend der DJK Coesfeld spielt. Der Aufwand hat sich gelohnt und könnte in Rostock mit einer Medaille veredelt werden.

Einen Wermutstropfen gibt es: Die Titelkämpfe finden ohne Zuschauer statt. „Sehr schade“, bedauert Johanna Rier. Denn das „Anklatschen“ im Weitsprung helfe ihr sehr. „Das gibt noch einmal einen Adrenalinschub!“ Umso mehr gilt: Daumen drücken für die LG-Sportlerinnen, damit der Traum vom Podium Wirklichkeit wird.

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